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Wie der Elbrinxer Radiojournalist Oliver Jürgens seinen Aufenthalt im Trainingscamp in Hurgharda erlebt hat

Mit den Missen in Ägypten – ein sehr spezieller Trip

Elbrinxen. Erst haben manche im Dorf seine Frau noch hochgenommen mit Sprüchen wie „Dein Mann hat’s gut, der kann jetzt mit lauter schönen Frauen in der Sonne sein.“ Doch mit den zunehmend dramatischen Nachrichten von den Protesten in Kairo mischte sich zunehmend Sorge in die Fragen der Elbrinxer nach Oliver Jürgens. „Viele im Ort wussten ja, dass ich aus dem Miss-Germany-Camp in Ägypten berichten wollte“, sagt der freie Radiojournalist. Doch jetzt hat das Bangen ein Ende: Jürgens ist gestern Abend wohlbehalten zu Hause angekommen.

veröffentlicht am 04.02.2011 um 22:01 Uhr
aktualisiert am 29.05.2017 um 17:24 Uhr

Wohlbehalten wieder in Deutschland: Radiojournalist Oliver Jürgens und „seine“ norddeutschen Misswahl-Kandidatinnen.
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Dass die 24 deutschen Misswahl-Kandidatinnen mitsamt ihrem Tross aus Stylisten, Visagisten und Tanzlehrer Joachim Llambi sowie den mitgereisten Journalisten zwei Tage vor dem offiziellen Ende ihres Camps nach Deutschland geflogen wurden, findet der 37-Jährige „nicht so ganz schlecht“, wie er es vorsichtig formuliert. Denn Jürgens hat in Gesprächen mit Ägyptern den Eindruck gewonnen, „dass man noch gar nicht weiß, wie es dort weitergeht“.

Einer seiner Gewährsmänner war der Sicherheitschef des Hotels, der Verwandte in Kairo hat. „Er wollte keine Prognose wagen“, erzählt Jürgens. Aber der Mann sei sicher: „Die Ägypter wollen ein demokratisches Land, und die Anhänger der Muslim-Bruderschaften sind eine kleine Minderheit. Wenn die das Zepter in die Hand nähmen, dann wäre nichts mehr mit Tourismus in Ägypten.“

Im „Aldiana Makadi Bay“-Hotel in Hurghada war von den Unruhen in der 500 Kilometer entfernten Hauptstadt nichts zu spüren. „Aber wir haben die Bilder im Fernsehen gesehen und hatten Sorge“, gesteht Jürgens, der sich wunderte, das sich das Auswärtige Amt mit Reisewarnungen so lange zurückhielt.

Seine persönliche Horrorphantasie: „Was ist, wenn sich 20 aus dem Kairoer Gefängnis befreite Häftlinge Gewehre beschaffen und im Lkw dorthin fahren, wo Geld zu holen ist?“ Der Hotelpförtner in seinem Häuschen am Ressort-Eingang hätte sie bestimmt nicht bremsen können…. Zugleich aber machten seine Gespräche mit Hotelangestellten dem Journalisten klar: „Touristen stehen nicht im Fokus.“

Belastet hat ihn in Ägypten und erst recht seine mit den vier Kindern daheimgebliebene Frau Sandra vor allem, „dass man überhaupt nicht kommunizieren konnte“, weil Ägyptens Regierung bekanntlich tagelang sowohl die Internet- als auch Mobilfunkverbindungen unterbrach. „Für 200 Euro habe ich allein aus dem Hotelzimmer telefoniert“, erzählt Jürgens, der stets versuchte, seine Frau am anderen Ende des Hörers zu beruhigen. Denn er wusste: „Durch die Fernsehbilder entsteht ein Bild für ein ganzes Land, das nicht die ganze Realität widergibt.“ Friedlich sonnenbadende Touristen in Hurghada zeige nun natürlich niemand. Aber selbst in bangen Momenten sagte sich Jürgens stets: „Wer Familie in Kairo hat oder dort lebt, ist viel ärmer dran als wir.“

In die Hauptstadt wollte er – bei aller journalistischen Neugier – denn auch auf keinen Fall. „Es hätte passieren können, dass der Sender sagt: Wenn Du schon da bist, dann fahr’ doch nach Kairo.“ Solch ein Trip wäre für Jürgens aber nicht infrage gekommen. „Wenn man allein ist, geht das. Aber nicht mit Frau und vier Kindern.“ Aus Sicherheitsgründen durfte ohnehin niemand aus der 60-köpfigen Gruppe das Hotelgelände verlassen. Auch ein Fotoshooting am Strand und ein Quad-Ausflug fielen deshalb flach.

Dass seine Berichte unter dem Einfluss der Proteste ganz anders gerieten als geplant, stört ihn im Nachhinein indes wenig. „Für meine Auftraggeber NDR, WDR und den Saarländischen Rundfunk sollte ich die Kandidatinnen bei ihrem Training begleiten, interviewen und täglich senden.“ Die ersten Berichte machte er zwar fertig. Doch schicken konnte er sie nicht. Stattdessen berichtete er am Telefon über die Situation in Hurghada, interviewte den Hotelchef und befragte die Missen nach ihrem Befinden. „Das war viel spannender.“

Dass es ihn allzu bald wieder nach Ägypten ziehen könnte, bezweifelt Jürgens allerdings. „Das steht bei mir wohl unter keinem gutem Stern“, sagt er. „Für September 2001 hatten wir unsere Hochzeitsreise dorthin geplant und haben sie nach dem 9.11. abgesagt. Zehn Jahre später kommt man dann in diese Situation….“ Gleichwohl sei Ägypten ein schönes Land. Aber Jürgens gesteht: „Das ist nicht unbedingt meine Art Urlaub. In Grömitz fühle ich mich wohler.“

Für die Ägypter wünscht er sich nun, „dass sich ihr Leben schnell beruhigt und sie stolz sein können auf ihre Revolution.“ Denn es hat ihn beeindruckt zu hören, wie die Menschen sich in der Krise organisiert haben. „Nach den Demos haben die Leute nachts ihre Barrikaden beiseitegeschafft und die Stadt aufgeräumt“, erfuhr er. „Und weil die Banken tagelang geschlossen blieben, haben die, die noch Bargeld hatten, den anderen welches geliehen.“

Enger zusammengerückt ist übrigens auch das Team im Missen-Camp. „Wenn die Mädchen einen mit Fragen bestürmen, wird man als Journalist plötzlich zum Experten und Betreuer. Denn man will sie beruhigen.“ Vor allem zu den mitgereisten Kollegen vom ZDF sowie einigen Fotografen seien richtige Freundschaften entstanden, erzählt der Oliver Jürgens und ist sicher: „Wir halten Kontakt.“



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