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Wie der Vorsitzende der Eigentümer-Gruppe die Grundstücksverhandlungen fürs PSW-Unterbecken sieht

Nicht „verkaufen um jeden Preis“

Lügde. Wenn über Geld geredet wird, dann meist hinter verschlossenen Türen. Wer wofür wie viel kriegen will oder soll, behalten die Vertragspartner für sich. Das ist legitim – zumal in Grundstücksangelegenheiten. Geht es jedoch um ein Mammutprojekt mit massiven Folgen für die Umgebung wie das geplante Pumpspeicherkraftwerk (PSW), dann schürt das die Neugierde der Öffentlichkeit. Denn es hängt auch vom Ergebnis der Verhandlungen zwischen Grundstückseigentümern und der „PSW Lippe GmbH“ ab, wie es mit den Planungen am und im Naturschutz- und FFH-Gebiet Mörth weitergeht. Käme die Hochtief-Projektgesellschaft hier nicht zum Zuge, dann bräuchte sich niemand mehr Gedanken über die Realisierbarkeit des Hunderte Millionen Euro teuren Stromspeichers zu machen.

veröffentlicht am 22.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 12.01.2017 um 22:16 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Seit einer Weile verhandeln die Hochtief-Vertreter nun mit rund 30 Eigentümern. Deren Land würde für das, inklusive Erdwällen drumherum, 30 Hektar große PSW-Unterbecken gebraucht. Betroffen sind Landwirte, andere Privateigentümer und auch die Stadt.

Thorsten Klinge ist einer der Landwirte, mit denen Hochtief ins Geschäft kommen will. Seit kurzem steht er zudem einem von den Grundeigentümern gebildeten Arbeitskreis vor. Das Gerücht, wonach Hochtief zunächst 6 Euro pro Quadratmeter geboten hat, die Landwirte aber bis zu 18 Euro forderten, will der Elbrinxer wegen der Vertraulichkeit der Verhandlungen weder bestätigen noch dementieren. Stattdessen betont Klinge, dass es bei einem Treffen der Arbeitsgruppe mit Hochtief in dieser Woche nicht vorrangig um Geld gegangen sei. „Es ging ans Eingemachte“, sagt er. „Wir wollten auch wissen, was Lügde davon hat“ – nicht zuletzt mit Blick auf die lokale Wertschöpfung, etwa in Form eines Ausgleichskatasters für das Gebiet der Stadt.

Seine persönliche Sicht: „Wenn das Pumpspeicherwerk wirklich gebraucht wird, könnte ich damit leben.“ Allerdings gelte es nun, sich sachkundig zu machen. Hier jedoch sieht Klinge nicht nur sich und die anderen Eigentümer vor einem Problem: „Wem kann man heute noch glauben?!“ Eine unabhängige Meinung zu bekommen, erscheine beim Thema Energiewende schier unmöglich.

Thorsten Klinge

Abgesehen davon, dass der PSW-Betrieb unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen ohnehin nicht rentabel sei, legten die Eigentümer im Falle eines PSW-Baus auch Wert auf gewisse Sicherheiten. „Was passiert, wenn das Ding eines Tages vielleicht halb fertig dasteht, weil keiner mehr Geld hat? Dann haben wir da eine Ruine stehen“, schildert Klinge eine Sorge, die so manchen umtreibe. Deshalb gehe es den Eigentümern auch um eine Rückbau-Bürgschaft, etwa im Falle von Erbpacht-Verträgen. „Wenn die Becken plötzlich gar nicht gebraucht werden, weil die Energiewende in eine andere Richtung geht, dann sollen wir am Ende für die Renaturierung aufkommen…“, malt er ein theoretisch mögliches Szenario aus. Denn dass der Schuss auch mal nach hinten losgehen kann, hat der Landwirt beim Thema Biogas schon selbst erfahren müssen: Eine millionenteure Anlage auf seinem Gelände oberhalb von Elbrinxen ist nie richtig gelaufen. „Da bin ich ein gebranntes Kind“, sagt er. „Wenn solche Verträge erst einmal unterschrieben sind, haben wir alle keinen Einfluss mehr.“ Deshalb sei den Grundeigentümern jetzt daran gelegen, alle Informationen „zu prüfen, wo wir prüfen können“.

Erfreut zeigt sich der Arbeitskreis-Vorsitzende über seinen Eindruck, dass die Hochtief-Vertreter bei dem Treffen sehr offen, konstruktiv und nicht „von oben herab“ gewirkt hätten. Denn auch der Arbeitskreis sei an „sachlichen und vernünftigen“ Verhandlungen interessiert. Und, so betont Klinge weiter: „Wir machen keine Schnellschüsse.“

Auch, wenn er über Geld nicht sprechen darf und will, so formuliert er doch eine Devise der Eigentümer: „Alle sollen gleich behandelt werden.“ Verhandlungen von Hochtief mit einzelnen Betroffenen lehne man ab. Denn es gehe nicht ums „Verkaufen um jeden Preis“.

Ebenso haben übrigens auch Grundstückseigentümer in Freden im Landkreis Hildesheim ihre Verhandlungen mit einer anderen Hochtief-Tochter geführt: Eine Forstgenossenschaft brach die Gespräche schließlich ab, da man mit der „PSW Leinetal GmbH“ zu keiner Einigung kam.



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