weather-image
15°

FDP holt Verstärkung: FDP-Landtagsabgeordneter Kai Abruszat im Gespräch mit dem Bürgermeister

Liberale Sicht auf die drei Problemthemen

Lügde. Einen Vorgeschmack darauf, wie es sich anhören könnte, wenn das Weserbergland und damit auch die Bahnstrecke durch die Osterräderstadt künftig verstärkt als Ost-West-Achse für den Güterverkehr der Bahn herhalten müsste, haben die Lügder in letzter Zeit wiederholt bekommen können. Immer dann, wenn der Schienenverkehr wegen Reparaturen anderswo hierhin ausweichen muss, rumpeln die lauten Züge durch die Stadt. Würde das zur Regel, dann täten sie das alle sechs bis acht Minuten. Rund um die Uhr und auch am Wochenende. „Das wäre der Super-GAU für die Anwohner“, glaubt Bürgermeister Heinz Reker (parteilos). Und das betonte Lügdes Verwaltungschef auch gestern, als der FDP-Landtagsabgeordnete Kai Abruszat vorbeischaute.

veröffentlicht am 07.10.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 18:36 Uhr

270_008_7485088_pn310_0710_jl_Abruszat_3622.jpg
Juliane Lehmann

Autor

Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Nun mag die Unterstützung vonseiten der Liberalen in einem derzeit rot-grün regierten Bundesland zwar nicht unbedingt viel helfen. Aber der Politiker aus Porta-Westfalica sitzt nicht nur im Landtag, sondern auch im Regionalrat. In diesem Gremium werden Weichen gestellt, die auch die Richtung für Lügde vorgeben können. Deshalb kamen gestern gleich alle drei aktuellen Problem-Themen zur Sprache. Neben dem nicht nur in Lügde gefürchteten Schwenk der Y-Bahntrasse waren das zudem die derzeit in der Region heiß diskutierte Stärkststromtrasse „Suedlink“ und der vom Konzern Hochtief ins Lügder Natur- und FFH-Schutzgebiet Mörth gewünschte Industriebau eines Pumpspeicherkraftwerks. Ein solches Projekt erscheine ihm als „Gedankenspiel ins Blaue“, solange es nicht in ein regionales Energiekonzept eingearbeitet würde“, sagte Abruszat. „Isolierte Planungen sind nicht angezeigt.“ Pumpspeicherwerke sehe er zwar als eine Form, um von konventionellen Kraftwerken wegzukommen. Aber die mit dem Bau einhergehenden Eingriffe in Natur und Landschaft seien problematisch. Wirtschaftlich zu betreiben seien sie unter den jetzigen Voraussetzungen sowieso nicht. Abruszat: „PSW lösen die Probleme der Energiewende nicht.“

Möglich also, dass der FDP-Politiker das Thema kritisch betrachtet, wenn es eines Tages im Regionalrat zur Sprache kommt. Das geschieht dann, wenn für das PSW der Regionalplan geändert werden muss. Zu dessen jetzigen Festlegungen passt ein Industriebau im Schutzgebiet nämlich nicht. Sollten sich die jetzigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, dann sei ein „dialogorientierter Beteiligungsprozess“ vonnöten.

Einen solchen hat sich zwar auch Stromtrassen-Betreiber Tennet beim „Suedlink“ auf die Fahnen geschrieben. Von der Realität zeigt sich der Liberale indes entsetzt: „Es kann nicht sein, dass die betroffenen Kommunen überhaupt nicht in den Planungsprozess einbezogen worden sind“, beklagt er und ärgert sich über die NRW-Landesregierung. Denn: „Sie macht keine Anstalten, sich wissenschaftlich fundiert mit den gesundheitlichen Auswirkungen in dieser Dimension zu befassen.“ Er fordere, dass in NRW beim Sudlink-Bau die gleichen Abstandsregelungen gelten müssten wie in Niedersachsen. Der jetzige zackige Verlauf der geplanten Stromleitung lasse nur den Schluss zu, dass Tennet den Weg des geringsten Widerstandes gehen wolle. Aber: „Das kann nicht der Maßstab sein.“

In Sachen Bahntrasse ist der Jurist Abroszat der Auffassung, dass die Bahn allein das Vorhandensein der durch Lügde führenden elektrifizierten Strecke nicht zum Anlass nehmen kann, den Verkehr zu intensivieren. „Da müssen andere Maßstäbe gelten“, sieht er seine Sicht durch ein höchstrichterliches Urteil bestätigt.

Den Lügdern sagte der Politiker zu, auch dieses Thema mit in den Regionalrat zu nehmen. Mit Blick auf die Emmerstadt nannte er es „bemerkenswert, dass sie vor gleich drei gewaltigen Planungsvorhaben steht, die sie nicht selbst initiiert hat und von denen sie auch nicht profitiert.“ Die Betreiber müssten die Kommunen und örtlichen Akteure zu Beteiligten machen, statt sie zu Marionetten zu degradieren. Mit Blick auf das Stromtrassen-Projekt sieht Abruszat das Klima vergiftet. Ihm erscheine die „Energiewende“ „übers Knie gebrochen und überstürzt“.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Weiterführende Artikel
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?