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Sanierung am Lügder Schildweg hat begonnen

Marode Gabionen-Stützmauer: Wo Steinkäfige Spritzen kriegen

LÜGDE. Seit ein paar Jahren sind sie auch in der Provinz schwer in Mode: die „Gabionen“ genannten Steinkäfige. Mittlerweile pflanzen selbst Privatleute die mit steingefüllten Drahtkörbe in ihre Gärten. Dorthin, wo früher Büsche wuchsen. Denn, klar: Steht so eine Gabionenmauer erst einmal, kann die Heckenschere liegenbleiben. Pflegeleichtigkeit geht vor Natur.

veröffentlicht am 06.08.2018 um 22:51 Uhr

Paul Panzer injiziert das Harz ins Innere der zuvor gewässerten Wand. Dort schäumt die Masse auf und verfestigt die Füllung. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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An Lügdes Schildweg war der Kreis Lippe mit der etwa 100 Meter langen doppelseitigen Stützmauer der Autounterführung neben dem Bahnhof ganz früh dran. Im Oktober 2005 wurde die Straße freigegeben. Und knapp 13 Jahre später muss die Drahtkäfigmauer auch schon wieder saniert werden. Ein Teil der großen Steine bröselt weg. Streusalz, Kälte und Sonnenbrand – das ist zu viel für sie.

Dass die damals als große Front-Stücke in die Körbe gelegten Korallenoolith-Bruchsteine ungeeignet sind, wissen Fachleute schon seit Jahren. Bereits 2012 hatten Experten der Hochschule OWL den in Lügde verwendeten „Salzhemmendorfer Dolomit“ unter die Lupe genommen. Als bei näherem Hinsehen auffiel, dass immer mehr Steine zerbröselten, nahmen sie Bohrkerne, legten sie in Salzwasser, froren das Ganze ein und tauten es wieder auf. 16 Mal hintereinander. Am Ende stand die erschreckende Erkenntnis: Einige Steinproben hatten sich komplett zersetzt. Ein schlechtes Omen für eine Stützmauer, die nicht irgendwann zusammenkrachen soll.

Laut Kreisverwaltung fallen die auf etwa 400 000 Euro geschätzten Sanierungskosten noch unter die Gewährleistung, da der Mangel rechtzeitig angezeigt worden sei.

Nach der Abnahme der Baustelleneinrichtung erklärt Jörg Uhlemann dem Polizei-Bezirksbeamten Uwe Büker (v.li., in Vertretung für Reinhold Hartmann), Ordnungsamtsleiter Manfred Engel, Melanie Obenhausen vom Kreis Lippe und dem Mitarbeiter des Verkehrst
  • Nach der Abnahme der Baustelleneinrichtung erklärt Jörg Uhlemann dem Polizei-Bezirksbeamten Uwe Büker (v.li., in Vertretung für Reinhold Hartmann), Ordnungsamtsleiter Manfred Engel, Melanie Obenhausen vom Kreis Lippe und dem Mitarbeiter des Verkehrstechnik-Unternehmens B.A.S., wie das Innere der Gabionen verfestigt wird. Foto: jl
Manche Steine sich bereits komplett zerbröselt – keine Gute Basis für eine mehrere Meter hohe Stützmauer. Foto: jl
  • Manche Steine sich bereits komplett zerbröselt – keine Gute Basis für eine mehrere Meter hohe Stützmauer. Foto: jl

Die Unternehmen, die die untauglichen Steine damals geliefert und eingebaut haben, dürften allerdings kaum noch zu belangen sein. Der Steinbruch, aus dem der Salzhemmendorfer Dolomit stammte, ist geschlossen. Und das für den Einbau der Körbe verantwortliche Subunternehmen existiert auch nicht mehr.

„Die Steine für Gabionenwände stammen in der Regel aus der Region“, erklärt Jörg Uhlemann, Inhaber einer Fachfirma für Freiraumgestaltung im sächsischen Dorfhain. „Die Wände stehen und fallen also mit den Ressourcen vor Ort.“ In Lügde wird Uhlemann die grauen Front-Steine der beiden unteren Korbreihen nun gegen Weser-Bundsandstein aus Bad Karlshafen austauschen. Die oberen Reihen indes tastet er nicht an, denn sie haben keine Berührung mit Streusalz. Gegen den Sonnenbrand bekommen sie nur zusätzliche etwa 20 Zentimeter flache Körbe davor.

Doch wie funktioniert der Steinaustausch in den unteren Körben, wo doch hinter den großen Frontsteinen ganz viele kleine Steine die Behälter füllen? An dieser Stelle kommt Paul Panzer mit seiner gleichnamigen Firma ins Spiel. Und was er macht, sieht für Laien auf den ersten Blick ein bisschen nach Voodoo aus: Zuerst spickt er die Wand mit Injektionsleitungen. Nachdem er dann das Innere der Wand anschließend gewässert hat, spritzt er gezielt ein spezielles Injektionsharz hinterher. Trifft das aufs Wasser, dann schäumt es auf und verdichtet das Innere der Gabionenfüllung, hinter den großen Frontbrocken. So werden viele kleine lose Steine zu einer verklebten Masse. Und die großen Steine in der ersten Reihe lassen sich austauschen, ohne dass die kleinen Brocken nach vorn rutschen oder das Konstrukt in sich zusammenkracht.

Jörg Uhlemann hat reichlich Erfahrung mit Gabionenwänden. Seit Jahren baut er selber welche. Und er erledigt pro Jahr auch einige Sanierungen. Mit Blick auf die Lügder Baustelle sagt er: „Ich bin froh, dass uns sowas bislang nicht widerfahren ist.“



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