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Warum sich in Lügdes Südstadt Widerstand gegen den Ausbau formiert

Schnelles Internet – ja bitte, aber nicht per Richtfunk?

Elbrinxen. Das schnelle Internet gilt vielen Menschen inzwischen als eine Art Grundrecht. Wer keinen Zugriff darauf hat, fühlt sich in Zeiten zunehmender Digitalisierung abgehängt. Die einen, weil sie weder lustige Youtube-Videos störungsfrei sehen noch interaktive Spiele spielen können. Andere, weil das schnelle Netz für ihr Unternehmen existenziell wichtig ist.

veröffentlicht am 04.11.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:21 Uhr

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Autor:

Julia Rau und Juliane Lehmann
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Deshalb waren Computer-Nutzer in der Lügder Südstadt im Februar 2013 erleichtert, als der Kreis Lippe bekanntgab, dass sich mit der Firma Sewikom ein Unternehmen gefunden habe, das auch die dünn besiedelten Dörfer versorgen wolle. Deshalb schloss die Stadt Lügde einen Vertrag mit dem Anbieter aus Beverungen. Die Baumaßnahmen in Elbrinxen, Falkenhagen, Sabbenhausen, Wörderfeld, Harzberg, Hummersen, Köterberg und Niese werden vom Kreis mit rund 300 000 Euro aus EU-Mitteln gefördert. 100 000 Euro schießt die Stadt Lügde zu. Die Förderung soll laut Lügder Stadtverwaltung gewährleisten, dass sich die Ausbaumaßnahmen für den Anbieter rechnet.

Mittlerweile haben die Beverunger in mehreren Ortsteilen diverse Richtfunk-Masten aufstellen lassen. Doch längst nicht alle Bürger wollen einen solchen Mast vor ihrer Tür. Manche haben Angst vor drohenden gesundheitlichen Folgen durch die von ihnen befürchtete Strahlenbelastung – nicht zuletzt aus Sorge um eventuelle Wechselwirkungen mit bereits vorhandenen Funkmasten im Ort. Andere lehnen die hohen Pfähle aus ästhetischen Gründen ab. Was manche Skeptiker stört: Das Risiko des Nichtwissens werde nicht berücksichtigt.

„Die Umsetzung ist sehr schwierig“, sagt Elbrinxens Ortsbürgermeister Hermann Wenneker. „Wir haben vier Standorte und viermal Ärger.“

Hierhin senden die Signale vom Köterberg: Der Richtfunk-Mast in der Nähe des Campingplatzes.

Auf Anfrage erklärt Katrin Buhr aus dem Lügder Rathaus, die Vorbehalte einiger Bürger gegenüber den Masten fußten auf einem Missverständnis. Denn: „Die Masten sind eben nicht das Gleiche wie die Mobilfunkmasten am Bergweg.“ Richtfunk streue nicht. „Der Strahl zwischen den Masten ist bleistiftdick, wie ein Laserpointer, der von Mast zu Mast den Kontakt herstellt.“ Die Strahlung sei vergleichbar mit der vom W-LAn zu Hause. Weil die Strahlwirkung so gering sei, dürfe zwischen den Masten kein Hindernis die Übertragung stören. Der Plan sehe deshalb vor, die Verbindung auf dem Köterberg anzuzapfen und dann im Zickzack weiterzuleiten. „Dort, wo es Anfragen seitens der Bürger gab, haben wir auch nach alternativen Standorten gesucht“, sagt Buhr und ergänzt: „Ich kann natürlich den Leuten die Angst nicht nehmen.“ Aber die Stadt wolle auch nicht, dass die Elbrinxer und Lügder vom Fortschritt abgeschnitten würden.

Der höchste Mast, der die vom Köterberg gesendeten Richtfunk-Signale in Lügdes größten Südstadt-Ortsteil weitersenden soll, steht etwas außerhalb des Dorfes am Hochbehälter. Zwei weitere stehen auf dem Postweg und zwei auf dem Bergweg. „Bei allen Standorten gibt es massive Bürgerbeschwerden“, so Wenneker. Das Misstrauen gegen die Masten sei hoch. Denn viele Menschen wüssten zu wenig über die Technik.

Laut Sewikom wird in der Lügder Südstadt mit „Breitband-Hybrid-Technik“ gearbeitet: Sie kombiniert Richtfunktechnik mit vorhandenen Glasfaser- oder Kupfer-Erdleitungen anderer Anbieter wie etwa der Telekom.

Keine echte Transparenz

und Ärger über ungenehmigte Masten

Einen Info-Termin hatte die Firma Sewikom im Sommer in Elbrinxen angeboten. „Weil die Einladung jedoch kaum bekannt wurde, waren damals nur ein paar Leute da“, sagt der Ortsbürgermeister. Andere erinnern sich, dass der Abend wie eine Verkaufsveranstaltung gewirkt habe. Eine spätere Hauswurfsendung zum geplanten Mastenbau hätten viele Adressaten dann wohl in ihren Briefkästen übersehen, vermutet Wenneker.

Sandra Fröhlingsdorf zählt zu jenen, die sich gegen den Masten-Bau in unmittelbarer Nähe ihrer Häuser zur Wehr setzen. Was die Elbrinxerin ärgert: „Obwohl die Grundstücksverhältnisse ungeklärt waren, hat eine Barntruper Firma neulich einfach angefangen, direkt an unserem Grundstück zu buddeln, den Aushub auf die Straße geschüttet und nichts abgesperrt“, berichtet sie. Die Anwohner seien zwar allgemein über den Ausbau informiert worden, „aber nicht darüber, wie das genau aussehen soll“.

Sie fragt sich, was den Ausschlag für den Vertrag mit Sewikom gegeben habe – „und was mich das schnelle Internet am Ende kostet“. Ihre Befürchtung: Der teils mit Steuergeld finanzierte Ausbau könnte für die Nutzer am Ende teuer werden – und dabei nicht einmal besonders schnell. „Die angebotene Geschwindigkeit scheint nicht zeitgemäß“, glaubt die Elbrinxerin.

Laut seinem Internet-Auftritt wird Sewikom den Nutzern – je nach gebuchter Übertragungsgeschwindigkeit – monatlich zwischen 25,95 und 34,95 Euro für die Internet-Versorgung in Rechnung stellen. Wer das Internet-Telefonieren dazubucht, zahlt dafür noch einmal 9,95 bis 18,95 Euro drauf. Zudem steht im Kleingedruckten auf der Homepage, dass sich der Anbieter vorbehalte, die Flatrate-Angebote bei „dauerhafter exzessiver Nutzung“ zu kündigen.

Astrid Fröhlingsdorf hat den Eindruck gewonnen, dass bei der Suche nach Mast-Standorten, die ihr nicht wirklich planvoll erscheint, zu wenig Rücksicht auf den Aufbau des Dorfes genommen worden ist. Überdies ärgert sie, dass der Sewinet-Geschäftsführer ihr bei einem Ortstermin vor ihrem Grundstück erklärt habe, er unterhalte sich nur mit Fachleuten.

Was sie zudem irritiert, ist die Masthöhe. Weil die an mehreren Stellen die genehmigungsfreien zehn Meter übersteige, hat sie das dem Kreis-Bauamt mitgeteilt. Denn Masten von zwölf Metern Höhe müssten erst genehmigt werden, und beim Bau seien Mindestabstände zum nächsten Haus einzuhalten. „Der Kreis hat bisher nur eine Baugenehmigung erteilt, für einen Mast in Harzberg“, habe man ihr mitgeteilt. „Dieser Mast steht dort aber noch gar nicht.“

Gestern haben die Fröhlingsdorfs der Stadt Lügde schriftlich mitgeteilt, dass sie den Mast vor ihrer Tür nicht einfach so dulden werden. „Wir verlangen eine Gewährleistung, weil die Stadt Lügde Baulastträger ist“, erklärt die Elbrinxerin mit Blick auf das Risiko, dass der Mast zum Beispiel durch ein Auto im engen Bergweg angefahren werden und in der Folge auf ihr Haus kippen könnte.

Da sie in Gesprächen den Eindruck gewonnen hat, dass auch andere Elbrinxer das Vorgehen beim Breitband-Ausbau in Lügdes Südstadt kritisch sehen, organisiert sie nun eine Bürgerversammlung in Elbrinxen. „Außerdem haben wir bei Facebook eine Gruppe gegründet.“

Einige von unserer Zeitung per E-Mail an Sewikom gerichtete Fragen hat das Unternehmen bisher nicht beantwortet. Ein im Auftrag des Beverunger Anbieters tätiges Kommunikationsunternehmen stellte gestern für eine Beantwortung der Fragen für heute in Aussicht.



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