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Schwungvoll wie ein Wirbelwind

„Suchtpotenzial“ bringt Klostersaal zum Kochen

veröffentlicht am 19.02.2018 um 15:59 Uhr

Ariane Müller und Julia Gámez Martin arbeiteten sich in ihrem Kabarett auch an der Hipster-Szene ab. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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LÜGDE. „Eines Tages, Baby, werden wir alt sein.“ In einem viralen Poetry-Slam-Text hat Julia Engelmann ihre Zuhörer davor gewarnt, ihr Leben nur im Konjunktiv zu führen. Mit dieser Mahnung im Hinterkopf muss man zugeben: Mehr Indikativ als „Suchtpotenzial“ geht wohl nicht. Die beiden schrillen Damen, die am Samstag wie ein Wirbelwind über das Publikum in Lügder Klostersaal hereinbrachen, zeigten mit ihren launigen Moderationen und trendigen Songs, dass ihr Herz am Puls der Zeit pocht. Ihre Texte arbeiten sich ab an der intellektuellen Hipster-Szene, am Integrationskonzept „Schwaben in Berlin“. Oder an der Frühstücksstilfrage nach wilder Nacht.

Suchtpotenzial, das sind die Ulmer Pianistin Ariane Müller und die Berliner Sängerin Julia Gámez Martin. Und die beiden erfolgreichen Musikerinnen brauchen erst gar nicht alt zu werden, um von all den Geschichten zu erzählen, die sie erlebt haben. Sie erklären ihren Musikstil zu „Alkopop“, funken wie Stevie Wonder, bluesen wie Georg Ringsgwandl, und gehen steil wie Nina Hagen. Während Ariane die Songs auf dem Piano zu weltumspannenden Hymnen aufbaut, wirft sich Julia mit dem Teufelgruß in die Triumph-Pose. Und den staunenden Zuschauern wird klar: Die beiden haben’s geschafft. Sie schwimmen nicht nur in den hipsten Trends, von deren Lifestyle die meisten nur aus Szene- und Glamourzeitschriften oder den Blogs der Influencer erfahren, sie surfen auf deren Wellen.

Das Publikum war hingerissen. Und es hörte genau zu, wartete auf jenes geheime Wort, das das ganze verkehrte Wesen der Welt fortfliegen lässt. Zugegeben, es war nicht immer einfach, dem wilden Geplauder der beiden Kabarettistinnen zuzuhören, denn trotz Mischpult kam bei vielen Gästen im Publikum nur Brei statt akzentuierter Sprache an, die dann – so empfanden es auch einige – von einem zu laut ausgesteuerten Piano auch noch übertönt wurde. Trotzdem, die beiden hervorragenden Musikerinnen bemühten sich sogar darum, den Gästen den Weg zur Erfüllung zu weisen. Denn nach Julia Engelmann ist Mut nur ein Anagramm für Glück. Und so wollten Julia Gámez Martin und Ariane Müller gemeinsam mit dem Publikum ihre Hymne „Ficken für den Frieden“ einstimmen. Es gelang nicht, kein Gänsehautfeeling: Der Saal blieb eisern still.

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