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Groß angelegte europaweite Studie schließt Standorte wie Lügde von vornherein für Kraftwerke aus

Späte Genugtuung für PSW-Gegner

Lügde. Für die einen starb vor neun Monaten eine Hoffnung. Als der Baukonzern Hochtief am 24. Juli 2015 seinen Plan zum Bau eines Pumpspeicherkraftwerks im Lügder Mörth beerdigte, war klar: Das zur Emmerstadt gehörende Natur- und Landschaftsschutzgebiet wird nicht zum Standort für ein deutschlandweit bedeutsames Energiewende-Projekt. Keine Chance also auf die von den Planern verheißene Wertschöpfung für die Region. Für andere Lügder zerschlug sich damals folglich auch die Aussicht, am Kraftwerksbau zu verdienen, weil sie dort Land besitzen, wo Hochtief sein Suchgebiet fand.

veröffentlicht am 30.04.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Wieder andere ließen dagegen die Korken knallen. Sie waren erleichtert, „dass dieser Unfug endlich eingestellt wird“. So steht es auf der Internet-Seite psw-lippe.info der Gruppe „Rettet das Mörth“. Sie hatte durch das gigantische Bauprojekt die „Zerstörung wertvollster Naturschutzgebiete in unserer unmittelbaren Umgebung“ befürchtet. Die anonymen Betreiber einer anderen Internet-Seite misstrauen dem Rückzug von Hochtief bis heute. „Die Pläne sind erstellt, der Baubeginn befindet sich lediglich im ,Stand-Bye-Modus‘“, mutmaßen sie.

Die damaligen Projektgegner könnten jetzt jedoch eine späte Genugtuung verspüren. Anlass ist das Resultat einer gerade veröffentlichten internationalen Untersuchung. Diese von einem Zu-

sammenschluss mehrerer internationaler Energiekonzerne angeschobene und von der Europäischen Kommission finanzierte „eStorage“-Studie macht zwar ein gewaltiges Standortpotenzial für Pumpspeicherkraftwerke in 15-Eu-Ländern sowie in der Schweiz und vor allem in Norwegen aus: Insgesamt mögliche 117 Standorte scheinen den Fachleute international realistisch. Für Deutschland sehen die allerdings kaum Potenzial. Gerade einmal ein Standort in der Bundesrepublik erscheint ihnen geeignet für den Neubau eines Pumpspeicherkraftwerks. Der Name dieses Ortes fehlt zwar in dem auf Englisch abgefassten 77-Seiten-Papier. Dort ist nur die Rede von einem Wasserreservoir nahe der österreichischen Grenze. Zusammen mit einem weiteren See im Nachbarland könnte der eine Anlage bilden.

Lügde scheidet also aus. Denn in die nähere Betrachtung wurden aus Wirtschaftlichtkeitsgründen von vornherein nur Standorte einbezogen, an denen Kraftwerke mit einer Kapazität ab 1 Gigawatt realisierbar erscheinen. Zum Vergleich: Das Lügder PSW sollte laut Hochtief 320 Megawatt Leistung bringen.

Was Standorte wie Lügde ebenfalls von vornherein durchs Raster fallen ließ: Hier hätten das komplette Kraftwerk inklusive zweier jeweils rund 20 Hektar großer Becken in die Landschaft gebaut werden müssen – deutlich zu viel Aufwand für die Energiekonzerne.

Die Studie berücksichtige deshalb nur bereits vorhandene Seen-Paare oder Talsperren mit einem weiteren Wasserreservoir in der Nähe. Begründet wird das sinngemäß damit, dass vollständige Anlagen-Neubauten sowohl politisch als auch wirtschaftlich und gesellschaftlich kaum durchzusetzen wären.

Als schlecht geeignet beziehungsweise ganz tabu gelten geschützte Gegenden. So werden unter anderem „Natura 2000“-Gebiete – und als solches gilt das Schutzgebiet im Mörth – von vornherein als Sperrzonen ausgeklammert. Diese Sicht bestätigt die Auffassung der Lügder Projektgegner. Die waren zunächst fassungslos und später empört, dass das Schutzgut Landschaft den Planern und ihren Unterstützern an der Spitze der lippischen Kreisverwaltung allenfalls als „Herausforderung“ galt.



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