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Wie die Gigas-Schule auf den Pillen-Vorfall reagiert

Thema Drogen: Ein Brief an alle Eltern

LÜGDE. Der 14 Jahre alte Junge, der einer 13-jährigen Mitschülerin der Johannes-Gigas-Schule offenbar eine Ecstasy-Pille gab, nach deren Einnahme das Mädchen am Dienstag ins Krankenhaus kam (wir berichteten), ist am Mittwoch einstweilen von der Schule beurlaubt worden. Das hat Rektor Uwe Tillmanns am Donnerstag auf Anfrage unserer Redaktion mitgeteilt.

veröffentlicht am 16.11.2017 um 21:47 Uhr
aktualisiert am 17.11.2017 um 12:40 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Am Mittwoch war die belegbare Faktenlage noch so mager gewesen, dass sich die Pyrmonter Polizei zu den mutmaßlichen Umständen sehr zurückhaltend geäußert hatte. Inzwischen aber gibt es laut Uwe Tillmanns „eine Menge Zeugenaussagen, die zur Identifizierung des Schülers beigetragen haben“. Der Jugendliche habe bei seiner Befragung die Weitergabe der Pille eingeräumt. Die Eltern des betroffenen Mädchens hätten Anzeige erstattet. Bei einer Disziplinarkonferenz werde entschieden, welche Konsequenzen die Schule aus dem Fall ziehe. Nicht auszuschließen, dass der Junge die Schule werde verlassen müssen.

Nachdem die Schule ausreichend Fakten zu dem Vorfall zusammengetragen hatte, verfasste der Rektor am Donnerstag einen Brief an alle Eltern. Darin bestätigt er, dass die 13-Jährige am Dienstag nach dem Konsum der Droge ins Krankenhaus gebracht werden musste. Die schnelle Identifizierung des Schülers, der ihr die Pille gegeben haben soll, sei „dank konsequenter und enger Zusammenarbeit von Schulleitungen, beteiligten Klassenlehrern, der Schulsozialarbeiterin und der örtlichen Polizei“ gelungen.

Auch im Unterricht war der Fall ein Thema: „Alle Schülerinnen und Schüler wurden durch ihre Klassenlehrer über den Vorfall informiert und eindringlich auf die Gefährlichkeit von Ecstasy & Co. hingewiesen“, schreibt Tillmanns und betont: „Bereits der Konsum einer einzigen Pille, z.B. Rolex, kann lebensgefährliche Symptome bewirken.“ Seinen Brief schließt er mit einem Appell an die Eltern: „Bitte sprechen Sie mit Ihren Kindern über die Problematik, lassen Sie sich von relevanten Beobachtungen berichten und informieren Sie bei Bedarf Schule und/oder Polizei.“

Schon seit Jahren gibt es an der Johannes-Gigas-Schule ein am Alter der Heranwachsenden orientiertes Präventionsprogramm zu den Themen Gewalt, Kriminalität und Drogen. So besuchten vor elf Monaten im Rahmen eines Aktionstages drei Patienten einer Suchtklinik die Sekundarschule und erzählten über ihre Abhängigkeit und deren Folgen für ihr Leben. Im März dieses Jahres ging es dann um die unterschätzte Droge Alkohol.

Diese explizite Suchtprävention setzt allerdings erst ab der 8. Klasse ein. Im 6. und 7. Jahrgang steht bisher die Aufklärung über Mobbing sowohl im richtigen Leben als auch via Internet im Vordergrund.

„Wir nehmen die Prävention und auch den aktuellen Vorfall sehr ernst“, sagt Uwe Tillmanns. „Am meisten besorgt stimmt uns dabei, dass er im 7. Jahrgang passiert ist.“

Nicht auszuschließen also, dass die Drogenprävention auf dem Ramberg künftig noch etwas früher beginnt. Das ist allerdings eine Gratwanderung – nicht zuletzt wegen der sehr unterschiedlichen Entwicklungsstufen Gleichaltriger. Während die einen schon kräftig pubertieren und die richtige Zielgruppe für das Thema Drogenprävention wären, bräuchten andere, noch kindliche Teenies eine ganz andere Ansprache.

Den Kopf in den Sand steckt die Schule jedenfalls allem Anschein nach nicht. „Das Thema wird dort ganz offensiv behandelt“, bestätigt Lügdes Polizei-Bezirksbeamter Reinhold Hartmann. Sobald ein Verdacht auf eine Straftat bekanntwerde, suche die Schule Kontakt zur Polizei.

Zugleich betont Hartmann aufgrund seiner Erfahrung: „Wir reden hier von einem einzelnen Fall.“ Ebenso unangemessen wie eine Bagatellisierung sei es, ihn zu verallgemeinern. Abgesehen davon: Drogen unter Jugendlichen seie kein spezielles Lügder Problem. Hartmann: „Es dürfte wohl keine Schule geben, an der nicht ein Schüler damit zu tun hatte.“ Das Kollegium auf dem Ramberg sei jedenfalls sehr wachsam.

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