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Gestaltungsregeln verbieten Riemchen

Nicht jede Deko passt ins Bild der Lügder Altstadt

LÜGDE. Das Lügder Bauaumt hat an der Mittleren Straße 69 einen Baustopp verhängt. Und das, obwohl die Eigentümerin eigentlich nur die Fassade verschönern wollte.

veröffentlicht am 13.06.2017 um 18:21 Uhr

Hauseigentümer in der Lügder Altstadt müssen sich bei der Fassadengestaltung an die Auflagen der Stadt halten. Sie sind in der Gestaltungssatzung enthalten. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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Dazu hatte die Hausbesitzerin die schwarzen Klinker, der auf Erdgeschosshöhe angebracht war, abschleifen lassen. Und es wurde bereits damit begonnen, helle Riemchenklinker aufzukleben. Das ist aber nicht zulässig. Denn Lügde hat eine Gestaltungssatzung, die für die gesamte historische Altstadt gilt. Nicht nur für denkmalgeschützte Häuser und Fachwerkgebäude, wie die Eigentümerin des Eckhauses am südlichen Eingangsbereich der Mittleren Straße vermutete, sondern auch für Massivhäuser. Und diese Gestaltungssatzung verlangt traditionellen Putz.

Nun hat die Eigentümerin eine Befreiung von der Gestaltungssatzung beantragt, worauf sich der Ausschuss für Stadtentwicklung, Planen und Bauen mit dem Thema beschäftigen musste. Grundsätzlich sprachen sich die Politiker für die Einhaltung der Satzung aus. Auch das Argument, dass eigentlich auch das unlängst modernisierte Rathaus den Rahmen des in der Satzung Zulässigen sprenge, ließen sie nicht gelten. Hubert Thiele erinnerte sich noch an die 1970er Jahre, in der eine Senke in der Gosse dieser Straße dafür sorgte, dass die Autos das Regenwasser knapp zwei Meter hoch an die Fassade spritzten. Das ließ Thorsten Klinge (CDU) ebensowenig als Argument für den neuen Klinker gelten wie Jörg Eickmanns (SPD) Bedenken, dass mit der Herstellung des alten Zustands mit schwarzem Klinker das Haus noch viel schlimmer aussehe, und Torben Blomes (SPD) Hinweis, dass das Haus zwar an prominenter Stelle stehe, allerdings nicht so charakteristisch für Lügde sei und ja aufgewertet würde.

Alle Ausschussmitglieder unterstrichen, dass die Satzung sinnvoll ist, um die schützenswerte Altstadt nicht durch Bausünden in ihrer Einheit zu zerstören. Und sie gaben Klaus Meier (FWG) Recht, der befürchtet, dass es ein Präzedenzfall bedeute, „dass wir dann morgen keinen historischen Stadtkern mehr haben“. Doch die Politiker sehen auch das Dilemma. Die Gestaltungssatzung gilt seit 1986. Deswegen dürfe man davon ausgehen, dass jeder, der in der Altstadt wohnt, auch davon weiß. Andererseits erschien den Politikern ein rigoroses Vorgehen strikt nach Verwaltungsvorschrift nicht zielführend. „Wir freuen uns ja, wenn Eigentümer auch in den Bereichen investieren, die durch viele Restriktionen ohnehin schon belastet sind. Deshalb fordern wir die Verwaltung auf, der Eigentümerin auch eine praktikable Lösung anzubieten“, wandte sich der Ausschussvorsitzende Thomas Blum an Gregor Günnewich vom Bauamt. Konkret dachte er dabei an einen Investitionskostenzuschuss für Fassadenverschönerung. Er hofft, damit auf einen für alle Seiten tragbaren Kompromiss, der dann in der nächsten Sitzung beraten werden soll.

Information

Die Gestaltungssatzung

Die Altstadt von Lügde umfasst die gesamte innerhalb der historischen Stadtmauern liegende Bebauung. Der Stadtgrundriss mir seiner Gestalt geht auf eine Plangründung des Grafen von Pyrmont aus dem Jahr 1246 zurück und ist bis heute weitgehend unverändert erhalten. Die Bebauung, die überwiegend nach dem Stadtbrand von 1797 entstand, ist in seiner ursprünglichen und durchgehend harmonischen Einheit noch voll zu erkennen. Allerdings haben Modernisierungen und Neubauten in der vergangenen Zeit das Stadtbild schon so massiv gestört, dass bereits 1986 eine Gestaltungssatzung erlassen wurde mit dem Ziel, das harmonische Ganze wieder herzustellen und zu erhalten.

In der 15 Paragrafen umfassenden Satzung ist neben Dachgestaltung, Werbeanlagen oder Einfriedungen auch festgeschrieben, dass die Erd- und Obergeschosse in Material und Farbe als Einheit zu behandeln sind und für die Außenhaut von Massivhäusern und Ausfachungen von Fachwerkhäusern Putz in traditioneller Weise zu verwenden ist. Platten, Klinker, Glasbausteine oder vortäuschende Bauelemente sind verboten.

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