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OLG Hamm: Anspruch verjährt

Sperma-Klage zurückgewiesen

Elbrinxen / Hamm (jl). Jetzt ist es ausgestanden: Das Oberlandesgericht Hamm hat die Berufung eines fränkischen Züchters gegen ein Urteil des Landgerichts Detmold zurückgewiesen. Damit ist der Elbrinxer Tierarzt Dr. Torsten Köhler voll rehabilitiert. „Gut, dass das endlich aus der Welt geschafft ist“, sagt der Veterinär, der als Experte in der Pferde-Gynäkologie gilt.

veröffentlicht am 17.03.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 20:21 Uhr

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Schon die Detmolder Richter hatte den Anspruch eines süddeutschen Pferdezüchters gegen Dr. Köhler im Mai 2011 für verjährt erklärt – was das OLG nun bestätigte. Jetzt liegt auch die Begründung des jüngsten Richterspruchs vor.

Der Züchter Siegfried A. aus Ebermannstadt hatte den Elbrinxer 2010 auf Herausgabe von fünf Portionen à vier Röhrchen tiefgefrorenen Spermas des in der Szene berühmten Hengstes „Carthago“ verklagt. Die hatte Köhler angeblich seit 1997 für ihn in Verwahrung. Bei Nicht-Herausgabe forderte der Ex-Bodenwerderaner Siegfried A. zunächst 300 000 Euro Schadenersatz. Zuletzt waren es noch immerhin 60 000 Euro.

Pferde-Gynäkologe Köhler hatte die 20 Röhrchen nach eigener Aussage aber schon 1997 komplett verbraucht, als er im Auftrag des Züchters dessen Stuten damit besamte. Das habe er A. bereits 1999 am Telefon erklärt und die Angelegenheit danach als erledigt betrachtet, so Köhler vor Gericht.

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„Der Senat hat die Parteien und auch die Ehefrau des Klägers als Zeugin angehört“, erklärte gestern Gerichtssprecherin Ulrike Kaup auf PN-Anfrage. Die Aussage der Züchter-Gattin, wonach der Verwahrungsvertrag 1999 telefonisch verlängert worden sei, änderte die Sicht der Richter nicht. Sie betrachteten ihn als gekündigt. „Der Kläger hätte seinen Anspruch früher erheben müssen“, sagte Kaup. „Die Verjährungsfrist beträgt drei Jahre.“ Und Köhler ist nun erleichtert: „Die konstruierte Geschichte hat dem Kläger nichts genutzt“, sagt der 49-Jährige.

Eine Revision ist nicht zugelassen. Der Kläger könnte allenfalls eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe einreichen. Doch: Bliebe er auch dort erfolglos, ginge das erneut ins Geld. Schon jetzt muss er die Kosten des Verfahrens tragen.

Für Dr. Torsten Köhler könnte die leidige Odyssee durch die Gerichte in gleich zwei Fällen somit ausgestanden sein. Denn Ende 2011 hatte er in einem anderen Zivilprozess vor dem OLG Hamm das Recht auf seiner Seite. Da kassierten die Richter den Freispruch eines Pferdezüchters und -händlers aus dem Kalletal. Der 2009 von Köhler verklagte Kalletaler wurde zur Herausgabe von sechs Portionen Sperma der beiden hochklassigen Hengste „Couleur Rubin“ und For Pleasure“ verurteilt, das er für Köhler gelagert hatte (wir berichteten).

Doch dieser Fall wird ein Nachspiel haben. Der Kalletaler hat Köhler zwar kürzlich die sechs Röhrchen übergeben. „Aber eins davon war leer und das andere angebrochen“, sagt der Tierarzt, dessen Anwältin deshalb jetzt erneut Klage gegen Hartwig R. eingereicht hat. „Hätten wir die Röhrchen nicht sofort nach der Übergabe zur Tierärztlichen Hochschule nach Hannover gefahren, dann wäre das wohl nie herausgekommen“, saht Dr. Köhler. „Und ich hätte irgendwann eine Stute mit Luft besamt.“ Die Röhrchen sind so dünn wie Kugelschreiberminen und fest verschlossen. In flüssigem Stickstoff gekühlt halten sie sich jahrzehntelang.

Der Hengst „Carthago“ war zweimal Olympiateilnehmer. Sein Sperma ist deshalb viel wert – zumal der Springpferdevererber seit 2001 als zeugungsunfähig gilt. Doch jetzt ist endgültig klar: Der Elbrinxer Tierarzt Dr. Torsten Köhler hat kein Sperma veruntreut.

Fotos: Archiv



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