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Nach dem Landessieg: Wie der Hummerser Marvin Meier seinen Weg zum Spitzen-Handwerker geht

„Und am Ende ist es eine richtige Maschine“

Hummersen. Auf den ersten Blick wirkt das Metallkon-strukt wie eine Kreuzung aus Loriots „Familienbenutzer“ und einem Bauhaus-Möbel. „Das ist ein Beamer-Halter“, klärt Marvin Meier mit leisem Lächeln auf.

veröffentlicht am 11.11.2010 um 21:45 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:26 Uhr

Er ist etwa 30 mal 30 Zentimeter groß und zwei Kilo schwer &ndas
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Sein solides Werkstück steht derzeit allerdings nicht mehr in seinem Zimmer daheim in Hummersen, sondern auf der Messe „Haus und Wohnen“ in Köln in einer Vitrine. Dort wird es ausgestellt, weil es dem 21-Jährigen gerade einen Landessieg im Leistungswettbewerb der nordrhein-westfälischen Handwerksjugend eingebracht hat.

Nachdem Marvin Meier dazu neulich schon in Köln von NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger beglückwünscht wurde, schickt sich der Metallbauer-Geselle ab heute an, die nächste Hürde zu nehmen: Beim Bundeswettbewerb der Handwerksjugend im niedersächsischen Nordheim misst er sich mit den 15 besten jungen Metallbauern aus den übrigen Bundesländern.

Wie sich der große Blonde mit der sympathischen Ausstrahlung seine bisherigen Siege über etliche Konkurrenten erst auf Kammer- und dann auf Landesebene erklärt: „Wahrscheinlich habe ich relativ sauber und ordentlich gearbeitet“, vermutet Meier, und das klingt ziemlich tief gestapelt angesichts seiner Präzisionsarbeit. Denn der Spielraum, den er für den Bau seines Werkstücks auf Basis einer vorgegebenen Zeichnung hatte, war nicht eben groß: „Das sind so 0,1 bis 1 Millimeter“, sagt er über die mögliche Toleranz.

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An dem Beamer-Halter hat Marvin, wie seine 29 Mitschüler in der Berufsschule Brakel, exakt 13 Stunden lang gesägt, gebohrt, geschweißt und gefeilt. „Das Anspruchsvollste war das Gelenk zwischen Halterung und Deckenaufhängung“, erinnert sich der Geselle, der parallel zu seiner Lehre bei der Firma „S & Ü“ in Löwendorf Maschinentechnik und Mechatronik in Lemgo zu studieren begann. „Als ich das Werkstück fertig hatte, war ich zwar ganz zufrieden“, sagt Marvin. Denn er hatte sich, natürlich, Mühe gegeben. „Aber mit einem Preis hatte ich nicht gerechnet. Das war schon ein schönes Gefühl“, findet er und guckt hinüber zur Urkunde, die in seinem Zimmer hängt.

Und natürlich meinten OWL-Kammer-Vizepräsident Ralf Noltemeyer, Geschäftsführer Elmar M. Barella und Ausbildungsberater Marwin Schadwill bei der Preisverleihung im Historischen Rathaus in Köln auch ihn, als sie befanden: „Ostwestfalen-Lippe nimmt einmal mehr eine Spitzenposition ein. Wir sind ganz oben in NRW.“

Klar auch, dass sich Marvins Familie, die Freunde und natürlich die anderen in seiner Firma mit ihm gefreut haben – und nun mit ihm fiebern, wenn er im Bundesfachzentrum Metall und Technik in Nordheim wieder zum Werkzeug greift: Denn die 16 Teilnehmer des Wettbewerbs bekommen jetzt wieder eine Zeichnung in die Hand gedrückt, deren Vorgaben sie in eine praktische Konstruktion übersetzen müssen. „Da habe ich erstmal gar keine Erwartungen“, sagt Marvin. Ihm bleibt ohnehin nichts anderes übrig, als die Herausforderung auf sich zukommen zu lassen.

Fürs Bauen und für Maschinen hat sich der Hummerser übrigens „schon immer“ interessiert. „Als ich zwölf war, haben meine Kumpels und ich eine Hütte am Wald gebaut“, erinnert er sich. „Richtig solide mit Wänden und Dach.“ Und er glaubt, dass sie wohl heute noch stünde – hätten die Jungen sie nicht nach einer Anzeige wegen der fehlenden Baugenehmigung wieder abreißen müssen.

Doch dieses Erlebnis hat Marvins Begeisterung fürs Praktische nicht blockiert. Nachdem er als Elftklässler am Blomberger Gymnasium sein Betriebspraktikum bei S & Ü gemacht hatte, fragte ihn der Meister in Löwendorf, ob er nicht samstags weiter dort arbeiten wolle. „Das habe ich dann eineinhalb Jahre lang gemacht“, sagt Marvin.

Als sich der Chef des 25-Mitarbeiter-Betriebs, Thomas Scherer, dann „sehr kooperativ“ bereit erklärte, mit dem Hummerser die erste duale Ausbildung in seiner Hydraulik- und Maschinenbau-Firma durchzuziehen, stand der Entschluss: Marvin verließ nach der 12. Klasse die Schule und begann Lehre und Studium.

Bis heute hat er den Schritt nicht bereut – und begeistert sich mehr denn je fürs Bauen. „Mit Hydraulik und Pneumatik konstruiert man etwas – und am Ende ist es eine richtige Maschine“, versucht er den Reiz seiner Arbeit zu beschreiben. Da wundert es nicht, dass der 21-Jährige, wenn er sich nicht gerade mit Freunden oder seiner Freundin trifft, auch in seiner Freizeit gern „werkelt“, wie er es – ganz Understatement¨– nennt.

„Das Geschick habe ich wohl auch von meinem Vater“, sagt Marvin. Wenn es mit dessen Auto jetzt mal ein Problem gibt, dann liegt allerdings inzwischen eher der Sohn in seinem Blaumann drunter.

Marvin Meier in der elterlichen Garage in Hummersen vor der Werkbank. „Die habe ich mal in der Firma gebaut“, sagt er. Ab heute tritt der 21 Jahre alte Metallbauer-Geselle und Maschinentechnik-Student beim Bundeswettbewerb im niedersächsischen Nordheim an.

Fotos: pr



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