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Wie Bodo Westerhove Kräuterwanderern die Wald- und Wiesenküche schmackhaft macht

So lecker schmeckt der Gartenschreck

Rischenau. „In Frankreich wird der Löwenzahn auf Feldern angebaut“, erklärt Bodo Westerhove und zeigt seinen Mitwanderern, wie die Blätter hochgebunden werden, um sie in der Sonne zu bleichen und ihnen die Bitterstoffe zu entziehen. Doch lässt sich nicht nur der Salat aus den Blättern zubereiten. Die aus den Blattrosetten gesammelten, noch geschlossenen Knospen schmecken wie besonders zarter Rosenkohl. Allerdings: „Kinder spucken Wildkräuter oft aus, denn sie schmecken die Bitterstoffe 20 bis 30 Mal stärker als Erwachsene“.

veröffentlicht am 10.04.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 15:41 Uhr

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Autor:

von Claudia Guenther
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In Westerhoves „Paradiesmühle“ stehen Wildkräuter und -gemüse regelmäßig auf der Speisekarte – wie auch nach der aktuellen Sammlung zwischen Rischenau und Biesterfeld mit einer Gruppe Interessierter in Form eines „Kräuterschaum an Lippischem Pickert“. Bereits im Kräutergarten der historischen Mühle können die Teilnehmer der Tour „Kräuterschätze in Lippe – Wildgemüse, Wildkräuter und vergessene Küchenkräuter der Wald- und Wiesenküche“ die Pflanzen kosten. Der Geschmack einheimischer „Gartenkresse“-Blätter mit einem Hauch Radieschen überzeugt – auch, wenn es sich dabei schlicht um Springkraut handelt. „In der Naturheilkunde der Hildegard von Bingen haben sich viele Pflanzen über Jahrhunderte bewährt – in geeigneter Dosis“, sagt Westerhove. Doch nicht alles in der Natur ist essbar. „Hahnenfuß ist giftig“, weiß der kräuterkundige Gastronom. Andere Pflanzen wiederum hätten unerwünschte Nebenwirkungen. Vor allem Neulingen oder empfindlichen Menschen rät Westerhove deshalb zu fachlicher Anleitung und zur Lektüre von Pflanzenführern mit Abbildungen und Beschreibungen der Nutz- und Heilpflanzen. Denn mit den Pflanzen ist es ähnlich wie mit den Pilzen, was die giftigen Doppelgänger betrifft. So darf niemand den zur äußerlichen Anwendung bei schmerzenden Beinen empfohlenen Beinwell mit dem giftigen Fingerhut verwechseln. Deshalb solle Beinwell nur dort geerntet werden, wo die Pflanze schon während der Blüte beobachtet wurde. Denn sie hilft bei der Unterscheidung.

Was zu späterer Jahreszeit in fast mannshohen Teppichen wächst und gedeiht, ist bisher nur als zartes Pflänzchen zu erkennen, obwohl die Natur 2014 ihrer Zeit voraus ist. „Brennnesseln vermitteln den Geschmack von Blattgrün“, zubereitet wie Blattspinat seien sie dem geschmacklich jedoch weit voraus, meint Westerhove. Brennnesseltee gelte als hervorragendes Mittel zur Blutreinigung, sollte bei Hochdruck aber in Maßen genossen werden.

Auch ein anderer Gartenschreck sei nicht nur überflüssig. „Giersch verhindert die Aufnahme von Giftstoffen“, im gemischten Salat mit Blattsalat, Vogelmiere und anderen Wildkräutern sei er eine leckere Beilage. Vorsicht sei indes beim Bärlauch-Sammeln geboten. Wächst er zwischen den giftigen Maiglöckchen, sei er für Laien kaum zu unterscheiden.

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Brennnesseln: wie Spinat zubereiten, als Tee oder die frischen Blätter (geht auch mit Zitronenmelisse und Holunderblüten) in Bierteig tunken, im Topf in Öl ausbacken und als Gemüse-Chips reichen. In der Naturheilkunde zur Blutreinigung und bei Harnwegsinfekten empfohlen.

Voller Tatendrang ist Ulrike Rinsche: Sie will Löwenzahn-Gelee kochen, und auch das Ausbacken von Kräuterchips nimmt sie sich vor. Besonders das Rezept für die geschwenkten Löwenzahnknospen kommt bei den Teilnehmern gut an. Aber auch unbekanntes Kraut findet seine Fans. „Das Pfefferkraut war schon scharf, aber in Quark kann ich mir das gut vorstellen“, meint Eva Fahle.

Bedenken sollte man, dass jedes Pflänzchen neben erwünschten Wirkungen auch seine Gegenanzeigen oder Nebenwirkungen hat. Bei manchen Kräutern sollte man zu jeder Jahreszeit darauf achten. Bei anderen entstehen unverträgliche Stoffe mit der Blüte, da sich dann die Wirkung der Pflanzen verändere, sagt Westerhove.

Diese Pflanze darf in keinem Bauerngarten fehlen und ist überall ein gern gesehener Blütenschmuck, die „Fette Henne“ - sofern sie nicht vorher in der Pfanne landet und verspeist wird. Dass die essbar sei, ist Teilnehmer Hans Lorenz neu. Er will zu Hause erst einmal durch seinen Garten gehen und eine Bestandsaufnahme machen. Zufrieden meint er, „alles ist vertieft worden und man geht forscher an die Sache ’ran.“

Die nächste Führung durch die Wald- und Wiesenküche plant Bodo Westerhove für den 3. Mai.



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