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Angeklagte fehlen bei Gericht

Nach Angriff in Elbrinxen: Geldstrafen für „Reichsbürger“

ELBRINXEN / BLOMBERG. Eine tätliche Auseinandersetzung mit einem Gerichtsvollzieher und zwei Polizisten im August 2016 in Elbrinxen wird für zwei Männer aus Paderborn und Berlin teuer: Die beiden, die offenbar der „Reichsbürger“-Szene zuzurechnen sind, müssen zusammen 12 400 Euro Strafe zahlen.

veröffentlicht am 02.06.2017 um 21:27 Uhr

In diesem Elbrinxer Haus sollen der auswärtige Eigentümer und sein Begleiter einen Gerichtsvollzieher bedroht und zeitweilig festgesetzt haben. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Die Strafbefehle über 170 und 140 Tagessätze zu je 40 Euro erließ am Freitag Dirk Salzenberg, Direktor des Amtsgerichts Blomberg. Beim Verhandlungstermin am Morgen blieb die Anklagebank allerdings leer. Michael T. (43) und Sebastian T. (34) erschienen nicht vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft warf den Männern – einer von ihnen ist Eigentümer eines alten Fachwerkhauses in Elbrinxen – unter anderem Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung vor. Laut Anklage hatten die Angeklagten den Gerichtsvollzieher, der den Auftrag hatte, das Abklemmen des Stroms in dem Gebäude zu veranlassen, zwar zunächst hereingelassen. Drinnen sollen sie ihn dann jedoch mit einer Eisenstange bedroht und nicht mehr aus dem Haus gelassen haben.

Anlass für den Einsatz des Vollstreckungsbeamten: Für das Haus waren Stromrechnungen über 3000 Euro offen.

Der Behördenakt wäre vermutlich anders abgelaufen, wenn die um Amtshilfe gebetenen Polizeibeamten zeitgleich mit dem Gerichtsvollzieher eingetroffen wären. Doch sie sollen erst gekommen sein, als der schon im Haus war.

Vor der Tür gab dann wohl ein Wort das andere, böse Beschimpfungen gegen die Beamten inklusive. Letztlich soll der Streit zur Rangelei eskaliert sein, bei der laut Staatsanwaltschaft einer der Polizisten verletzt wurde. Schließlich überwältigen die Beamten den Angreifer.

Die Nachbarn bekamen von der Auseinandersetzung offenbar nichts mit. Viel Kontakt zu dem auswärtigen Hausbesitzer, der das Gebäude um 2010 herum gekauft haben soll, hatten sie dem Anschein nach nicht. „Er war freundlich, hat immer gegrüßt“, sagt jemand aus dem Umfeld. Der Paderborner halte sich nur sporadisch in Elbrinxen auf.

Als „ein bisschen verpeilt vielleicht“ beschreibt den Paderborner jemand anders. An dem sanierungsbedürftigen alten Fachwerkbau habe der Mann jedenfalls in den letzten Jahren nicht viel getan.

Zum Wohnen wurde das Haus offenbar kaum benutzt. Hinter den Fensterscheiben sind allerlei Sachen gestapelt. Das meiste davon sieht eher nach Bauschutt aus als nach Verwertbaren.

Weil die beiden Angeklagten am Freitag vor Gericht fehlten, entschied sich Richter Salzenberg nach einer guten Viertelstunde Wartezeit dafür, Strafbefehle gegen sie zu verhängen. Die Männer aus Paderborn und Berlin vorführen zu lassen, hätte die erschienenen Zeugen zu stundenlangem Warten genötigt. Neben dem Gerichtsvollzieher und den beiden Polizeibeamten waren auch der Monteur des Stromversorgers und ein Schlüsseldienst-Mitarbeiter geladen, die die Auseinandersetzung mitbekommen hatten.

Falls die Angeklagten ihre Geldstrafen bezahlen, hat sich der Fall vor Gericht erledigt. Falls nicht, wird ein neuer Termin angesetzt. Zu dieser Verhandlung werden die Männer vorgeführt. Dann dürfte auch bekannt werden, ob sie die krude Ideologie vom Fortbestand des Deutschen Reiches nur vorschieben, weil sie ihre Rechnungen nicht bezahlen können oder wollen.

Kommt es zu der Verhandlung, dann wird bei Gericht wohl mit ähnlich scharfen Sicherheitsvorkehrungen zu rechnen sein wie am Freitag. Da waren etwa zehn Polizeibeamte im Dienst – für den Fall, dass die Angeklagten erschienen wären und reichlich Unterstützung aus der Szene mitgebracht hätten.



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