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So erlebt die Rischenauer Familie Gönnewicht „ihre“ Folge der Reality-Show

„So ist beim ,Frauentausch’ doch bestimmt lange nicht gelacht worden“

Rischenau. Deutschlandweit amüsieren sich rund eine Million Zuschauer donnerstags über die umstrittene RTL-II-Seifenoper „Frauentausch“. Gern auch heimlich. Denn mit der Lust am schadenfrohen Voyeurismus geht man nicht hausieren. Viele fragen sich: „Wie kann man nur bei so etwas mitmachen?“ Denn schon mancher Laiendarsteller hat sich hinterher nicht mehr vor die Tür getraut, wenn die Lästermäuler bei Facebook oder sogar im richtigen Leben über ihn herzogen.

veröffentlicht am 10.11.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 17.01.2017 um 16:07 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Gönnewichts wurden vom Sender gefragt und haben mitgemacht: Im März rückten ein Filmteam und die Tauschmutter für eine gute Woche im Haus der Rischenauer Großfamilie an. Am Donnerstagabend wurde Folge 334 ausgestrahlt.

21.10 Uhr: Die Wohnküche ist voll. Den erwachsenen Gönnewichts leisten ein paar Freunde Gesellschaft. Alle fiebern dem Beginn der Reality-Show entgegen. „Es wird bestimmt toll“, sagt Vater Klaus Gönnewicht (49) und trinkt einen Schluck Kaffee. Vor den anderen stehen Gläser mit Cola oder Eistee. Ein Besucher nippt an seinem Bier. „Die Kinder gucken oben“, erklärt Gönnewichts Tochter Desiree, „weil wir hier unten rauchen.“

Die 23-Jährige ist gespannt darauf, wie die Fernsehmacher ihren Aufenthalt in Dortmund geschnitten haben. Die Drehtage dort verbrachte sie mit den Freundinnen des 18-jährigen Möchtegern-Stars Jan, während der in Rischenau die Tauschmutter gab.

„Das war so langweilig“, sagt die junge Mutter über die Zeit mit den aufgebrezelten Mädels, deren Leben sich einzig um ihre Optik zu drehen schien. „Aus dem Kühlschrank da habe ich erst mal lauter verschimmelte Sachen weggeschmissen“, sagt sie. „Hinterher war fast nur noch Nagellack und Sekt übrig.“

Über den 18-jährigen Jan, der sich bei mehr oder weniger vollem Bewusstsein und jeder Gelegenheit im Privat-TV verheizen lässt, macht sich bei Gönnewichts jeder seine eigenen Gedanken. „Der glaubt, er wird irgendwann berühmt“, sagt Vater Klaus. „Aber das wird er doch nie. Der hat doch keine Ahnung vom Leben.“

Jede neue Szene nehmen die Rischenauer beinahe erleichtert auf. „Es geht nicht besonders unter die Gürtellinie, oder?“, fragt Vater Gönnewicht – und glaubt: „So ist beim Frauentausch bestimmt lange nicht gelacht worden.“

Dass die Familie über sich selbst lachen kann, zeigt sie im Laufe der anderthalbstündigen Ausstrahlung fast permanent. Bis wieder jemand mahnt: „Pssst!“, weil die Dialoge regelmäßig in Lachsalven untergehen. So wie in einer Szene, als Klaus Gönnewicht dem tuntigen Hausgast aus einem blauen Müllsack ein Kleid bastelt. Denn im rosa Tüll-Tütü soll Jan nicht mit Schrott sammeln gehen.

Natürlich wird auch viel kommentiert. Als Klaus Gönnewicht sich im Fernsehen nach der Schrottsammel-Szene sagen hört: „Das hat sich wieder ein bisschen gelohnt“, enttarnt er den Satz als Regieanweisung: „Das stimmt nicht. Das sollten wir sagen.“ An einer anderen Stelle zeigt er auf den Bildschirm und findet: „Schlechter Schnitt.“ Denn er weiß, was fehlt. Aber er weiß auch: „Aus 40 Stunden Material machen sie eine Stunde. Da schneiden sie natürlich die ganzen langweiligen Sachen raus. Es soll ja unterhalten.“

Und das tut es. „Das war eine der lustigsten Folgen, die ich je gesehen habe“, wird später ein heimlicher Fan der Serie sagen. „Und diese Familie ist wirklich in Ordnung.“

Ob andere das auch so sehen, wird die Zeit zeigen. „Ich bin bei Facebook schon vorher übelst beschimpft worden“, berichtet Gönnewichts Schwiegermutter. Das hat sie mehr gewundert als den Hausherrn. Der sagt nur: „Facebook kannste eh vergessern.“ Ebenso cool bleibt er, als mitten in der Ausstrahlung ein alkoholisierter Unbekannter anruft und Schrott anbietet. Als es dann um 22.50 Uhr an der Tür klingelt, müssen die Besucher aber draußen bleiben. „Das waren zwei Jungs, bei denen der Fernseher kaputt ist“, meldet Schwiegersohn Marco.

Dass der Tauschjunge die Gönnewichts asozial nennt, ficht das Familienoberhaupt nicht an. „Ich weiß ja, wer‘s gesagt hat“, meint er und schiebt hinterher: „Was interessiert mich, was einer irgendwo in Deutschland von mir denkt, den ich gar nicht kenne?! Ich gehe erhobenen Hauptes durchs Leben.“ Hinterrücks als Opfer vorgeführt sieht er sich keinesfalls: „Wenn ich mich zu so einer Sendung melde, weiß ich, auf was ich mich da einlasse.“

Derweil fragt seine Schwiegermutter, „wie man das Wort asozial überhaupt definiert“. Sie ist nämlich sicher: „In einer Großfamilie mit 13 Personen ist das Sozialverhalten viel ausgeprägter. Sonst ginge es doch gar nicht.“

Als die 90 Minuten Frauentausch gelaufen sind, steht für Tauschmutter Desiree Gönnewicht allerdings fest: „Ich würde sowas nie wieder machen. Ich lasse meine Familie nicht nochmal allein.“

Aus der erhofften Lügde-Werbung ist übrigens am Donnerstag nicht allzu viel geworden. Die Emmerstadt hieß „Lüttge“ und von Rischenau war kaum mehr als das Ortsschild zu sehen. Aber Klaus Gönnewicht findet: „Das ist keine Sendung, für die man sich schämen muss.“



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