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Worum Lügder Frontsoldaten ihre Lieben vor 100 Jahren baten / Sonderschau im Heimatmuseum

Lieber warme Sachen als ranzige Butter

Lügde. „Leb wohl – Auf Wiedersehn!“ so lautet nicht nur der Titel der aktuellen Ausstellung des Heimat- und Museumsvereins im Lügder Heimatmuseum. „Leb wohl – Auf Wiedersehn!“ könnte auch als Aufforderung der Veranstalter an die Besucher verstanden werden, der Ausstellung mit dem Untertitel „Schreib bald wieder! Lügder im 1. Weltkrieg“ einen wiederholten und mit Sicherheit erneut lohnenswerten Besuch abzustatten. Vereinsmitglied Josef Huppertz ist es mit Hilfe von über 600 Original-Feldpostkarten eindrucksvoll gelungen, ein berührendes Zeitfenster zum Kriegsalltag vor 100 Jahren zu öffnen und der heutigen Generation einen ansonsten nahezu unvorstellbaren Einblick in das Leben einiger Lügder Soldaten und ihrer daheim gebliebenen Familien während des Ersten Weltkrieges zu ermöglichen.

veröffentlicht am 28.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 05:41 Uhr

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Autor:

Sabine Brakhan
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Erst in der Freitagsausgabe dieser Zeitung wurde von der aktuellen Nachrichtenübermittlung von Soldaten aus dem Kriegsgebiet im Nordirak via Handy und Internet berichtet. Während sich heute Nachrichten blitzschnell übermitteln lassen, war die private Feldpost im Ersten Weltkrieg oft wochenlang unterwegs. „Schickt bitte keine Butter mehr. Die ist ranzig, wenn sie ankommt“, schrieb beispielsweise ein Soldat von der Front an seine fürsorglichen Lieben zu Hause. Dafür waren Socken, Schal, Handschuhe, 20 Nägel oder Angelschnur begehrt. „Sachen, die man an der Front eben so braucht“, kommentiert Initiator Josef Huppertz die etwas skurril anmutende Auflistung in seiner Einführung zur Ausstellung. Die Idee zu dieser Schau kam dem Lügder während der Ausstellung „Lipper im 1. Weltkrieg“. So etwas lässt sich sicher auch speziell für Lügde zusammenstellen, dachte sich der Heimatfreund, und der Zufall führte ihn mit Paul Ladwein zusammen, der den Nachlass seines Onkels Josef „Scheges“ Kannengießer ans Heimatmuseum weitergeben wollte. Als Angehöriger der kaiserlichen Marine diente dieser während des Ersten Weltkrieges unter anderem auf dem ersten deutschen Schlachtkreuzer „von der Tann“ sowie dem Großkampfschiff „Helgoland“ und hatte als Andenken an seine Marinezeit seine Hängematte mit von Bord genommen, die neben vielen schriftlichen und fotografischen Dokumenten nun im Heimatmuseum zu sehen ist. Den Kontakt zu Anni Fasse, die 380 Feldpostkarten aus dem Besitz der Lügder Families Fasse und Horstmann als Leihgabe zur Verfügung stellte, hatte der Museumsvereins-Vorsitzende Josef Hoppenstock hergestellt. Mithilfe dieses umfangreichen Materials ließ sich ein eindrucksvolles Bild aus den Kriegsjahren 1914 bis 1918 zusammenstellen. Dennoch betont Huppertz: Die Ausstellung habe weder den Anspruch auf Vollständigkeit noch eine gewisse Ordnung. „Bei der Vielzahl von Karten wäre das in diesem Rahmen nicht möglich gewesen“, sagt der Macher. Die Schau ermögliche vielmehr einen Blick auf die Kriegszeit wie durch ein Kaleidoskop. Von den Karten, die von daheim an die Front geschickt wurden, existieren kaum noch Exemplare. Umgekehrt haben die Empfänger die Post gehütet, wie einen Schatz. Die damals noch in Sütterlin geschriebenen Zeilen von der Front waren Lebenszeichen und Hoffnungsschimmer in einem für die Daheimgebliebenen“, erzählt der Lügder, der die Exponate der Ausstellung in nur fünf Monaten zusammenstellte. „Man fühlt beim Kartenlesen mit den Menschen, versetzt sich gedanklich in ihr Lage und erlebt so ihr Leben und Leiden mit“, beschreibt er die emotionale Seite der Ausstellungsvorbereitung.

Von einem berührenden Zeitzeugnis, wie sich Hurra-Patriotismus in Entsetzen wandelt sprach dann auch Lügdes stellvertretende Bürgermeisterin Birgit Platte vor zahlreichen Besuchern der Eröffnung. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 23. November täglich (außer mittwochs) von 14 bis 19 Uhr im Lügder Heimatmuseum, Hintere Straße 86. Gruppenführungen bietet Josef Huppertz nach Vereinbarung (Telefon 05281/6009718) an.

Wenn keine Postkarte zur Hand war, wurde die Feldpost von der Front auf Birkenrinde geschrieben. Auch diese ungewöhnliche Art der Nachrichtenübermittlung kam bei den Empfängern in Lügde an. sbr (3)

2 Bilder
Zur Ausstellungseröffnung kamen zahlreiche Besucher ins Lügder Heimatmuseum.


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