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Klassiker „Dinner for One“ und „Ulknudel“ Dieter Lemke begeistern

Silvester in der Marktscheune: Jährlich grüßt der Löwenkopf

ELBRINXEN. „Nutzt in der Pause unseren Glühwein, damit ihr, was den Alkoholpegel betrifft, später mit Butler James auf Augenhöhe seid“, war von Oliver Jürgens in seiner begrüßenden Ansage die Aufforderung an die bis auf den letzten Sitzplatz reingedrängelten 170 Besucher in der Marktscheune. Dort führte die Dorfbühne des Verkehrsvereins mit einem unterhaltsamen Rahmenprogramm den Silvesterklassiker „Dinner for One“ auf.

veröffentlicht am 02.01.2018 um 09:27 Uhr

Nah am Original: Für die Dinner-for-One-Aufführung wurde das Bühnenbild liebevoll und detailreich gestaltet. Foto: ti
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Autor

Klaus Titze Reporter
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Um die Lachmuskeln für das traditionelle Bühnenstück zu lockern, gab es zuvor einen besonderen Gast: Dieter Lemke, wohl schon als „Ulknudel“ in Pommern geboren, geht leidenschaftlich mit Wortspielereien um, zerpflückt Worte in Silben und baut diese in komisch wirkenden Schüttelreimen oder Limericks zu einer gänzlich anderen Bedeutung zusammen. Es seien „Bio-Verse“, also aus eigener Herstellung, wie der Sprachkünstler anmoderiert. An der Universität in Tübingen promoviert, als ehemaliger Erziehungswissenschaftler und Professor für Schulpädagogik an der Uni Bielefeld tätiger Fachmann, scheint er in das Wortspiel verliebt zu sein.

Seine Wortspielereien ähneln denen des Unterhaltungskünstlers Heinz Erhardt, wie ein Besucher treffend bemerkt. Gelegentlich singend und mit leichtem Gitarrenanschlag begleitet, entlockt er seinen Gästen einen Lacher nach dem anderen und animiert zum Mitsingen. „Freut euch des Lebens, Großmutter wird mit der Sense rasiert ...“ ist solch ein Kalauer, wie so mancher ihn aus seiner Jugend in Erinnerung hat. Worte wie „Winterspeck“ werden in einen Vers mit „gewinnt der Speck“ untergebracht, oder „Zeder“ in einem „Zeh der schmerzt“ und „Küster“ in „küsst der Pfarrer gar nicht schlecht“ versteckt. „Kanzel“ findet sich in „kann Zellulitis nicht vertreiben“ wieder.

„Derartige Dichtung kann für den Dichter selbst auch Lebenshilfe sein“, verrät er seinem Publikum. So nutze er Staus, um sich mit Namen auf Ortsschildern die Zeit zu vertreiben und kurze Reime auf sie zu bilden. Während Lemke dann sein Publikum zum „Vorglühen“ in die mit alten Schlagern und Schnulzen unterlegte Pause entlässt, wird diese hinter einem roten Plüschvorhang zum Umbau der Bühne genutzt. Da wird, im Gegensatz zum Original, ein schon arg strapaziertes Löwenfell mit großem Kopf dort platziert, wo James später seinen Weg zur Anrichte einschlagen muss.

Dieter Lemke unterhielt das Publikum mit Gitarrenmusik und lustigen wie kunstvollen Wortspielen. Foto: ti
  • Dieter Lemke unterhielt das Publikum mit Gitarrenmusik und lustigen wie kunstvollen Wortspielen. Foto: ti

Innerhalb kurzer Zeit steht ein bezauberndes Bühnenbild, das von Manfred Buhr und seinen Helfern nah am Original gestaltet worden ist. Der Kamin, die kurze Treppe, der gedeckte Tisch, die fünf stilecht wirkenden Stühle nehmen die Zuschauer mit in eine anheimelnde Landhausatmosphäre.

Gelegentliche Bemerkungen aus ihren Reihen, die Hinweise auf bevorstehende Ereignisse auf der Bühne geben, lassen erkennen, dass sich das Publikum mit Ablauf und Höhepunkten bestens auskennt. So kann es nicht nur die Komik der Geschichte um Miss Sophie (Reinhild Blum) und ihren Butler James (Detlev von der Heide), sondern besonders auch die fantastisch dargebrachte Mimik und Gestik des Butler genießen.

Lachen und Kreischen wecheln sich ab, auch als sich bei einem lebhaften „skol“ des Admirals von Schneider der Becherinhalt bis in die vordersten Reihen des Publikums ergießt. Mit lang anhaltenden Beifall dankten die Besucher den ausdrucksstarken Darstellern.

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