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Luchs und Wolf sollen abgewehrt werden

Pyrenäen-Berghunde beschützen Schafherde

NIESE. Pyrenäen-Berghunde schützen in Niese bei Lügde eine Schafherde vor Angriffen von Raubtieren wie Luchs und Wolf.

veröffentlicht am 16.06.2017 um 16:19 Uhr

Ortrun Humpert auf Tuchfühlung mit ihren Schafen und den Pyrenäen-Berghunden. Foto: br
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Autor

Burkhard Reimer Reporter
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Groß sollen sie sein, kräftig und von ehrfurchtgebietendem Körperbau, ausgestattet mit einem starken Willen und einem untadeligen edlen Charakter. Und gleichzeitig sollen sie auch zutraulich, anhänglich und treu sein. Vor allem aber, sollen sie einen ausgeprägten Beschützerinstinkt haben. Traummänner also? Nein, es geht um Hunde. Nicht um irgendwelche, sondern um Pyrenäen-Berghunde, um Tiere eben jener Rasse, wie sie in der Schäferei Humpert in Niese wertvolle Dienste leisten.

Der Wohn- und Betriebssitz von Andreas und Ortrun Humpert ist Löwendorf im Kreis Höxter, ihr Schafstall mit Nebengebäuden liegt in Niese. Es habe Zeiten gegeben, da sei der Pyrenäen-Berghund fast zu so etwas wie einem Schoßhund degeneriert, weil man seine Schutzdienste nicht mehr benötigt habe, sagt Ortrun Humpert. „Ganz einfach, weil es seit rund 150 Jahren bei uns keine Wölfe mehr gab.“ Doch seit dem Wiederauftauchen großer Beutegreifer auch in unseren Breiten habe man sich erneut auf sie besonnen. „Zäune allein bieten nämlich nicht unbedingt Schutz“, weiß Humpert, „aber an einen guten Herdenschutzhund wagen sich einzelne Wölfe und Luchse gar nicht erst heran“. Fremde Menschen übrigens auch nicht, jedenfalls sollten sie das nicht. Es sei nicht ratsam, sich einer eingezäunten Schafherde mit Herdenschutzhund zu sehr zu nähern, geschweige denn, auch nur zu versuchen, den Zaun zu übersteigen.

Die weißen, teilweise auch bunten Hunde der Humperts sehen trotz ihrer beeindruckenden Größe zwar harmlos, geradezu lammfromm aus, „und im Grunde sind sie das ja auch, zumal wir nur solche Hunde aus Arbeitslinien in die Herden lassen, die einen erprobten Wesenstest anstandslos bestanden haben. Doch wehe“, warnt Ortrun Humpert, „wenn sie zu sehr provoziert werden. Nicht ohne Grund setzen Schäfer hierzulande Herdenschutzhunde nur in eingezäunten Bereichen ein. Die Zäune, an sich von den Hunden leicht zu überwindende Hindernisse, werden von Anfang an als Grenzen gelehrt und von den Hunden akzeptiert. „Spaziergänger, die diese Grenzen, sprich die Zäune, nicht überschreiten und am besten auch eine gewisse Distanz zu diesen wahren, haben absolut nichts zu befürchten,“ versichert die Schäferin.

Ortrun Humpert weiß, wovon sie spricht. Nicht nur dass sie und ihr Mann die Schäferei bereits seit 1986 betreiben, sie haben auch schon vor sechs Jahren wegen des seitdem wieder vermehrt auftretenden Luchses ihre ersten Herdenschutzhunde angeschafft. Seit 2015 ist Ortrun Humpert Züchterin von Pyrenäen Berghunden. Mit gutem Grund und auch aus Rücksicht auf den Tourismus im Lipperland und Weserbergland haben die Humperts sich für diese Rasse entschieden. Der Pyrenäen- Berghund ist zwar groß und stark, aber eben nicht aggressiv. „Das sind keine Kampfmaschinen“, sagt die Löwendorferin. Im Gegensatz zu etlichen anderen Rassen, die ebenfalls als Herdenschutzhunde Verwendung finden, hätten sie „eine ziemlich lange Zündschnur“, es brauche schon eine gewisse Zeit, ehe sie „explodieren“ und ihrem Beschützerinstinkt wirklich freien Lauf lassen. Und eben das mache ja auch das Besondere an ihnen aus: „Sie leben in der Herde, mitten unter den Schafen, stehen in der Rangordnung ganz unten, aber wenn es darauf ankommt, wachsen sie gewissermaßen über sich hinaus.“

Zum Stichwort „lammfromm“ berichtet Ortrun Humpert von einer Begebenheit: Da hätten zwei ihrer Lieblinge – übrigens, wie es sein sollte, zur Stallzeit in der Herde geboren und vom ersten Tag an mit ihr sozialisiert – mitten unter den Schafen gelegen und seien freundlich von Lämmern beleckt worden. Und ebenso freundlich hätten die mächtigen Hunde das akzeptiert. „Die sanften Kolosse sind ruhig liegengeblieben, ihre Augenlider haben sich auf Halbmast gesenkt, und sie haben sich nur noch dem Verwöhntwerden hingegeben.“

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