weather-image
14°
Politik berät über Integrationskonzept

Noch viel zu tun

LÜGDE. Obwohl es ruhiger geworden ist um das Thema Flüchtlinge, vom Tisch ist die Problematik in Lügde noch lange nicht. In den vergangenen zwei Jahren hat die Stadt eine erhebliche Anzahl Asylbewerber aufgenommen. Sie wurden dezentral untergebracht. Jetzt wird über ein Integrationskonzept beraten.

veröffentlicht am 21.06.2017 um 16:08 Uhr

Das gemeinsame Nähen dient Lala Kaychosrawi, Ousama Aljawabrah und Monika Schell auch als Treffpunkt zum Gedankenaustausch, der von Lügdern und Flüchtlingen gerne aufgesucht wird. Foto: yt
Avatar2

Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Die bürokratischen Hürden auf allen Ebenen wurden überwunden. Das konnte nur mit der sehr engagierten Unterstützung einer ganzen Reihe von ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern gelingen.

Für die Verwaltung und die Privatpersonen war es ebenso ein Sprung ins kalte Wasser wie für die Vereine und Institutionen, die den Integrationsgedanken zwar umsetzen wollten, aber sich in ihrer Rolle erst ausprobieren mussten. Die Erfahrungen sollten in ein Konzept gegossen werden, das vom Lügder Flüchtlingsgipfel im Februar abgesegnet wurde. Dieser Flüchtlingsgipfel besteht aus Vertretern der Flüchtlingshelfer, der Politik und der Verwaltung der Stadt Lügde. In ihrem Konzept benennen sie Handlungsfelder, die abgearbeitet werden müssen. Angefangen bei der Unterbringung, der Gesundheitsversorgung über das Kennenlernen bis hin zur Einführung in Bildungseinrichtungen oder Beruf. Das Integrationskonzept soll klären, wer wofür Ansprechpartner und verantwortlich ist. „Denn wir sind nach dem Gesetz verpflichtet, noch weitere zehn Asylbewerber aufzunehmen und noch 30 anerkannte Flüchtlinge“, erklärte Engel den Nutzen des Papiers für die Zukunft.

Das Konzept hält der evangelische Pfarrer Holger Nolte-Guenther zwar für richtig, aber keinesfalls ausreichend: „Es fehlt ein Sozialarbeiter – zumindest mit einer halben Stelle.“ Zum einen sei das bürokratische Antrags- und Regelwerk derart kompliziert, dass ehrenamtlichen Helfern schlichtweg die Kompetenz fehle, den Dschungel zu überblicken. „Aber auch die kulturellen Hürden werden nicht einfach durch ein freundliches Lächeln überbrückt. Hier herrscht noch viel Konfliktpotenzial“, ist sich der Pfarrer sicher und nennt als Beispiel junge Mädchen, die an der Schule ganz andere Freiheiten und Möglichkeiten kennenlernen, als ihre Eltern das ohne weiteres für sie akzeptieren könnten. Es treffen in Lügde Flüchtlinge aus Syrien, Armenien, Afghanistan, Nigeria, dem Iran und vielen weiteren Ländern und Kulturkreisen aufeinander. „Und da gibt es keinerlei Solidarisierungseffekt im Sinne von ‚Wir sitzen alle im gleichen Boot.‘“ Verschiedene kulturelle und religiöse Spielarten können da sehr schnell zu Konflikten führen, denen ehrenamtliche Betreuer einfach nicht mehr gewachsen sind. „Und sie sind ein wenig müde.“ Die Beratungstermine im Wichernhaus sind vollends ausgebucht. Und selbst die katholische Kirche beteiligt sich schon an der Finanzierung. Nolte-Guenter erinnert an die drei vollen Stellen für Flüchtlingssozialarbeit und erklärt, dass in Lügde immerhin knapp 200 Flüchtlinge betreut werden müssen. „Von unseren Flüchtlingen sind aber viele anerkannt und unterliegen damit der Zuständigkeit des Jobcenters, das dann den Sozialarbeiter für sie bezahlen müsste“, verteidigte Engel die Weigerung, eine Stelle im Rathaus zu schaffen. Die Fraktionen werden sich nun mit dem Integrationskonzept befassen und in der nächsten Ausschusssitzung darüber befinden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare

    Kontakt

    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt