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Pastor plädiert für kleine Schritte auf dem Weg zur Geschlechtergerechtigkeit in der katholischen Kirche

Unzufriedene brauchen einen langen Atem

Lügde. „Frauen dürfen die Kirche putzen und für die Caritas sammeln.“ Als Pastor Peter Hellersberg diesen Satz aus einem Hirtenbrief des ehemaligen Limburger Bischofs Franz Kampfhaus zitiert, hat er im Klosterkeller wenn schon nicht die Lacher, so doch das wissende Grinsen der Zuhörer auf seiner Seite. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten zwar gewaltig gewandelt. In der katholischen Kirche ist in dieser Hinsicht allerdings noch nicht so viel passiert. Studierten Theologinnen stehen inzwischen zwar die Hochschulen offen und sie dürfen als Pastoralreferentinnen arbeiten. Diakoninnen oder gar Priesterinnen sucht man unter Katholikinnen jedoch vergeblich.

veröffentlicht am 05.03.2010 um 22:00 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Mag sein, dass es um die Rolle der Evastöchter in der Kirche nicht mehr so arg bestellt ist wie vor über 20 Jahren von Bischof Kamphaus kritisiert. Davon könnte zumindest die Tatsache zeugen, dass an diesem Abend nur wenige Frauen Diskussionsbedarf haben – wohl einfach, weil sie mit der Vorbereitung ihres Weltgebetstags zu beschäftigt sind, um im Klosterkeller zu theoretisieren.

Aber ein spannendes Thema ist „Mutter Kirche und ihre Töchter“ doch. Das findet nicht nur Eckhard Gördes, der zu dem Abend mit Pastor Hellersberg eingeladen hat. Der Kolping-Chef fragt sich auch: „Wieso geht die katholische Kirche mit dem Thema ,Frau’ so knöchern um?“

Hellersberg nähert sich der Antwort von der historischen Seite, mit Bibel-Zitaten. Sätze wie „Eine gute Frau ist ein guter Besitz“ aus dem Alten Testament belegen die Wurzeln der patriarchalischen Kirchenhierarchie. Auch erklärt der Geistliche die offizielle Sicht, wonach weibliche Priester einfach deshalb indiskutabel sind, weil Jesus einst nur Männer als Jünger um sich scharte. Für ihn so Hellersberg, heiße das aber nicht, dass Frauen für alle Zeit vom Priesteramt ausgeschlossen bleiben müssten. Zumal Jesus – ganz anders als zu seiner Zeit üblich – „Frauen als Partnerinnen ernstnahm“. So stellt der Pastor die Frage in den Raum, ob die Kirche diesem einst revolutionären Verhalten in ihrem heutigen Umgang mit den Frauen Rechnung trage. Und eine Zuhörerin fragt sich, „ob die Kirche da nicht etwas ganz Entscheidendes verpasst hat“. Bisher jedenfalls habe sich überhaupt nichts geändert, „sondern alles wird immer konservativer“. Die Begründung, mit der Katholikinnen der Zugang zum Priesteramt verwehrt wird, nennt ein anderer „nicht mehr zeitgemäß“.

Allerdings plädiert Hellersberg dafür, sich nicht am Thema „Priesterinnen“ festzubeißen. Immerhin gebe es kleine Schritte: So sitze im Verwaltungsrat der Diözese Paderborn heute eine Diözesanbaumeisterin. In einer solchen „Quotenfrau“ mag Eckhard Gördes aber noch keinen Durchbruch erkennen. Zumal ihn eine ganz reale Angst umtreibt: Junge Leute fragen heute: ,Was bringt mir das?’ Da sind wir als katholische Kirche im Hintertreffen.“

Auch, wenn sich die Lügder Katholiken an dem Thema reiben, so schält sich in der Diskussion doch heraus: Selbst die bekennenden Schäfchen sind nicht alle so brav, wie es die Hirten ganz oben einfordern. So stellt jemand in der Runde fest: „Viele vor Ort handeln anders als der Papst.“ Das mag den Männern an der Spitze der Kirchenhierarchie nicht gefallen. Stimmt aber sicher manchen im Fußvolk versöhnlich. Denn es gibt sie, die Nonnen, die an AIDS-gebeutelte Slumbewohner Kondome verteilen. Und wenn Katholikinnen den Rücktritt der obersten Protestantin Margot Käßmann von ihren Ämtern bedauern, dann spricht auch das Bände.

Peter Hellersberg setzt indes auf kleine Schritte. „Wir können nicht von St. Marien aus die Weltkirche umkrempeln“, stellt er klar. Und er ist sicher: Von dem Thema „Frauen in der Kirche“ werde man „noch lange etwas haben“.

Die Frage, warum Frauen in der katholischen Kirche noch immer wenig zu melden haben, beantwortet Pastor Peter Hellersberg mit der historischen Herleitung aus Bibelzitaten.Foto: jl

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