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Landgericht setzt beteiligten Parteien zur gütlichen Einigung

Prozess um verletzten Jagdterrier - viele Fragen offen

LÜGDE/DETMOLD. Von „Abfangen“, also vom Töten eines Wildes mit der Blankwaffe, dem Messer, war bei der Verhandlung im Landgericht Detmold am Freitagvormittag häufig die Rede, ging es doch bei diesem Termin zur Beweisaufnahme darum, den Sachverhalt in einer Zivilsache zu klären. Bereits im Jahre 2015 war der Jagdterrier eines Lügder Jägers schwer verletzt worden, als er einen Waschbären gestellt hatte und ein Jagdkollege des Klägers helfend eingreifen wollte.

veröffentlicht am 23.03.2018 um 18:34 Uhr

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Reporter

Nach der Sichtweise des Klägers, der den Vorfall aus etwa fünf bis sechs Metern beobachtet hatte, stellte sich die Situation so dar, dass der Hund den Waschbären in einem Brombeergestrüpp an der Kehle gefasst hatte, dieser jedoch darum kämpfte, wieder freizukommen. Der Beklagte hatte versucht, den Waschbären mit einem Messer tödlich zu verletzen, dabei jedoch den Hund getroffen. Das Messer drang nach Aussage eines Zeugen durch den Schädel des Hundes bis in die Augenhöhle.

Mehrere Operationen konnten nicht verhindern, dass der Hund „Winston“ erblindete. Seine Verwendung als Jagdhund, der die dazu notwendigen Prüfungen mit Auszeichnung bestanden hatte, war damit beendet. Fatal, weil daran auch die Bewertung als Deckrüde gekoppelt ist. Man rechnet bei einem Deckrüden mit rund sechs Deckakten pro Jahr, allerdings war „Winston“ nur dreimal in zwei Jahren zum Vollzug gekommen. Die Beweisaufnahme gestaltete sich kompliziert, denn der Anwalt des abwesenden Beklagten, Dr. Hake, hatte verschiedenen Klärungsbedarf. Waren Hund und Waschbär in Bewegung? Wie waren die Größenverhältnisse? Gab es eine Ausholbewegung mit dem Messer? Waren noch weitere Jagdhunde zugegen? Während ein Zeuge, ein Cousin des Klägers, so gut wie nichts konkret gesehen hatte, beschrieb ein zweiter Zeuge, Enkel des Klägers, die Situation genauer. Auch er hatte gesehen, dass der Beklagte zugestochen hatte, jedoch keine eindeutige Ausholbewegung vollzogen habe. Der Hund habe gejault und sei nach hinten gesprungen, dann habe man die Verletzung festgestellt und das Tier behandelt. Die Einlassungen des Sachverständigen bezogen sich eher darauf, wie man ein Tier waidgerecht mit einem Messer „abfängt“, was in diesem Falle nicht eindeutig schien, war die Szenerie doch in Bewegung gewesen.

Waidgerecht hieße auch, den Waschbären zu fixieren, also vor dem Zustechen dessen Kopf mit dem Fuß am Boden zu halten. Ob das jedoch geschehen sei, blieb in letzter Konsequenz offen. Nach Aussage des Gutachters Friedhelm Röttgen aus Essen sei es üblich, dass ein Hundeführer auch für das „Abfangen“ zuständig sei, es jedoch auch von einem Anderen erledigt werden könne, wenn er es diesem zutraue. Jedenfalls dürfe nicht aus der Entfernung zugestochen werden, sondern das Messer müsse aufgesetzt werden.

Hier ging der Kläger davon aus, dass der Beklagte dazu fähig sei, weil er sich dazu angeboten hatte. Die Forderung des Klägers an die Versicherung des Beklagten umfasst die Behandlungskosten des Jagdterriers sowie den Verlust, der durch den Ausfall von „Winston“ als Deckrüde vermutet werden kann, also eine hohe vierstellige Summe. Nachdem bereits eine erste Verhandlung in Richtung eines Vergleiches mit der Versicherung gescheitert war, setzte nun der Vorsitzende Richter den Parteien eine Frist bis Mitte April, doch noch zu einer gütlichen Einigung zu kommen. Ein Termin zur Entscheidung steht dann Anfang Mai an.



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