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Zwei Kälber und ein Muttertier verenden bei Geburt / Lippes Veterinäre schreiten ein

Tod in den Emmerwiesen

Lügde. Es sieht aus wie idyllisches Landleben. Ist es aber nicht. Vielmehr beschäftigt die Rinderherde eines Lügder Nebenerwerbslandwirts derzeit die Mitarbeiter des Kreis-Veterinäramts Lippe. Denn die Tiere sind obdachlos.

veröffentlicht am 17.12.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 03:21 Uhr

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Autor:

on Juliane Lehmann
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Das allein wäre noch kein Drama. Denn die Limousin-Rasse verträgt auch ein paar Minusgrade. Experten raten Haltern jedoch, Winterkalbungen zu vermeiden.

Und nun sind drei Tiere zu Tode gekommen. Zwei Kälber überlebten ihre Geburt nicht, weil die im Geburtskanal steckenblieben. Im ersten Fall konnte ein hinzugezogener Lügder Tierarzt das Muttertier noch retten. Für die zweite Kuh kam dann jede Hilfe zu spät. Sie verendete beim Kalben.

Der Besitzer der Tiere war bisher außerstande, das Problem zu lösen. Auch ein von einer Bekannten veranlasster Bericht auf „radio aktiv“ und ein weiterer im NDR-Radio änderten die Misere nicht.

Der Hobbybauer hat den vor 25 Jahren aus der Lügder Kernstadt in Richtung Emmer ausgelagerten und nach dem Tod des Vaters von ihm im Nebenerwerb betriebenen Hof verloren. Nach der infolge von Erbstreitigkeiten von seinen Geschwistern betriebenen Zwangsversteigerung musste er raus. Der neue Besitzer ließ ihm zwar noch Zeit. Aber dann verlor offenbar auch er die Geduld. „Er will wahrscheinlich kein neues Chaos auf dem Hof“, sagt einer, der beide kennt. Für einen Unterstand reichen aktuell offenbar weder die Mittel des gescheiterten Nebenerwerbsbauern noch das Vertrauen anderer Landwirte in ihn. Nun lässt der Lügder seine Tiere hier und da in den Emmerwiesen weiden.

„Die Veterinäre sind derzeit jeden Tag dort“, erklärt Justin Blum aus der Presseabteilung der Detmolder Kreisverwaltung auf Anfrage. Die Tiere seien derzeit zwar „weitestgehend gut versorgt und gesund“, so Blum weiter. „Aber es wird versucht, in den nächsten Tagen eine Lösung zu finden.“ Sofern der Halter dazu nicht beitragen könne, werde man ihm die Tiere eventuell sogar wegnehmen müssen und dann versuchen, sie bei anderen Landwirten unterzubringen. Bei der wie auch immer gearteten Lösung müsse „das Tierwohl im Vordergrund stehen“.

Ein Verkauf der Rinder dürfte nicht einfach sein. Denn nicht jedes trägt die heute obligaten Ohrmarken. „Wenn ein anderer Halter ein solches Tier ohne richtigen Herkunftsnachweis aufnähme, dann wäre die ganze Herde versaut, sagt ein Beobachter aus der Emmer-stadt, der namentlich nicht genannt werden will.

Und was treibt die Detmolder Veterinäre derzeit täglich nach Lügde, wenn die Tiere doch aktuell nicht unterversorgt sind? „Die Rinder halten sich auf verschiedenen Weiden auf“, sagt Justin Blum. Und es sei nicht auszuschließen, dass auch kranke Tiere darunter seien. Ein solcher Fall lasse sich natürlich nicht vom Büro aus bearbeiten. Blum betont: „Wir haben das auf dem Schirm, und wir werden eine Lösung finden.“ Denn das Futter werde knapper, und es werde immer kälter.

Was das Problem verschärft: Zwischen den rund zwei Dutzend Kühen lebt seit einer ganzen Weile ein kräftiger Bulle. Und der nimmt beim Decken naturgemäß keine Rücksicht auf die Konstitution und das Alter der Kühe. „Niemand weiß, wieviele von ihnen trächtig sind“, sagt einer der Bürger, die das Kreis-Veterinäramt auf den Plan gerufen haben.

Seine Anrufe im Lügder Ordnungsamt hätten nicht viel gebracht, schildert der Pyrmonter seinen Eindruck. Dort habe man vor allem eines wissen wollen: wo die Kühe stehen. Denn ihr Aufenthalt entweder auf Lügder oder Pyrmonter Gebiet hätte über die Zuständigkeit entschieden.

Die Redaktion hätte gestern gern auch dem Halter die Gelegenheit gegeben, sich zu äußern und versuchte wiederholt, ihn zu erreichen. Doch sein Handy war abgeschaltet.

Der Halter lässt seine Limousin-Rinder mangels anderen Unterschlupfs in den Emmerwiesen weiden. Doch die vermeintliche Idylle trügt. Besorgte Bürger haben das Kreis-Veterinäramt eingeschaltet. yt



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