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Zwölf Eltern müssten ihn für ihre Kinder wünschen / Noch fehlen Lehrer und ein landesweiter Plan

Noch gibt’s in Lügde keinen Islamunterricht

Lügde (jl). Seit Beginn dieses Schuljahres gibt es in nordrhein-westfälischen Grundschulen ein neues Fach: den islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache. So soll der Islam den beiden christlichen Konfessionen gleichgestellt werden. Das wollte die rot-grüne Landesregierung so und sieht Nordrhein-Westfalen damit in einer Vorreiterrolle.

veröffentlicht am 21.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 16:41 Uhr

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Allerdings wurde der bekenntnisorientierte Unterricht nicht flächendeckend eingeführt, sondern solle „schrittweise etabliert“, wie es im Bildungsministerium heißt. Ein Lehrplan fehlt auch noch – ebenso wie genügend Lehrer, die das Fach unterrichten könnten.

Für Lügde heißt das: Es gibt hier noch keinen Religionsunterricht für muslimische Grundschüler. Die Schule müsste den aber auch erst dann einführen, wenn die Eltern von mindestens zwölf Kindern dies wünschen. „Ich habe allerdings noch nichts in der Richtung gehört“, sagt Schulleiterin Anneli Runte. „Wenn genügend auf uns zukämen, würden wir das dem Schulamt melden. Dann müsste das organisiert werden.“

Übrigens: In ganz NRW gibt es den Unterricht erst an 44 Schulen; 40 Lehrer können ihn geben. Abgesehen davon gibt es noch ein verfassungsrechtliches Problem: Weil die Muslime wegen der unterschiedlichen Islam-Ausrichtungen keine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft sind, wählt ein vom Land provisorisch eingerichteter Beirat die Lehrkräfte aus. Diesem Beirat gehören auch Vertreter islamischer Organisationen an – wie etwa die direkt von der Türkei gelenkte Ditib (türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion). Somit sind quasi sowohl der deutsche als auch der türkische Staats an der Gestaltung des Religionsunterrichts beteiligt – was sich mit der im Grundgesetz festgeschriebenen Trennung von Staat und Kirche nur schlecht verträgt..

Ein Extra-Angebot gibt es bisher allerdings schon für Kinder aus türkischen Migrantenfamilien. Das ist aber nicht bekenntnisorientiert. „Unsere Kollegin Nejla Aygün kommt zwei Stunden pro Woche zum herkunftssprachlichen Unterricht“, erklärt die Schulleiterin.

Unter Lügdes religiösen Muslimen indes hat sich die Möglichkeit des islamischen Religionsunterrichts offenbar noch nicht herumgesprochen. „Wenn es diese Möglichkeit gibt, finde ich das schön“, sagt Dilek Gökce. Die Vorsitzende der Frauengruppe im Lügder Ditib-Moscheeverein ist selbst Mutter eines Grundschülers und will die Information jetzt zu den anderen Eltern tragen. Sie persönlich sagt: „Ich würde mir das wünschen.“ Andererseits seien die Heranwachsenden in Sachen religiöser Unterweisung in Lügde gut versorgt. „Das machen sie sowieso in der Moschee.“ An den Wochenenden hielten dort immer mindestens 20 bis 30 Kinder auf, schätzt sie.

Allerdings würde sie sich auch wünschen, „dass deutsche Kinder erfahren, wie der Islam ist“. Deshalb hat sie sich vor einiger Zeit sehr gefreut, als eine Lehrerin ihres Sohnes, der die Johannes-Gigas-Schule besucht, unlängst Interesse an einem Besuch des Lügders Imams im anmeldete. Dilek Gökce wäre sofort dabei: „Ich würde übersetzen.“

Der mit diesem Schuljahr in Nordrhein-Westfalen eingeführte islamische Religionsunterricht wäre theoretisch auch an Lügdes Grundschulen möglich – wenn genug Eltern das wollen und sich ein geeigneter Lehrer findet.



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