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Worum des dem Bildhauer Heinz-Jürgen Gerdes bei seiner „Zigarrendreherin“ für Lügde geht

Skulptur als Symbol für das Leben von einst

Lügde. „Heute wird die Bronze gegossen“, sagt Heinz-Jürgen Gerdes – und verbirgt seine Unruhe nicht. Denn der Bildhauer wird erst in ein paar Tagen erfahren, ob seine von Schwering & Hasse in Auftrag gegebene Skulptur „Die Zigarrendreherin“ für die kleine Anlage am Lügder Mittelkreisel etwas geworden ist.

veröffentlicht am 04.11.2011 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 18.01.2017 um 11:28 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Denn erst, wenn die Bronze erkaltet und aus dem Schamott-Zement ausgebuddelt wird, erweist sich, ob der spannende Arbeitsgang, zu dem Gerdes selbst nicht beitragen kann, erfolgreich war. „Im schlimmsten Fall, also bei einem Fehlguss, würde die Arbeit um fünf, sechs Wochen zurückgeworfen“, erklärt der Bildhauer den Grund für seine Anspannung.

Doch im Moment kann der 49-Jährige nur warten. Denn zur richtigen Bronze wird sein in Ton modelliertes Werk erst in einer Spezialgießerei in Düsseldorf. „Das ist die erste Adresse“, sagt der Gerdes und ist deshalb zuversichtlich, dass er nächste Woche an den Rhein fahren und das Zusammenfügen der fünf Bronzeteile sowie die letzten Feinarbeiten überwachen kann. Dazu zählen das Zusammenfügen der Skulptur, das Ziselieren der Schweißnähte und das Patinieren. Dadurch erhält die Plastik die gewünschte Farbe, ein Dunkelgrün-Schwarz.

„Ob ich zufrieden bin, kann ich erst bei der Enthüllung in zwei Wochen sagen“, gesteht Gerdes. „Vorher ist man immer unzufrieden.“ Zumal der Künstler jetzt ja auch noch nicht weiß, ob die Betrachter in Lügde mit seiner Arbeit etwas anfangen können. „Ich hoffe natürlich, dass sie gut aufgenommen wird“, sagt er.

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  • H.-J. Gerdes

Seine Arbeit soll authentisch ‘rüberkommen. Eine akribisch ausgearbeitete Momentaufnahme aber will Gerdes nicht zeigen, sondern Typisches eher andeuten. Gleichwohl hat er für seine Skulptur recherchiert. „Ich habe mir in Bremen zeigen lassen, wie das Zigarrenwickeln mit Tabakblättern funktioniert“, erzählt er. Denn er wollte ein Gefühl für diese Arbeit bekommen.

Als besondere Herausforderung hat der Künstler die Gestik und vor allem die Mimik der Zigarrendreherin und ihrer beiden Kinder empfunden. Denn anders als bei einer abstrakten Plastik kommt es bei einem deutlich figürlichen Ensemble auf den Ausdruck der Gesichter an. „Das soll ja keines dieser heroisierenden Arbeiterdenkmale werden wie früher in der DDR“, sagt Gerdes. Vielmehr sei es ihm darum gegangen, auch das Leben der Frauen herauszuarbeiten, denen sein Auftraggeber Ernst-Michael Hasse die Skulptur widmen will – als Denkmal für ein wichtiges Stück Lügder Geschichte. Denn die vielen Frauen, die hier früher in Heimarbeit Zigarren rollten, um die Familie mit über Wasser zu halten, hatten meist auch noch Kinder zu versorgen. „Ich wollte einen Weg finden, um erkennbar zu machen, worum es geht“, sagt Gerdes.

Den kleinen Jungen lässt er deshalb an der Schulter seiner Mutter ziehen, während das ältere Mädchen ihr bei der Arbeit zur Hand geht. „Früher war es ja ganz normal, dass die Kinder mithelfen mussten. Heute nennt man das Kinderarbeit,“ erklärt der Bildhauer. Die damaligen Zustände will er mit seiner Skulptur also nicht idealisieren. Denn er weiß: „Denkmäler werden dafür oft missbraucht.“



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