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Auch Arztruf landet bald in Lemgo

Notruf-Pilotprojekt für passgenaue Hilfe

LÜGDE. Ab April wird in Lippe – und damit auch in Lügde – eine integrierte Leitstelle getestet. Deren speziell geschulte Disponenten haben nicht nur Zugriff auf Rettungsdienst und Notarzt. Sie können auch den Fahrdienst der Hausärzte anfordern oder die Patienten an die nächste Notfalldienstpraxis verweisen.

veröffentlicht am 15.02.2018 um 22:16 Uhr

Die in Elbrinxen stationierten Sanitäter auf dem Weg zum Einsatz. Weil offenbar immer mehr Menschen auch ohne triftigen Grund einen Rettungswagen verlangen und andererseits fünf Prozent der Anrufe bei dem unter 116117 erreichbaren hausärztlichen Bere
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Wer sich oder seine(n) Liebste(n) für einen medizinischen Notfall hält, hat mehrere Möglichkeiten: In lebensbedrohlich scheinenden Situationen ist 112 die richtige Wahl. Sind die Beschwerden nach Feierabend des eigenen Hausarztes nicht ganz so schlimm, aber voraussichtlich schlecht auszuhalten, bis die Praxis wieder öffnet, bietet sich ein Anruf beim hausärztlichen Notdienst unter der Gratisnummer 116117 an. Die ist erreichbar werktags von 18 bis 8 Uhr, mittwochs und freitags ab 13 bis 8 Uhr am Folgemorgen sowie samstags, sonntags und feiertags rund um die Uhr.

Der 116117er-Anruf läuft bisher bei der Arztrufzentrale in Duisburg auf. Die Disponenten im dortigen Callcenter schicken dann den in Lippe diensthabenden mobilen Mediziner los. Doch je nachdem, wo der sich gerade aufhält und welche Visiten er vorher erledigen muss, kann es eine ganze Weile dauern, bis er vor der Tür steht. Wer mobil ist, dem wird auch der Besuch einer Notfallpraxis empfohlen. Diese Praxen finden sich in den Kliniken in Detmold, Höxter und Lemgo.

Doch es gibt auch Patienten, die rufen lieber gleich den Rettungswagen. Dann rollen sie bequem in die Notaufnahme und kommen im Krankenhaus am schnellsten dran. So die Hoffnung.

Die Folgen sind bekannt: Die Notaufnahmen quellen zeitweise über vor Patienten. Und solche mit nicht lebensbedrohlichen Beschwerden sind dann auch noch beleidigt, wenn sie warten müssen, weil Unfallopfer oder Menschen mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder Blinddarmdurchbruch vorgelassen werden.

Studien zufolge wären bis zu ein Drittel der Rettungswagen-Einsätze medizinisch nicht notwendig. Und, klar: In solchen Fällen haben echte Notfallpatienten das Nachsehen. Denn wenn sie Hilfe brauchen, die RTW-Besatzung aber gerade anderswo einen eigentlich unnötigen Einsatz hat (wie sich mitunter erst hinterher herausstellt), müssen sie warten. Mit vielleicht lebensbedrohlichen Folgen.

Die Schwächen des Systems sind schon länger bekannt. Und es ist teuer. „Ein Rettungswagen-Einsatz plus Notarzt kostet 1000 Euro“, rechnet der Lügder Landarzt Dr. Bertel Berendes vor.

Auch kann nicht jeder Patient seine Beschwerden wirklich verlässlich einschätzen – und wählt vielleicht die für ihn falsche Nummer. So stehen Schätzungen zufolge hinter etwa fünf Prozent der Anrufe unter der 116117 tatsächlich lebensbedrohliche Notfälle.

Für Lügder Patienten wird es ab 1. April einfacher. An diesem Tag werden die Rufnummern 112 und 116117 zusammengeschaltet. Das heißt: Wer sie wählt, landet in der Leitstelle des Kreises Lippe in Lemgo. Dort also, wo bisher nur die 112 auflief. Die speziell geschulten Disponenten erfragen gezielt die genauen Symptome und vermitteln dann gleich die für den jeweiligen Fall passgenaue Behandlung. Die Mitarbeiter der neuen „integrierten Leitstelle“ haben also nicht nur Zugriff auf Rettungsdienst und Notarzt. Sie können auch den Fahrdienst der niedergelassenen Ärzte anfordern oder die Patienten an die nächstgelegene Notfalldienstpraxis verweisen.

„Gemeinsam mit den Rettungsleitstellen in Lippe, Höxter und Paderborn wollen wir Erfahrungen dazu sammeln, ob die klassische Notrufnummer 112 sowie unsere Bereitschaftsdienstnummer 116117 von einer einheitlichen, regionalen Leitstelle gesteuert werden können“, erläutert Dr. Gerhard Nordmann aus dem Vorstand der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL). Das erklärte Ziel: „Wir wollen die Fehlinanspruchnahmen von Klinikambulanzen und Rettungsdiensten reduzieren.“

Das Pilotprojekt läuft drei Jahre. Es wird wissenschaftlich begleitet, und die Ergebnisse werden überprüft.

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