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Mädchen im Krankenhaus, aber der Rest ist Phantasie

Stille Post digital: Ein Gerücht und seine Wurzel

LÜGDE / BAD PYRMONT. Wer auf Kindergeburtstagen „Stille Post“ gespielt hat, weiß: Der Inhalt eines von Ohr zu Ohr weitergeflüsterten Satzes erfährt binnen Minuten die witzigsten Mutationen. Streut aber jemand eine Geschichte digital, ist es nicht lustig, wenn sie hintenraus nur noch wenig mit den Tatsachen zu tun hat.

veröffentlicht am 15.11.2017 um 21:51 Uhr

Diese Whatsapp-Nachricht hat ab Dienstagabend in Lügde und Bad Pyrmont die Runde gemacht. Dass die Polizei grundsätzlich empfiehlt, Kinder und Jugendliche für die von Drogen ausgehenden Gefahren zu sensibilisieren, stimmt zwar. Allerdings: Aufklärung
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Vor allem dann, wenn es um ein ernstes Thema geht. Und wenn die Story dazu angetan ist, Hunderten von potenziell Betroffenen zumindest für den Moment einen ziemlichen Schrecken einzujagen.

Weil es im konkreten Fall um Jugendliche und um Drogen geht, konnten es Eltern auf jeden Fall mit der Angst bekommen. Allerdings entsprach das, was ein anonymer Absender am Dienstagabend zunächst per Whatsapp und später via Facebook viral gehen ließ, nicht den Tatsachen. „Es hat niemand vermeintliche Bonbons verteilt“, sagte Kriminalhauptkommissar Andreas Zoch, der den Kriminal- und Ermittlungsdienst im Pyrmonter Polizeikommissariat leitet, am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung. Damit bezog er sich auf das, was via Gerücht aus einem tatsächlichen Vorfall konstruiert wurde. Doch, vorweg: Einen älteren Mann, der Kindern im Talkessel mit Drogen versetzte Drops anbietet, gibt es nicht. Ein Erwachsener war am Dienstag nicht im Spiel.

Vielmehr kam nach aktuellem Kenntnisstand der Polizei eine 13 Jahre alte Gigas-Schülerin ins Krankenhaus. Zuvor, so sagte sie später gegenüber der Polizei, habe sie im Beisein anderer Mädchen auf einem Pyrmonter Spielplatz eine Pille genommen. Die habe sie von einem Mitschüler (14) bekommen. Es habe sich um Ecstasy gehandelt.

Die Partydroge, die das Nervengift MDMA enthält, wird tatsächlich seit vielen Jahren in Form kleiner, bunter Tabletten mit unterschiedlichen „Marken“-Prägungen gehandelt. Die regelmäßige Einnahme größerer Mengen der Droge scheint die Wahrscheinlichkeit irreparabler Hirnschäden zu vergrößern. Der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge schließen Wissenschaftler nach umfangreichen Studien jedenfalls nicht aus, dass es durch den Konsum von MDMA zu langfristigen Einbußen in der Lernfähigkeit kommen kann – abgesehen von unberechenbaren unerwünschten bis akut lebensgefährlichen Wirkungen nach der Einnahme.

Im Lügder Fall ist laut Hauptkommissar Zoch jedoch noch nicht erwiesen, dass das Mädchen tatsächlich eine solche Tablette genommen hatte, bevor sie über ein Unwohlsein klagte und auf Veranlassung ihrer Eltern im Krankenhaus landete. „Um welche Substanz es sich handelte, können wir nicht nachvollziehen“, so Zoch. „Da würden wir uns im Reich der Spekulationen bewegen.“

Die Pyrmonter Polizei bekam mit dem Fall zu tun, nachdem die Eltern der 13-Jährigen sich dort gemeldet hatten. Das Kommissariat hat seine bisherigen Ermittlungsergebnisse zu dem Fall am Mittwoch an die lippische Polizei weitergeleitet. Die geht nun dem Fall weiter nach.

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