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Bewährungsstrafe, Sozialstunden, Geldstrafe

Vatertags-Prügel: Flucht und Chat sprachen gegen Angeklagte

LÜGDE / DETMOLD. Sämtliche Verteidiger hatten Freisprüche gefordert für die vier Angeklagten, die sich seit 9. Februar wegen einer folgenschweren Prügelei am Vatertag 2017 im Umfeld des Lügder Bahnhofs vor dem Landgericht Detmold verantworten müssen. Doch daraus wurde am Montag nichts.

veröffentlicht am 12.03.2018 um 21:58 Uhr

Die vier Angeklagten vor Verhandlungsbeginn mit ihren Verteidigern Baris Devletli, Andreas Scharmer (in Vertretung des erkrankten Jürgen Reese), Dr. Heinz-H. Berghof und Christian Walter. Nicht im Bild: Roman von Alvensleben. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Bei dem laut Anklage hinterlistigen Angriff der vier jungen Männer auf eine andere Ausflügler-Gruppe hatte ein 35 Jahre alter Familienvater aus Schieder drei Brüche im Gesicht erlitten, sein Schwiegervater und ein Freund wurden leichter verletzt. Weil der 35-Jährige noch getreten wurde, als er schon bewusstlos am Boden lag, stand zunächst sogar der Vorwurf des versuchten Totschlags im Raum. Der Gewaltexzess hatte damals im Raum Lügde und Bad Pyrmont viele Menschen entsetzt. Auslöser war ein Rüffel wegen des Überquerens der Bahngleise gewesen (wir berichteten).

Wegen der teils sehr unterschiedlichen Aussagen von Zeugen aus beiden Lagern zum Ablauf des Tumults ließen sich zwar nicht alle Schläge und Tritte eindeutig bestimmten Verursachern zuordnen. Insgesamt ergebe sich jedoch ein „stimmiges Bild“, erklärte Richterin Anke Grudda.

Die Erste Große Jugendkammer des Landgerichts Detmold hatte drei Verhandlungstage lang mehr als 20 Zeugen gehört, darunter auch drei unparteiische Beobachter sowie drei Polizeibeamte.

Der ursprüngliche Vorwurf der versuchten Tötung ließ sich nicht nachweisen. Das Gesamtbild ergab aber auch keinen Freispruch: Einer der zwei Hauptangeklagten, ein 23-Jähriger Pyrmonter, bekam wegen gefährlicher Körperverletzung zwei Jahre Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf drei Jahre zur Bewährung. Zudem muss er dem Schiederaner 5000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Er erklärte: „Ich möchte nicht für Sachen bestraft werden, die ich nicht gemacht habe.“ Er habe bei der Schlägerei einen Riss im Trommelfell erlitten.

Der zweite Hauptbeschuldigte, ein 19 Jahre alter Erstsemester-Jurastudent aus Bad Pyrmont, muss 80 Sozialstunden ableisten. Die gleiche Auflage erging gegen einen gleichaltrigen Lügder. Dessen älterer Bruder (23) muss 2500 Euro Geldstrafe zahlen.

Die Kammer blieb mit ihren Urteilen hinter den von Staatsanwalt Alexander Görlitz geforderten Strafen: Er hatte auf drei Jahre Haft für den 23-jährigen Pyrmonter, sieben Monate Haft auf Bewährung für den gleichaltrigen Lügder sowie je zwei Wochen Dauerarrest für die Jüngeren plädiert.

Anwalt Wilfried Mehl, der den als Nebenkläger auftretenden 35-Jährigen vertrat, forderte die Anwendung des Erwachsenenstrafrechts bei dem 19-jährigen Pyrmonter. Ein Jurastudent könne doch nicht zu unreif sein für die nötige Erkenntnisfähigkeit.

Die Aussagen der jungen Zeuginnen, die die Angaben ihrer Freunde gestützt hatten, sie hätten Angriffe der Schiederaner Gruppe nur abgewehrt, erschienen der Kammer als nicht plausibel. Richterin Grudda betonte: Der Nebenkläger sei „nicht Täter, sondern Opfer“ gewesen. Was f ins Gewicht fiel: Die Angeklagten waren nach der Schlägerei geflüchtet – was sie wohl kaum getan hätten, wenn sie Opfer gewesen wären. Und, am entlarvendsten: die Beiträge in der von dem Studenten gegründeten Whatsapp-Gruppe „Knockout“. Das Prahlen der Angeklagten wertete die Kammer laut Richterin als „beschämendes Bild der Persönlichkeit der Angeklagten“.

Rechtskräftig wird das Urteil, wenn binnen einer Woche niemand Revision einlegt.



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