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Was die offene Jugendarbeit in der Kernstadt leistet

„Manche wissen nach der Schule nicht, wohin“

Lügde. Wer Justo Uceda zuhört, merkt: Nicht alle Kinder, die in Lügde aufwachsen, leben in einer heilen Welt. Geborgenheit in einem liebenden Elternhaus ist keineswegs selbstverständlich. „Manche Kinder wissen nach der Schule nicht wohin“, erklärt der Sozialpädagoge. Für sie sei das „Loc@lmotion“ wie ein Wohnzimmer. In dem Räumen des Jugendzentrums an der Bahnhofstraße können sie kickern, Tischtennis, Billard oder Gesellschaftsspiele spielen, klönen, am Computer sitzen oder einfach nur entspannen.

veröffentlicht am 08.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:19 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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„Es kommen viele, die wollen eigentlich gar nichts. Die wollen nur chillen“, glaubt Uceda. Und so entwickeln er und seine junge Kollegin Franziska Berghan mit den jungen Besuchern Angebote, die ihnen sowohl Spaß machen als auch ihre Entwicklung fördern sollen. Dazu zählen neben Basteln auch Partys, gelegendliche Band-Konzerte, Ausflüge und natürlich: Fußball. „Das zieht“, sagt Uceda. Denn die jungen Kicker erhielten Anerkennung, was wiederum ihre Integration fördere. Zu den großen Events zähle der jährliche OWL-Cup in Barntrup. „Da sind unsere Kinder seit Jahren Sieger.“ Natürlich versuche man ihnen auch das Kicken in den Lügder Sportvereinen schmackhaft zu machen. „Aber das ist nicht für jeden etwas.“

Warum das gemeinsame Kochen den Kindern gefällt: „Ich glaube, das manche zu Hause nicht richtig versorgt werden, keine vernünftige Mahlzeit kriegen“, vermutet Uceda. Denn es habe durchaus schon Kinder gegeben, die seit dem Mittag vor der Tür gewartet hätten. Das Jugendzentrum öffnet aber erst um 15 Uhr. Seine Beobachtung: „Das Problem nimmt zu.“

Klaus Lükermann, der beim Kreis Lippe die Sozialen Diensten verantwortet, erklärt sich das so: „Erwachsene ohne Tagesstruktur könnten die ihren Kindern auch nicht beibringen.“ Insofern sei die Arbeit des Jugendzentrums auch ein Teil des Frühwarnsystems für beginnende Missstände.

Aber natürlich steht nicht hinter jedem Kind, das ins Loc@lmotion kommt, eine Problemfamilie. Manche fühlen sich hier auch einfach wohl, weil sie ihre Freizeit mit Gleichaltrigen verbringen können. Und die schon mehrfach angebotene Bau-Aktion „Woodstock“ ist laut Uceda ein absoluter Renner – auch bei Kindern, die nicht zu den Stammgästen im Loc@lmotion zählen.

Und jetzt, wo es draußen wieder zunehmend ungemütlich wird und der Emmerauenpark als Treffpunkt langsam ausscheidet, füllt sich das Loc@lmotion automatisch. 25 bis 30 Heranwachsende halten sich hier täglich auf. „Dabei sind die Jungs absolut in der Mehrzahl“, sagt Uceda. Das Gros der Besucher ist zwischen 12 und 17 Jahre alt; hier liegt der Mädchen-Anteil bei etwa 15 Prozent. In den Altersgruppen darunter und darüber ist er noch niedriger.

Was die offene Jugendarbeit ausmacht, erklärte der Fachmann, der auch die Sozialarbeit an der Johannes-Gigas-Schule verantwortet, jetzt den Politikern im Lügder Jugend- und Sozialausschuss: „Alles ist freiwillig.“ Jeder werde akzeptiert, so wie er sei. Und: „Bei uns wird Deutsch gesprochen. Denn es ist ganz wichtig, dass die Kinder das lernen“, betont Uceda mit Blick auf die Herkunft eines Teils der Kinder aus Einwandererfamilien. „Wenn einer zu mir kommt und sagt: ,Gib mal Billard’, dann wird das nichts“, erzählt Uceda aus der Praxis. „Bei uns geht das nur mit Bitte und Danke.“

An alle gerichtet, die in Lügde vielleicht mit dem für die Heranwachsenden betriebenen Aufwand und dessen Kosten hadern mögen, betonte Klaus Lükermann vom Kreis Lippe in der Ausschussitzung: „Die Stadt Lügde kann sich glücklich schätzen, dass sie das Westfälische Kinderdorf hat. So einen kompetenten Träger werden Sie nie wieder finden.“ Die auf Vereinsbasis betriebene Einrichtung betreibt das Jugendzentrum im Auftrag der Stadt.

Übrigens: In den Herbstferien bietet das Loc@lmotion-Team allen Kindern bis 12 Jahre Ferienspiele an. Heute um 10 Uhr startet etwa ein Kino-Tag, und am Donnerstag von 10 bis 16 Uhr werden Drachen gebastelt, die die Kinder am Freitag ab 10 Uhr steigen lassen.

Die Bau-Aktion „Woodstock“ gehört zu den absoluten Rennern der offenen Jugendarbeit in der Kernstadt. Über deren Angebote und Absichten berichtete Sozialarbeiter Justo Uceda jetzt im Lügder Rathaus.

Archiv/wlg



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