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Lügder Landarzt schildert Jens Spahn seine Sicht auf den Ärztemangel

Mitten im Hausbesuch ruft der Minister an

LÜGDE. Normalerweise müssen Lobbyisten den Adressaten ihrer Botschaften immer auf den Fersen sein und sie umgarnen. Doch manchmal geht es auch ganz anders. Das ist ein Landarzt mitten im Hausbesuch, als sein Handy klingelt. Der Anrufer: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

veröffentlicht am 27.09.2018 um 22:54 Uhr

Dr. Bertel Berendes schilderte dem Bundesminister am Telefon seine Sorgen um die Zukunft der ärztlichen Versorgung auf dem Land.Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Erst vor wenigen Tagen sagte der als streitbarer Landarzt bundesweit bekannt gewordene Lügder Allgemeinmediziner Dr. Bertel Berendes im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich hätte in Dortmund mehr auf den Putz hausen müssen.“ In der Kammerversammlung der Ärztekammer Westfalen-Lippe, der er lange angehörte, setzten sich letztlich meist die Fachmediziner durch. Zum Schaden der Hausärzte. Seine frühzeitigen Warnungen vor dem Landärztemangel verhallten lange Zeit.

Zwar ist Berendes sicher, dass die geplante Einrichtung einer Medizin-Fakultät an der Uni Bielefeld, die Ärzte-Nachschub auch für die Provinz generieren soll, auch mit auf sein Konto geht. „Aber das ist ja zu spät“, sagt er. „Die künftigen Studenten dort sind doch erst in zwölf Jahren fertig.“

Am Dienstag bekam Dr. Berendes nun unverhofft Gelegenheit, seine Sicht zu schildern. Während eines Hausbesuchs klingelte plötzlich das Handy des 75-Jährigen Mediziners. Der Anrufer war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er habe gesagt: „Ich wollte mal ihre Meinung hören.“ Die Sorgen und Nöte, die ihn mit Blick auf die ärztliche Versorgung auf dem Land umtreiben, enthielt Berendes dem CDU-Politiker dann auch nicht vor. „Ich habe die ungleiche Verteilung der Honorare angesprochen“, berichtet der Landarzt. „In Westfalen-Lippe kriegen wir das Wenigste pro Patient. Hier lässt sich doch auch deshalb keiner nieder.“ Ein Tag im Krankenhaus koste pro Patient 400 Euro. „Dafür muss ein Landarzt 19 Hausbesuche machen“, rechnet Berendes vor. Die leidige Budgetierung der ärztlichen Leistungen sei ein weiteres Thema gewesen. „Ich kriege zum Beispiel 26 Prozent meiner Leistungen nicht bezahlt“, sagt Berendes – und ist sicher: Seinen Kollegen gehe es ähnlich.

Welche Folgen das kurze Telefonat mit Spahn hat, dem übrigens ein 20-minütiger Anruf des amtierenden NRW-Gesundheitsministers Karl-Josef Laumann (CDU) vorausgegangen war, wird sich zeigen.

Berendes Eindruck der bisherigen Politik: „Der Bevölkerung wird immer bessere Gesundheit versprochen. Aber die Realität sieht ganz anders aus.“



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