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Das Ambiente zählt - auch bei der Trauung

Lügdes SPD will Standesbeamte ausschwärmen lassen

LÜGDE. Die Atmosphäre im Trauzimmer des Lügder Rathauses hat nach der Sanierung zwar gewonnen. Aber die SPD-Fraktion wünscht sich Alternativ-Orte für die Zeremonie.

veröffentlicht am 20.07.2018 um 22:02 Uhr

Sandra Lödige im Trauzimmer des Lügder Rathauses. Nicht auszuschließen, dass die standesamtliche Zeremonie in Zukunft auch an anderen Orten in Lügde möglich wird. Die SPD-Fraktion hat das beantragt. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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LÜGDE. Dieser Raum ist schon ein bisschen anders als die anderen im Lügder Rathaus: Statt Schreibtischen und Aktenschränken prägen im sparsam möblierten Trauzimmer ein massiver Holztisch, die passenden Stühle und ein paar Bänke das Bild. Schmucklos ist der Raum aber nicht. Jemand hat versucht, die Leere der Fensterbänke mit ein paar Nippes zu füllen. Und wer hier dem Standesbeamten Michael Hahn oder seiner Vertreterin Sandra Lödige gegenübersitzt, um seine Eheschließung amtlich besiegeln zu lassen, der kann an der Stirnwand des weiß gestrichenen Raums außerdem auf ein Deko-Foto von ein paar Trauringen blicken.

Ungleich reizvoller ist der Blick aus dem Fenster – sofern die Hochzeiter Augen dafür haben: Die neugotische Fassade von St. Marien bildet auf ganzer Front die Kulisse. Im Sonnenschein sieht der nahe Sakralbau fast unwirklich aus.

Mit zunehmender eigener Kirchenferne geben allerdings immer mehr Paare für ihre standesamtliche Trauung einer spektakuläreren Location den Vorzug vor dem neutral gediegenen Rathaus-Ambiente. Auch Lügder lassen sich zunehmend im Pyrmonter Schloss oder an anderen prunkvollen Orten trauen.

Deshalb dachte man sich im Frühjahr bei der SPD, Lügdes Stadtverwaltung solle künftig „weitere Formen von ,Ambiente-Trauungen‘“ anbieten. So steht es in einem Antrag, den Co-Fraktionschef Torben Blome für die Sozialdemokraten eingereicht hat. Als mögliche Trau-Orte zählt er zum Beispiel das Kloster auf, in das die standesamtlichen Trauungen schon während der Rathaussanierung ausgewichen waren, aber auch die Köterberg-spitze und das Kloster Falkenhagen. Ermöglicht werden sollte die Zeremonie nach seiner Auffassung zudem in Privaträumen. Begründet wird der Wunsch nach einer größeren Auswahl der Locations mit dem rückläufigen Trend kirchlicher Trauungen, in dessen Folge der standesamtliche Akt den Menschen immer wichtiger wird. Zudem findet Blome: Generell sollten Trauungen auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten der Verwaltung möglich sein. Dafür könnten dann höhere Gebühren berechnet werden.

Entschieden haben die Politiker über das Thema noch nicht. Als es am Rande der letzten Hauptausschusssitzung zur Sprache kam, gab sich Bürgermeister Heinz Reker aber durchaus aufgeschlossen, als er mutmaßte, eine Trauung „würde man heute vielleicht auch im Emmerauenpark hinkriegen“. Ein paar Hochzeiter hatten davon schon vor Jahren geträumt. Vergeblich.

Doch die Zeiten haben sich geändert. Republikweit geben immer mehr Städte auch ungewöhnliche Locations als Trauorte frei. Und warum sollte unter einem Baldachin am Lügder Stand nicht möglich sein, was andernorts in Deutschland schon in diversen Parks funktioniert?! Und: Dass der Emmerstrand einen würdigen Taufplatz abgibt, beweist Lügdes evangelischer Pfarrer Holger Nolte-Guenther seit vielen Jahren regelmäßig.

„Warum nicht?“, sagt auch Sandra Lödige, die im Lügder Rathaus gerade ihren urlaubenden Kollegen vertritt. Vor knapp 20 Jahren war sie bis zum Wechsel in ein anderes Fachgebiet schon einmal für eine Weile Standesbeamtin, und seit gut einem Jahr traut sie wieder Paare. „Es macht Spaß“, sagt die freundliche 43-Jährige. „Man kann was Nettes machen, und die Leute sind glücklich.“ Das sei eine angenehme Abwechslung im Arbeitsalltag des Ordnungsamtes. Dort kümmert sie sich sonst unter anderem um das Friedhofswesen.

Die zunehmende Bedeutung standesamtlicher Trauungen bestätigt sie: „Für die meisten ist es ein besonderes Erlebnis.“ Bei den Kirchenfernen verschöben sich auch die Termine. „Heute ist es eher außerhalb der Rathaus-Öffnungszeiten“, sagt die Standesbeamtin. Also am Freitagnachmittag oder Samstagvormittag. „Früher war es mittwochs, dann folgten der Polterabend und die Trauung in der Kirche.“

Der geistliche Segen mag manchen Paaren verzichtbar scheinen – nicht aber das klassische Brautkleid. So passiert es hin und wieder durchaus, dass eine Braut in weißer Robe durchs Rathaus rauscht.

Die Infos zur standesamtlichen Trauung in Lügde gibt es im internet unter luegde.de.



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