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Lügdes Dechen wollen ihr Traditionsspektakel als Unesco-Kulturerbe würdigen lassen

Tango, Fado, Osterräderlauf?

Lügde. Der argentinische Tango steht drauf. Ebenso der Fado-Gesang aus Portugal, aber auch das kroatische Frühlingsfest „Hidrellez“ oder die Pfeifsprache „El Silbo“ der kanarischen Insel Gomera. Nicht zu vergessen auch: die chinesische Akupunktur und die persische Teppichknüpfkunst. Mehrere Hundert überlieferter Bräuche und Kulturtechniken aus aller Herren Länder haben inzwischen ihren Platz in den Unesco-Listen des immateriellen Kulturerbes der Menschheit. Sortiert nach repräsentativen, gefährdeten und beispielhaften Einträgen. Wer den Blick über all das Können schweifen lässt, kann schnell zu dem Schluss kommen: Lügdes Osterräderlauf muss in die Liste. Genau das finden auch Lügdes Dechen – und haben jetzt in aller Eile und im Stillen ihre Bewerbung abgeschickt.

veröffentlicht am 06.12.2013 um 20:37 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 12:26 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Offiziell in der Osterräderstadt bekanntmachen wollen die Brauchtumshüter das in der kommenden Woche. Die WDR 5-Radiohörer wurden von der Nachricht aber schon am Donnerstag in einem Beitrag des Kulturmagazins „Scala“ überrascht. Der trug den Titel „Sind brennende Räder Kulturgut?“ und räumte dem Lügder Brauchtum breiten Raum ein. Unter anderem durfte Dechen-Sprecher Dieter Stumpe dort vom Ursprung des alten Frühlingsrituals erzählen.

Ihren Anfang nahm die Lügder Bewerbung schon vor ein paar Monaten: Nachdem die Pyrmonter Nachrichten wiederholt über die Hamelner Bemühungen um die Aufnahme der Rattenfängersage ins nicht greifbare Unesco-Kulturerbe berichtet hatten, hörten Torben Blome und Michael Wennemann während einer gemeinsamen Autofahrt nach Detmold im Radio von der Antragsfrist. 30. November – das schien ihnen allerdings ziemlich knapp. Doch dann fragte auch noch der lippische Heimatbund nach, ob die Dechen ihr Traditionsspektakel nicht anmelden wollten.

„Wir wurden vom Land gefragt, ob wir eine Idee für die Liste hätten“, erzählt Heimatbund-Vorsitzender Friedrichs Brakemeier. Und er musste nicht lange überlegen: „Mir fiel sofort der Osterräderlauf ein. Denn nichts Anderes ist so spektakulär und einzigartig wie dieses Lügder Brauchtum.“ Logisch also, dass die Dechen in Lippes Heimatbund-Chef gleich einen überzeugten Fürsprecher gewannen. Weil es für den Antrag – neben der schriftlichen Bewerbung, Fotos und einem Video – zwei externe Förderer braucht, sagt auch Bad Pyrmonts sei Monaten in Sachen Weltkulturerbe beschäftigter Museumsleiter Dr. Dieter Alfter zu und setzte ein Empfehlungsschreiben auf.

Ihre Bewerbung haben die Dechen nun nach Düsseldorf geschickt – und damit auch Lügdes Bürgermeister überrascht. „Ich hatte noch keine Zeit, den Radiobeitag zu hören“, sagte Heinz Reker gestern auf PN-Anfrage. Denn der Verwaltungschef hatte einen Termin nach dem anderen. Obwohl er somit auf die Schnelle noch nicht allzu intensiv in das Thema einsteigen konnte, unterstützt er den Plan der Dechen: „Das ist eine mehr als interessante Sache“, findet Reker. „Mit dem Osterräderlauf haben wir etwas Besonderes, absolut nicht Austauschbares.“

Ob Lügde eine Chance auf die prestige- und aufmerksamkeitsträchtige Aufnahme in die Liste hat, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Denn das Aufnahme-Prozedere ist langwierig, die Konkurrenz ist groß. Allein beim Land Nordrhein-Westfalen sind seit Mai 20 Bewerbungen eingegangen.

Ob die rollenden Feuerräder die erste Hürde nehmen, wird sich Mitte April zeigen. Denn dann darf NRW maximal zwei Vorschläge an die bundesdeutsche Kultusministerkonferenz weiterleiten. Die schickt später eine Auswahl aus den 32 Vorschlägen an ein von der deutschen Unesco-Kommission eingesetztes unabhängiges Expertenkomitee weiter.

Hat es ein Antrag in die deutsche Kulturerbe-Liste geschafft, dann dauert es noch einmal zwei Jahre, bis über die Aufnahme in die internationale Liste entscheiden ist. Übrigens: Deutschland kann die weltweiten immateriellen Kulturerbe-Listen neuerdings bereichern, da das UNESCO-Übereinkommen zum Erhalt der kulturellen Ausdrucksformen hier erst 2013 in Kraft getreten ist.

Seit Hunderten von Jahren rollen am Ostersonntag in Lügde sechs mit Roggenstroh gestopfte brennende Eichenräder zu Tal. Jetzt haben sich die Brauchtums-hüter vom Dechenverein mit ihrem Frühlingsritual um die Aufnahme in die immaterielle Kulturerbe-Liste der Unesco beworben.Archiv/yt



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