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Konzentrationszonen schrumpfen

Lügde: Nur noch halb so viele Windräder im Plan?

LÜGDE. Es ist schon ein paar Jahr her, dass die Lügder Politiker beschlossen, Konzentrationszonen für den Neubau von Windenergieanlagen auszuweisen. Doch dann wurde es still um den Plan. Bald sollen die Bürger jedoch erfahren, was drinsteht.

veröffentlicht am 08.06.2017 um 20:49 Uhr

Wieviele Windenergieanlagen kann Lügde vertragen? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus. Aber derzeit scheint es, als seien die möglichen Konzentrationszonen merklich geschrumpft. Foto: kf
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Windenergieanlagen sind Goldgruben, selbst wenn sie nicht mehr ganz so viel Geld bringen, weil die Bundesnetzagentur die Vergütung des erzeugten Stroms um ein paar Prozentpunkte senkt.

Deshalb wird die Zahl der Anlagen weiter zunehmen – auch auf Lügder Gebiet, wo sich bisher 13 Propeller drehen. Beim Kreis Lippe liegen längst diverse Anträge für die fast 89 Quadratkilometer der Großgemeinde vor. Damit die Stadt Lügde hier zumindest einen Rahmen vorgeben kann, will sie bekanntlich „Konzentrationszonen“ ausweisen. Das heißt dann: In diesen fest umrissenen Arealen dürfen dann neue Windräder gebaut werden, außerhalb aber nicht. Der Hintergrund: Einschränkungen haben offenbar nur in dieser Form vor Gericht Bestand gegen potenziell klagefreudige „Windmüller“.

Doch was ist aus dem Plan für die Lügder Konzentrationszonen geworden, der seit inzwischen fast drei Jahren in Arbeit ist? „Wir sind kurz vor dem Abschluss“, sagt Noch-Bauamtsleiter Jens Bossen. Seine Lügder Zeit steht zwar unmittelbar vor dem Ende (wir berichteten). Aber er geht davon aus, „dass wir es innerhalb der nächsten eineinhalb Monate schaffen könnten, die Gebietskulisse in die Offenlage zu geben.“ Das heißt: Dann werden die Lügder erfahren, wo überall sich die Stadt und die von ihr mit dem Zonen-Plan beauftragten Planer künftig weitere Windräder vorstellen können.

Laut Gregor Günnewich aus dem Bauamt liegen derzeit 14 Neuanlagen-Anträge beim Kreis Lippe vor. Das sind immerhin deutlich weniger als die 30 Anfragen, die es zwischenzeitlich gab.

Dass die Arbeiten am Plan sich ziehen, hat unterschiedliche Ursachen. Vor allem erforderten neue Vorgaben, aber auch Gerichtsurteile ein mehrfaches Überarbeiten. Hinzu kamen massive artenschutzrechtliche Bedenken aus der lippischen Kreisverwaltung in Detmold. „Überall sind nahezu flächendeckend Rotmilane, aber auch Schwarzstörche und Uhu unterwegs“, deutet Jens Bossen die Einwände der Fachleute an, die vorher offenbar niemand auf dem Schirm hatte. „Zwischendurch waren wir schonmal in Kulisse Null“, sagt der Bauamtschef. Mittlerweile seien die im Zuge der bei Planänderungen verpflichtenden Anhörung der „Träger öffentlicher Belange“ vorgebrachten artenschutzrechtlichen Bedenken jedoch bearbeitet. Und nun hoffe man im Rathaus, dass die nun mit der Planung beauftragten Landschaftsarchitekten von „Kortemeier Brokmann“ aus Herford die Daten und Erkenntnisse „einigermaßen zügig so detailscharf abbilden, dass sich sagen lässt, wo es geht“, so Bossen weiter. Beliebig viel Zeit bleibt für den Plan auch nicht. Bis November 2017 muss er stehen. Denn dann läuft die zweite Rückstellungsfrist für zwei bereits 2015 gestellte Bauanträge für Windräder bei Wörderfeld aus.

Spannend ist auch die Frage, ob die noch vor rund zwei Jahren ins Auge gefassten Abstände künftiger Lügder Anlagen zu Wohnsiedlungen und Einzelhäusern Bestand behalten. Denn die waren von den „Drees & Huesmann“-Planern mit 600 beziehungsweise 300 Metern recht knapp bemessen. Zumal die Planer seinerzeit von 150 Meter Anlagenhöhe ausgingen. Inzwischen jedoch sind an die 200 Meter hohe Anlagen keine Seltenheit mehr. Gilt die doppelte Höhe als Mindestabstand zu Häusern, dann verschieben sich die Distanzen.

Hinzu kommt: Seit der NRW-Wahl scheint im Land in Sachen Windenergie wieder Einiges im Fluss. So sollen einer Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zufolge unter Berufung auf „unbestätigte Berichten“ CDU und FDP in ihren Koalitionsverhandlungen schon über eine deutliche Erhöhung des Abstandes von Windrädern zur Wohnbebauung gesprochen haben. Der Mindestabstand solle demnach künftig fünf- bis siebenmal so groß sein wie die Gesamthöhe der Turbine.

Den Lügdern gilt derweil als Planungsgrundlage noch der letzte Windenergieerlass der rot-grünen Landesregierung.

Jens Bossen sieht die Stadt mit Blick auf mögliche Konzentrationszonen auf einem „ganz vernünftigen Weg“, wie er sagt. Waren 2015 noch rund 70 Anlagen im Gespräch, so dürfte davon nach Abzug der maßgeblichen Tabukriterien nur noch die gute Hälfte bleiben. Bossen: „Wir sind damals bewusst mit einer großen Gebietskulisse in das Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplans gegangen, um nicht von vornherein zu viele Flächen auszuschließen.“

Was klug sein könnte, denn: Gemeinden, die zu viele Flächen zu Tabuzonen erklärten, sind vor Gericht gescheitert.

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