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Zweiter Anlauf für Aufnahme in Liste

Osterräderlauf soll bundesweites Kulturerbe werden

LÜGDE. Der Lügder Osterräderlauf ist bereits ins NRW-Landesinventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Allerdings scheiterte die Bewerbung um die Aufnahme in die bundesdeutsche Liste, weil kein wissenschaftlicher Nachweis zum Ursprung der Tradition erbracht werden konnte. Nun soll ein neuer Versuch gestartet werden.

veröffentlicht am 03.04.2018 um 18:49 Uhr
aktualisiert am 03.04.2018 um 20:40 Uhr

Dieter Stumpe (rechts) verfolgt den Lauf des Osterrads. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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Am Sonntag haben die Dechen wieder ihren schon weit über die Grenzen bekannten Osterräderlauf durchgeführt. Einen Brauch, dessen Ursprung die Lügder im germanischen Ostara-Kult der vorchristlichen Zeit vermuten. Und dass dieses Ritual eine einzigartige Tradition darstellt, darauf haben die Lügder Brauchtumswächter bereits vor vier Jahren von den nordrhein-westfälischen Juroren bereits Brief und Siegel erhalten. Unmittelbar neben dem rheinischen Karneval wurde der Brauch ins NRW-Landesinventar des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Allerdings scheiterte die Bewerbung um die Aufnahme in die bundesdeutsche Liste, weil kein Nachweis erbracht werden konnte, wie weit das Hinunterrollen brennender Räder tatsächlich in die Vergangenheit reicht.

Um im zweiten Anlauf eine Chance zu haben, die Berliner Juroren zu überzeugen, war eine Expertise notwendig. Deshalb wandten sich die Dechen mit einem Brief an die heimische Wirtschaft. „Wir brauchten Unterstützung von der Universität Paderborn“, erklärte Oberdeche Uwe Stumpe die Bitte um finanzielle Unterstützung. „Denn die wissenschaftliche Aufarbeitung des Brauchtums, das die Kommission in Berlin angeregt hatte, kostete uns deutlich mehr als 10000 Euro.“ Genaue Beträge wollte er nicht verraten, erklärte aber, dass viele Betriebe und Firmen großzügig spendeten und auch erklärten, nachschießen zu wollen, falls noch Finanzbedarf bestehe.

So ist nun ein weiterer Antrag zumindest schon im Vorrennen, wie Uwe Stumpe den Ehrengästen am Sonntag mitteilte. „Ich wollte Ihnen hier schon von einem Etappensieg berichten“, erklärte Stumpe, bedauerte aber, dass die Kommission in NRW sich nicht – wie eigentlich vorgesehen – bereits im März auf die landestypischen Brauchtümer festgelegt hat, die sie in die bundesdeutsche Entscheidung schicken will. Die Entscheidung ist nun für den 15. April avisiert.

Wieviel von der wissenschaftlichen Aufarbeitung abhängt, machte Pressesprecher und Vereinshistoriker Dieter Stumpe klar: „Wir sahen uns dem Vorwurf ausgesetzt, dass der Osterräderlauf weder alt noch germanisch sei, sondern lediglich der Fantasie der Gebrüder Grimm entsprungen, die keinen Beleg für die von ihnen vermutete Frühlingsgöttin Ostara aufzeigen konnten.“ So vermuten Kritiker in Ostara lediglich eine Konstruktion und sehen auch deren Kult als problematisch an. Und da die bislang früheste gefundene Erwähnung des Osterräderlaufs in einem Verbot von 1743 steht, wurde es eng mit dem Argument der germanischen Abstammung.

„Um diesem Argument entgegenzutreten, haben wir uns an den Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe der Universität Paderborn gewandt“, berichtete Dieter Stumpe. Die Inhaberin des Lehrstuhls, Prof. Dr. Eva-Maria Seng, ist zugleich zuständig für die Landesstelle Immaterielles Kulturerbe NRW. „Dort haben wir das Brauchtum des Osterräderlaufs wissenschaftlich aufarbeiten lassen.“ Das rund 170 Seiten umfassende Werk, das demnächst der Öffentlichkeit vorgestellt werden wird, ist nun die Grundlage für die diesjährige Bewerbung um die Aufnahme in die Landesliste des immateriellen Kulturerbes.



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