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Kreispolizeibehörde Lippe registriert Häufung / Fahndung nach den Tätern

Sechs Amok-Drohungen in 14 Monaten

LIPPE/BAD PYRMONT. Die Kreispolizeibehörde Lippe registriert derzeit vermehrt Amok-Drohungen an Schulen – in den vergangenen 14 Monaten gab es ein halbes Dutzend Alarme. Die Häufung von Amok-Drohungen kann sich die Kreispolizeibehörde nicht erklären. Vielleicht habe das mit anstehenden Prüfungen zu tun, spekuliert eine Beamtin.

veröffentlicht am 22.03.2019 um 17:03 Uhr

Bedrohungslagen lösen nicht nur Polizeieinsätze, sondern auch Ängste aus. Im Oktober 2016 verbarrikadierten Lehrer und Schüler in Bad Pyrmont mit Möbeln die Türen der Klassenräume. FOTO: PR
Ulrich Behmann

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Ulrich Behmann Chefreporter zur Autorenseite
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In allen Fällen seien gegen den unbekannten Täter Strafverfahren eingeleitet worden – wegen „Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten“, teilte Behördensprecherin Dr. Laura Merks am Freitag mit. Innerhalb weniger Wochen habe es vier Amok-Drohungen gegen Schulen in Detmold gegeben.

Auch am Freitag waren Polizisten wieder stundenlang im Einsatz – diesmal im Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium. Uniformierte Beamte führen Einlasskontrollen durch und zeigen Präsenz bis zum Unterrichtsende. Andere Einsatzkräfte gingen durch das Gebäude. „Sie hätten nach Schülern, die sich auffällig verhalten, und nach verdächtigen Gegenständen Ausschau gehalten“, erklärt Hauptkommissarin Kathrin Landwehrmeyer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Am Donnerstag war die Polizei in Detmold von der Schulleitung über eine mögliche Bedrohungslage informiert worden. Ein Unbekannter habe in der Jungentoilette eine Amok-Drohung an die Wand geschrieben, sagte die Sprecherin. Die Polizei habe den bevorstehenden Einsatz gemeinsam mit dem Krisenteam der Schulleitung besprochen, hieß es. „Das Gymnasium hat umgehend die Eltern informiert und ihnen freigestellt, ihre Kinder am Freitag zur Schule zu schicken.“ Die Polizei nehme solche Drohungen sehr ernst, betont Dr. Merks. Ziel des Polizeieinsatzes mit hoher Präsenz sei es, durch Taschenkontrollen und Raumstreifen in den verschiedenen Gebäudeteilen, ein mögliches Risiko zu minimieren und schnell handlungsfähig zu sein.

Drohungen und Amok-Alarme stören nicht nur den Schulbetrieb, sie lösen bei vielen Schülern, Lehrern und Eltern Ängste aus. Als im Oktober 2016 in der Max-Born-Realschule in Bad Pyrmont durch eine technische Störung eine Stimme vom Band, Lehrer und Schüler per Endlosschleife aufforderte, wegen einer Bedrohungslage in den Klassenräumen zu bleiben, wurden Zimmertüren mit Tischen und Stühlen blockiert. Da die Ursache für die Alarmauslösung nicht sofort erkennbar war, ging die Polizei zunächst von einem Ernstfall aus. Streifenwagen aus Bad Pyrmont, Aerzen und Hameln fuhren zur Schule, Notarzt und Rettungsdienst standen vorsorglich in Bereitschaft.

Kurze Zeit später wurden auch im benachbarten Humboldt-Gymnasium Lehrer und Schüler aufgefordert, die Klassenräume nicht zu verlassen, obwohl es dort keine Amok-Alarmierung gegeben hatte. Die Schulleitung war von der Einsatzleitung gebeten worden, eine Durchsage zu machen. „Eine Amok-Drohung ist kein Scherz“, stellt Dr. Laura Merks von der Polizei Lippe fest. Sollte der Täter ermittelt werden, müsse er sich nicht nur strafrechtlich verantworten, sondern auch die Kosten des durch ihn verursachten Polizeieinsatzes tragen.

Jede einzelne Amok-Drohung werde von der Polizei individuell geprüft. Mit den Schulen seien grundlegende Konzepte für den Umgang und die Kommunikation bei Amokverdachtsfällen erarbeitet worden. „Dabei ist es wichtig, frühzeitig von möglichen Anzeichen eines Amoklaufes zu erfahren. Die Polizei appelliert an Lehrer und Schüler, Verhaltensveränderungen eines Schülers sofort anzusprechen und auch beiläufig ausgesprochene Gewaltdrohungen oder -fantasien kritisch zu hinterfragen.“

Schüler sollten Amok-Drohungen nicht über soziale Netzwerke oder Messenger-Dienste veröffentlichen. Nach Meinung der Polizei wird dadurch Panik ausgelöst. Die Beamten bitten die Jugendlichen, stattdessen sofort die Polizei zu informieren. Maßnahmen könnten so in Abstimmung zwischen Polizei und Schule eingeleitet werden.

Die Häufung von Amok-Drohungen kann sich die Kreispolizeibehörde nicht erklären. Vielleicht habe das mit anstehenden Prüfungen zu tun, spekuliert eine Beamtin. Ende April beginnt in Nordrhein-Westfalen das Abitur.



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