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Archäologe stellt Ergebnisse der Grabung auf dem Lügder Schildberg vor

Noch nicht fertig – schon niedergebrannt

LÜGDE. Die Schildburg ist etwas Besonderes, daran ließ der Archäologe am Lippischen Landesmuseum Detmold, Johannes Müller-Kissing, keinen Zweifel, als er das Ergebnis der von ihm geleiteten Grabung auf dem Lügder Schildberg vorstellte. Es ist vor allem die Summe der Funde, die den Archäologen überrascht.

veröffentlicht am 30.05.2018 um 16:33 Uhr
aktualisiert am 30.05.2018 um 18:13 Uhr

Die Lügder lassen sich von Johannes Müller-Kissing zeigen, was die Grabungen an der Schildburg zutage gebracht haben und was sich daraus schließen lässt. foto: yt
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Autor

Carlhermann Schmitt Reporter
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Neben Bürgermeister Heinz Reker und Mitinitiator der wissenschaftlichen Grabung Dieter Stumpe zeigten sich auch die Mitglieder des Ausschusses für Jugend, Senioren, Kultur, Sport und Soziales interessiert. Sie hatten sehr spontan die rund 12 000 Euro teure Grabung mit 5000 Euro unterstützt. Mit dabei waren auch die Mitglieder des Heimat- und Museumsvereins. Sowohl bei den Grabungen, bei denen sie kräftig mit anpackten, als auch bei der Informationsveranstaltung am Montag.

Dabei machte Müller-Kissing klar, dass die Grabung keinerlei spektakuläre Funde zutage brachte. „Das ist es auch nicht, was diese Stätte hier so besonders macht, sondern die Summe der Funde ist spannend.“

Denn zum einen war die kleine Wehrburg noch nicht einmal ganz fertig, als sie schon überfallen und niedergebrannt wurde. „Und genau diesem Umstand haben wir es zu verdanken, dass wir hier auf Fundstücke gestoßen sind, die hier nicht gelegen hätten, wäre die Burg nur einfach aufgegeben worden, weil sie nicht mehr benötigt wurde.“

Dieter Stumpe betrachtet den Tonkrug, den Grabungsleiter Johannes Müller-Kissing den Interessenten zeigte. foto: yt

Üblicherweise werden solche Stätten dann besenrein zurückgelassen und nichts deutet dann darauf hin, wie sich das Leben dort abgespielt hat. Anders auf der Schildburg. Hier wurde noch fleißig an der Burg gebaut, als ein Trupp von höchstens 50 Mann die Burg angegriffen, eingenommen und letztlich niedergebrannt hat.

Bevor die Funde eingelagert werden, werden sie Ihnen als Dauerleihgabe für Ihr Heimatmuseum zur Verfügung gestellt.

Johannes Müller-Kissing, Grabungsleiter

Dabei ging so manches zu Bruch, was sich dann nicht mehr mitzunehmen gelohnt hat. „Wir fanden Steingutscherben unterschiedlicher Qualitäten, Zaumzeug-Schnallen, vergoldeten Gürtelschmuck, was Rückschlüsse darauf zulässt, dass hier ein hochgestellter Ritter mit seinem Gefolge dabei war, die Burg aufzubauen.“

Es wurden viele Schindelnägel gefunden. Interessant ist auch, was man nicht gefunden hat: Steine von Wänden. Es standen also nur Holzhäuser im Burginneren. Sie sollten nachdem die Wehranlagen fertiggestellt waren, durch Steinhäuser ersetzt werden. Und man fand auch kaum Beschläge, sodass auch klar war, dass die Häuser nur einfache Blockhütten waren. „Allerdings fanden wir Keramik von Kachelöfen. Auf einen gewissen Komfort wollten die Bewohner hier doch nicht verzichten.“ Das alles wird nun ausgewertet und wird einen interessanten Einblick in das Leben der Menschen vor rund 800 Jahren geben.

„Die Funde werden restauriert. Die Auswertung wird auch eine geraume Zeit dauern.“ Aber dennoch zeigt sich der Archäologe zuversichtlich, dass es im nächsten Jahr zu Publikationen über die Schildburg kommen wird. Und da die Funde im Einzelnen nichts Neues ergeben, sondern nur in der Gesamtbetrachtung, hat das Landesmuseum auch kein Interesse, die Artefakte auszustellen. „Und bevor sie dort im Keller eingelagert werden, werden sie Ihnen als Dauerleihgabe für Ihr Heimatmuseum zur Verfügung gestellt.“

Johannes Müller-Kissing bekannte sich auch zu seiner Leidenschaft des Modellbaus. „Und bevor ich in Langeweile Trübsinn blase, beschäftige ich mich mit einem Modell der Schildburg, wie sie derzeit ausgesehen hat.“

Mit einem solchen Modell könnte dann das Lügder Heimatmuseum den Interessenten eine noch bessere Vorstellung von der damaligen Zeit vermitteln, als es allein mit Pfeilspitzen, Nägeln und Tonkrugscherben möglich wäre.



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