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Inklusion an Lügdes Schulen – so sehen es die Rektoren

Mehr Rücksicht, aber auch ein paar Probleme

Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung soll – wo immer es geht – die Regel sein. In Lügde gibt es zwei „Schulen des gemeinsamen Lernens“: die Kernstadt-Grundschule und die Johannes-Gigas-Sekundarschule. Aber auch Rischenaus Grundschule besucht ein Kind mit Handicap.

veröffentlicht am 19.04.2016 um 17:12 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:27 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Lügde. Dass die Inklusion ein Menschenrecht ist, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. Denn die Verabschiedung des Inklusionsgesetzes durch den Bundestag ist jetzt sieben Jahre her. Wer wollte da heute noch Kinder mit Handicap ausgrenzen?!

Seit einem Jahr haben nun auch behinderte Mädchen und Jungen in Nordrhein-Westfalen einen Rechtsanspruch auf den Besuch einer allgemeinen Schule. Immer mehr Eltern schicken ihren Nachwuchs nun nicht mehr auf Förderschulen, sondern auf „Schulen des gemeinsamen Lernens“. In Lügde sind das die St.-Marien-Grundschule in der Kernstadt und die Johannes-Gigas-Sekundarschule.

Doch wie funktioniert Inklusion vor Ort? Vor allem dann, wenn die Ausstattung der Regelschulen noch längst nicht mustergültig ist? Entweder, weil es an Fach-Lehrkräften, zusätzlicher Ausstattung oder gleich an beidem fehlt? „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es da das eine oder andere Problem gibt“, sagt Anneli Runte. Dabei spielt Lügdes Grundschulleiterin vor allem auf Kinder an, die im emotional-sozialen Bereich mehr Förderung brauchen als andere Schüler. Wenn eine Lehrerin diese Kinder in einer relativ großen Klasse individuell fördern wolle, ohne die anderen zu vernachlässigen, sei das nicht so einfach, sagt die Rektorin.

Was sie andeutet, sagen andere deutlicher: So schlugen die Lehrerverbände und der Städte- und Gemeindebund (StGB) in Nordrhein-Westfalen schon vor Monaten Alarm. StGB-Geschäftsführer Bernd Jürgen Schneider zufolge fehlen für einen „qualitätsvollen“ gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern die personellen und finanziellen Rahmenbedingungen. Und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sah den Erfolg der Inklusion dadurch gefährdet.

Derzeit besuchen vier besonders förderungsbedürftige Kinder die Lügder Grundschule. Eines von ihnen ist körperbehindert. Es sitzt mit einer eigenen Schulbegleiterin in der Klasse. Ein anderes Kind hat vor allem Probleme mit der Sprache. Die Übrigen haben emotional-soziale Defizite. „Derzeit teilen wir uns eine Förderschul-Kraft mit Scheider“, berichtete Anneli Runte jetzt den Politikern im Lügder Kita- und Schulausschuss. Die Kollegin begleite verstärkt die ersten Schuljahre – vor allem durch die Beratung und Unterstützung der Klassenlehrer.

Da die Sonderpädagogin im Sommer ganz nach Schieder wechselt, sucht das Kreis-Schulamt nun nach einer neuen Kraft. „Wenn die nicht am ersten Tag nach den Ferien da ist, bekommen wir Gänsehaut“, sagt Runte. Weil im Sommer 60 Schulanfänger in Lügde dazukämen, „brauchen wir eine volle Stelle.“

Rischenaus Grundschule ist zwar barrierefrei. „Gemeinsames Lernen“ findet hier jedoch nicht statt. Inoffiziell aber schon: Ein körperbehinderter Junge samt Begleitung besucht die Schule. In den Augen von Rektorin Barbara Gutenbeil profitieren alle davon. „Auch die anderen Kinder nehmen mehr Rücksicht“, sagt sie. „Wir sind mit der Herausforderung gewachsen.“

Über den Unterricht mit einem Dutzend Inklusionskinder auf dem Ramberg sagt Gigas-Schulleiter Uwe Tillmanns: „Im Großen und Ganzen funktioniert das.“ Im nächsten Schuljahr kämen sechs weitere I-Kinder dazu. Derzeit unterrichte am Ramberg eine Förderlehrerin aus Blomberg 22 Stunden. Zum neuen Schuljahr kommt, nach Schließung der Förderschule in Steinheim, noch eine volle Stelle dazu.

Der Trend zur Regelschule, durch den immer mehr Förderschulen vor dem Aus stehen, scheint sich indes abzuschwächen. So sagt Inklusions-Fachberaterin Karin Metzmacher vom Kreis Lippe: „Inzwischen wollen viele Eltern ihre Kinder wieder zur Förderschule schicken.“ Die verbliebenen Schulen in Blomberg, Detmold und Lage stünden „sehr stabil“ da.



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