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Was Dieter Stumpe seinen Zuhörern am „Tag des offenen Denkmals“ zu erzählen hat

Unbequem – und unterhaltsam

Lügde. „Guck, das hab’ ich auch nicht gewusst“, gab sich Frank Günnewich erstaunt über die Streitigkeiten mittelalterlicher Herrschaftshäuser, die zur Abspaltung Lügdes von Pyrmont geführt hatten. Das hatte er gerade von Dieter Stumpe gehört, der am Sonntagnachmittag mehr als 50 Interessierte durch Lügde führte.

veröffentlicht am 10.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 02:41 Uhr

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Autor:

Carlhermann Schmitt
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Dabei stellte der Heimatforscher den Teilnehmern seines Stadtrundgangs am Tag des offenen Denkmals einige herausragende Bauwerke wie das Kloster, die Wehrtürme oder die große Scheune an der Vorderen Straße vor. Über die entferntere Geschichte konnte Frank Günnewich an diesem Tag des Denkmals noch einiges lernen. Die neuere Historie kennt er indes noch aus eigenem Erleben. „Hier diese Narbe, die wurde noch im Kloster genäht, als das noch ein Krankenhaus war“, erzählte er.

Dieter Stumpe trug nicht nur aus der Geschichte vor, sondern berichtete auch von der Problematik, angemessen mit Denkmälern umzugehen. Dabei mussten die Zuhörer nicht nur mit Andeutungen vorlieb nehmen. Vielmehr fand der pensionierte Architekt für seinen Ärger über die nahezu unendliche Macht des Landeskonservators recht deutliche Worte. Neben einigen anderen Beispielen führte Stumpe das Klostergebäude an, das dereinst nur Bruchsteinmauer gewesen war, aber laut Landeskonservator verputzt gehörte, da es ein barockes Gebäude sei.

Den zweistündigen Rundgang begann Stumpe am Wehrturm neben dem Dechenheim. Von da aus ging es zum Kloster und weiter zum nächsten Turm im Winkel. Walter Tennie, der daneben wohnt, ist gerade dabei, mit dem Heimat- und Museumsverein das Innenleben dieses Turms besucherfreundlich herzurichten (wir berichteten). „Wir werden oft von Besuchern gefragt, ob dieser Turm zu besichtigen sei“, erzählt er. In letzter Zeit seien auch immer mehr E-Bike-Fahrer zu beobachten, die hier vorbeikämen und den Turm betrachteten.

Auf dem weiteren Rundgang sprach Stumpe das Kloster an, in dem früher fast ausschließlich holländische Schwestern lebten, das aber nach dem großen Brand nicht mehr aufgebaut wurde. Nur noch das Straßenschild „Holland“ erinnert daran. Selbst die „Klostergasse“ bekam mittlerweile den originelleren Namen „Vordere Straße“. Zum Schluss führte Stumpe die Gäste an das „unbequeme Denkmal“, wie er es nannte: Die Scheune, die einst auf Geheiß des Landeskonservators auch nur Scheune bleiben durfte, sprich nahezu fensterlos und deshalb für jeden Privatinvestor völlig uninteressant wurde.

Selbst der Dechenverein, der den Bau einmal kurzfristig besessen hatte, sah zu, dass er ihn wieder loswurde, da die artgerechte Unterhaltung ein Fass ohne Boden gewesen wäre.

„Wir konnten es dann sogar mit Gewinn verkaufen“, freute sich Stumpe. Der Stadt, die das Gebäude für die horrende Summe von einer dreiviertel Million hatte sanieren lassen, obwohl es zu nichts zu gebrauchen sei, warf er vor, dass nicht auch noch die alte Inschrift in goldenen Lettern wieder hergestellt wurde. „Der letzte Bürgermeister hat mir gesagt: ‚Wenn Ihr das haben wollt, dann macht es selbst’“, ärgerte sich Stumpe.

Allerdings: An dem Gebäude hatte nicht nur der Dechenverein verdient, sondern auch einige Firmen – weil die Stadt, die alte Scheune nicht verfallen lassen wollte.



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