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Aktionskreises besteht seit 20 Jahren – das Bad seit 50 Jahren

Lügder Freibad feiert doppelten Geburtstag

LÜGDE. Wasser ist bei einem Freibadfest eigentlich gern gesehen. Es kommt nur darauf an, ob man es als Badegelegenheit genießen oder als Regenschauer erdulden muss. Letzteres war zwar am Wochenende in Lüge immer wieder mal der Fall, aber ins Wasser gefallen ist das 50-jährige Jubiläum des Freibades Lügde und die integrierte Feier zum 20-jährigen Bestehen des Aktionskreises Lügder Freibad (ALF) dann trotzdem nicht.

veröffentlicht am 20.08.2017 um 16:57 Uhr
aktualisiert am 21.08.2017 um 08:45 Uhr

Elf Meerjungfrauen tauchten im Lügder Schwimmbecken auf und wieder unter – dieses spezielle Schwimmen mit einer Schwimmflosse trainieren sie wöchentlich immer freitags in der Pyrmonter Welle. Foto: Afk

Autor:

Dieter Kögel
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Bei eher herbstlich anmutender Witterung fristete jedoch das von den Organisatoren erhoffte Sommer-Urlaubsfeeling eher ein Schattendasein. Statt Bikini und Badehose beherrschten Pullover und Regenjacken die Szenerie. Dennoch wurde stimmungsvoll gefeiert.

Seit Donnerstag stand bereits das Festzelt auf dem Freigelände des Schwimmbades – zum Glück, denn hier spielten sich dann auch entgegen allen Hoffnungen und Wünschen die meisten Aktivitäten ab, angefangen vom Auftritt des Zauberers Nabil, den Lügde Marketing unter Verzicht auf eine angestammte Vorstellung von „Sonntags im Park“ spontan dem ALF unter dem Motto „Samstags im Bad“ zur Verfügung stellte. Der Braunschweiger Nabil Marzougui stieß dabei auf ein fasziniertes Publikum jüngster Zauberfans, die bei seinen Mitmachaktionen Einblicke in die Geheimnisse der Zauberei bekamen. Abends wurde dann bei einer Beach-Party im Zelt zu den Hits der letzten Jahrzehnte ordentlich gefeiert.

Nach einem ökumenischen Gottesdienst mit Pastor Holger Nolte-Guenther und Gemeindereferentin Claudia Henke war es in der Feierstunde am Sonntag dann zunächst am stellvertretenden Bürgermeister Achim Krause die Geschichte des organisierten Badewesens in Lügde zu beleuchten. Dabei spielte vor allem die Emmer eine zentrale Rolle, denn in dem Fluss lernten Generationen von Lügder Jugendlichen das Schwimmen. Angefangen von zwei sittsam nach Geschlechtern getrennten offiziellen Badeanstalten an der Schwarzen Brücke und hinter Schwering&Hasse bis zum Bereich außerhalb dieser offiziellen Stellen zwischen der Schwarzen Brücke und dem früheren Waschplatz an der Bleiche an der Emmerbrücke suchte die Bevölkerung Abkühlung. Als Behelfssprungturm diente dabei ein Brückenpfeiler, von dem aus sich die Mutigen in die aufgestauten Emmerfluten stürzten. Trotz wachsenden Drucks – die Stadt Lügde hatte nach dem Krieg ganz andere Probleme als eine neue Badeanstalt zu bauen. 1964 aber schlossen die alten Badeanstalten und Ersatz musste her. Am Brunnenweg fand sich ein geeigneter Standort und 1965 gab der Rat grünes Licht für einen 1,6 Miollionen DM teuren Neubau, der am 29. Juni 1967 eingeweiht wurde.

Als Erinnerung an das Doppeljubiläum überreichten Maik Paskarbeit (li.) und Marco Talllig (re.) von der Lügder Feuerwehr dem ALF-Vorsitzenden Bernd Krüger einen Wandschmuck für die Kantine. Foto: afk

Allerding erwies sich die Freizeitanlage sehr schnell als defizitär mit steigender Tendenz. Die Stadt musste Einsparungen vornehmen, die jedoch nicht ohne negative Folgen blieben. Das Schwimmbad verlor an Attraktivität und damit auch Badegäste. Immer häufiger wurde der Ruf auch in der Politik nach Schließung des Bades laut, als der Zuschussbedarf auf jährlich 300 000 DM anwuchs und die Einnahme aus Eintrittsgeldern lediglich 30 000 DM ausmachten. 1996 zog der Rat dann die Reißleine und beschloss zum Erhalt der Einrichtung die Gründung von Fördervereinen in Lügde und für das ebenfalls städtische Freibad Elbrinxen. Bürgermeister Hermann Spieß setzte sich damals an die Spitze der Bewegung. In der Kernstadt entstand 1997 der Aktionskreis „ALF“. Seither hat sich manches positiv entwickelt. Zum einen halbierte sich der Zuschussbedarf, zum anderen sorgte der unermüdliche ehrenamtliche Einsatz der ALF-Mitglieder, unterstützt unter anderem durch die Jugendfeuerwehr, für vorzeigenswerte Rahmenbedingungen mit gepflegten Rasenflächen, Wegen und Geräten. Und die Bevölkerung nahm das Bad wieder an. Mit der Kantine erwirtschaftet der ALF einen jährlichen Überschuss, den er an die Stadt für Investitionen weitergibt. „Ohne die Ehrenamtler und die Unterstützung anderer Vereine wäre das nicht möglich gewesen“, lobte Krause und fügte mit Blick auf die zahlreichen Schließungen von Schwimmbädern in Deutschland hinzu: „Der Trend zu Bürgerbädern ist überall erkennbar. Lügde ist diesem Trend bereits 20 Jahre voraus. Das Schwimmbad ist wichtiger Bestandteil der Daseinsvorsorge. Das sehen auch Rat und Verwaltung so.“

Stadtdirektor a. D. Dieter Will erinnerte aus seiner Amtszeit an zwei Zeitgeister namens Sparzwang und Schuldenabbau, die ihn bis in seine Amtsstube hinein verfolgten. Bildreich und humorig ging er auf die Bildung des ALF ein und erinnerte daran, dass 50 Jahre lang Räte sich immer für den Erhalt des Freibades eingesetzt haben, und hoffte, dass das in Zukunft so bleiben möge.



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