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Vor 1000 Gästen folgt ein Lacher auf den anderen

Urban Priol bringt den Wahnsinn auf den Punkt

Bad Pyrmont. Der Mann ist ein Phänomen. Flink wie ein Eichhörnchen wuselt er fast drei Stunden lang über die Bühne, die Haare etwas weniger wild als gewohnt, und spricht ohne Punkt und Komma.

veröffentlicht am 03.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 01:21 Uhr

Randbayer mit fränkischem Migrations-Hintergrund: Urban Priol be

Autor:

Karin Heininger
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Doch was er sagt, bringt den ganz normalen Wahnsinn und die Absurditäten unserer Zeit auf den Punkt: Urban Priol, der Mann aus der (Fernseh)-“Anstalt“, erobert den Pyrmonter Schlosshof mit fast 1000 Besuchern im Sturm. Seit 1982 ist er als politischer Kabarettist auf den Kleinkunstbühnen zu Hause, doch erst seit einigen Jahren allgemein bekannt.

Der „Randbayer mit fränkischem Migrations-Hintergrund“ sagt von sich selbst, er liebe es, Mythen zu zerstören. Und das besorgt er reichlich und mit wahrer Wonne an diesem Sommerabend. Scheinbar aus dem Stegreif greift er scharfzüngig und mit beißendem Humor im nahtlosen Übergang alle Themen auf, die in der Luft liegen, ob Finanzkrise, Abwrackprämie, das Gebaren der Banker und das Dilemma der Bürger. Vor allem bekommen die Politiker ihr Fett weg. Da hat Priol seine Favoriten, allen voran Angela Merkel, die „Kümmerin mit der Vier Knopf-Leiste“.

Zuschauermeinung: „Einfach klasse!“

Auch wenn sie in der Beliebtheits-Skala der Volksvertreter mit 68 Prozent weit oben liegt – Priol lässt an der Kanzlerin kein gutes Haar, seziert gnadenlos Inhalt und Rhetorik ihrer „Sprechblasen“. Doch auch die Vertreter der anderen Parteien werden abgewatscht.

So warte er immer noch auf den Moment, wo Steinmeier seine Gummimaske vom Gesicht zieht und Schröder erscheint: „Heute ist nicht alle Tage, ich komme wieder ohne Frage.“ Wenn er das Ganze dann im Originalton der Personen imitiert, sind die Übergänge zwischen Kabarett und Comedy fließend. Dazu braucht Priol keine Schminke und Perücke wie etwa Matthias Richling – er schafft allein mit dem brachialen Lachen des Ex-Kanzlers, dem leichten Lispeln Angela Merkels, dem sanften Näseln des Herrn Pofalla oder dem knarzigen Ton von „Münte“ die augenblickliche Präsenz der Politiker.

Priol guckt über den Tellerrand, lässt den „Bonsai- Duce“ Berlusconi oder Obama („Unsere Politiker haben ja Charisma lange für ein Gewürz gehalten“) vor dem geistigen Auge der Zuschauer erscheinen. Immer wieder brandet Szenenapplaus auf, folgt ein Lacher dem anderen. Irgendwann sind fast drei Stunden verflogen.

Priol bittet, bevor er sich ins „prickelnde Nachtleben von Bad Pyrmont“ stürzt, zur Autogrammstunde in den kleinen Hof. Da können ihm seine Fans dann Auge in Auge sagen, wie sie das Programm mit dem Namen „Tür zu“ fanden: Einfach Klasse.

Randbayer mit fränkischem Migrations-Hintergrund: Urban Priol bei seinem Auftritt in Bad Pyrmont.

Foto: Hei



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