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Wie es dazu kam, dass Tatjana Fuchs nun als „Leiharbeiterin“ im Lügder Rathaus aushilft

So gut kann‘s mit dem Nachbarn klappen

Lügde. Die Städte Lügde und Bad Pyrmont fließen, rein räumlich, längst fast ineinander. Wenn es bürokratisch wird, bekommen die Menschen die Landesgrenze aber bisweilen doch zu spüren. So etwa, als 2008 infolge des NRW-Kinderbildungsgesetzes keine Pyrmonter Kleinkinder mehr in Lügder Tagesstätten aufgenommen werden durften. Oder, wenn eine in Lügde lebende Asylbewerberin jeden Kinderarztbesuch in Pyrmont in Detmold beantragen muss.

veröffentlicht am 07.01.2011 um 22:46 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:24 Uhr

Tatjana Fuchs arbeitet derzeit in zwei Rathäusern: In Bad Pyrmont hat die ihren festen Job und im Lügder Bauamt hilft sie aus.
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Doch solche Probleme entstehen meist auf höherer Ebene. Kommen die Beteiligten direkt ins Gespräch, dann klappt‘s mit dem Nachbarn deutlich besser. Und zwar ganz unbürokratisch. Tatjana Fuchs ist der Beweis dafür.

Normalerweise kümmert sich die seit 15 Jahren in Lügde lebende Bautechnikerin im Pyrmonter Rathaus um die Bauüberwachung. Doch seit kurzem sitzt sie hinter einem zweiten Schreibtisch – im Lügder Rathaus. Denn im hiesigen Bauamt häuft sich die Arbeit ohnehin, und der krankheitsbedingte Ausfall einer wichtigen Kraft hat die Lage noch prekärer gemacht.

Deshalb hilft Tatjana Fuchs nun bei der Bauleitung aus. Ihren 19,5-Stunden-Job in Bad Pyrmont macht sie genauso weiter wie zuvor, und in Lügde kümmert sie sich nun zusätzlich zwölf Stunden pro Woche um den Einbau von Brandschutztüren im Schulzentrum, die Dämmung des Falkenhagener Kindergartens oder die Heizungserneuerung im Feuerwehrhaus Rischenau.

An ihren Lügder Nachmittagen kann Tatjana Fuchs die erkrankte Lügder Kollegin naturgemäß zwar nicht komplett ersetzen. Aber deren Arbeit einfach liegenzulassen, wäre ebenso wenig machbar wie sie auf die verbliebenen Leute umzuschaufeln. Denn die haben auch so genug zu tun. Und die genesende Kollegin soll bei ihrer Rückkehr nicht an einen Schreibtisch treten, der unter lauter Unerledigtem zusammenbricht.

Entsprechend erfreut waren die Lügder nun über die engagierte Aushilfe. „Ich bin hier total nett empfangen worden“, sagt Tatjana Fuchs. Und Bauamtsleiter Günter Loges spricht von einer „glücklichen Fügung“. Denn er hatte mehrfach vergeblich bei anderen lippischen Behörden um eine Aushilfe gebeten.

Zur „Leiharbeiterin“ wurde die 41-Jährige rein zufällig: Als Bürgermeister Heinz Reker seine Pyrmonter Amtskollegin Elke Christina Roeder unlängst bei einem Empfang traf, fragte er, ob sie ihm nicht personell aushelfen könne. Das war zwar halb im Scherz gemeint, doch Roeder nahm die Sache ernst. Und weil Fuchs ihre Arbeitsstunden ohnehin aufstocken wollte, vom Fach ist und sich obendrein in Lügde auskennt, fiel die Wahl sofort auf sie. „Das hat ganz unkompliziert funktioniert“, freuen sich Reker und Roeder nun unisono.

Und Tatjana Fuchs ist so ganz nebenbei zur ersten Rathaus-Mitarbeiterin geworden, die der sperrigen Wortschöpfung „interkommunale Zusammenarbeit“ ein Gesicht gibt. Und das sogar über eine Ländergrenze hinweg. Die Entscheidung dafür fiel ihr übrigens nicht schwer: An einem Donnerstag wurde sie gefragt, am Wochenende beriet sie sich mit Mann und Kind, und am Dienstag darauf saß sie schon in Lügde im Büro. Den Zusatzjob will sie nun so lange machen, „wie ich hier gebraucht werde“.



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