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Scheidender Pfarrer Marc Stücker verabschiedet sich von katholischer Gemeinde

Letzte Messe in Lügde

LÜGDE / BAD PYRMONT. Zum Abschluss gab es in der nahezu voll besetzten Kirche kräftigen Applaus. Das ist nun hierzulande in der katholischen Kirche alles andere als gang und gäbe, war gestern Vormittag aber mehr als berechtigt. Denn dieser Beifall drückte Dank, Anerkennung und gute Wünsche gleichzeitig aus. Sie galten dem scheidenden Pfarrer Marc Stücker, der gestern Vormittag seine letzte Heilige Messe mit der Lügder Pfarrgemeinde St. Marien feierte. Zur Seite standen ihm dabei seine Amtskollegen aus dem Pastoralen Raum, den Stücker vier Jahre lang seelsorgerisch, vor allem aber verwaltend betreut hatte, was ihm, vor allem hinsichtlich der ihm aufgezwungenen administrativen Aufgaben, letztlich über den Kopf gewachsen war.

veröffentlicht am 01.05.2018 um 16:09 Uhr
aktualisiert am 01.05.2018 um 17:26 Uhr

Seine letzte Heilige Messe in der Lügder Pfarrkirche St. Marien zelebrierte Pfarrer Marc Stücker (Mitte) gestern gemeinsam mit Amtskollegen.

Autor:

Burkhard Reimer und Juliane Lehmann
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Pater Ruben aus Indien, Diakon Baumeister, Prälat Fesing, Pfarrverwalter Michael Linnenbrink und Pastor Neumann zelebrierten gemeinsam mit Marc Stücker den Gottesdienst. Auch nahmen die Kirchenvorstände und Pfarrgemeinderäte des Pastoralen Raums geschlossen teil wie die komplette Messdienergruppe und ihr Leiterteam sowie Fahnenabordnungen der Lügder Vereine und Verbände. Und selbstverständlich war es dem Kirchenchor eine Ehre, den Abschiedsgottesdienst in besonderer Weise musikalisch zu gestalten. Gewidmet war die kirchliche Feier anlässlich des 1. Mai dem Heiligen Josef, dem Zimmermann und Vater Jesu Christi, der seit 1955 offizieller Schutzpatron der Arbeiter ist. Pastor Marc Stücker nahm das zum Anlass, auf die sich rasant verändernde Arbeitswelt zu verweisen, in der die ausgleichende Balance mehr und mehr abhandenkomme. Auch ihm selbst habe diese Balance in den vergangenen Jahren zunehmend gefehlt, „habe ich doch meine Kraft weniger Gott dem Herrn zuwenden können, als vielmehr irgendwelchen Oberen im fernen Paderborn widmen müssen“. Umso mehr wolle er den Christen in der Region Mut machen, ihre Zukunft zu gestalten. Er danke allen, die, ob ehrenamtlich oder beruflich, den Weg gemeinsam mit ihm gegangen seien, „der für mich, den Gescheiterten, nun nach Unna führen wird, den Sie aber weitergehen werden“. Er sei sich sicher, beteuerte Marc Stücker, „dass Sie einen guten Weg finden werden“.

Abschließend lud der Geistliche alle Anwesenden noch in den Klostersaal ein, wo nicht nur ein Mittagsimbiss für sie vorbereitet worden war, sondern wo sie vor allem die Möglichkeit erhielten, sich noch einmal persönlich von ihm zu verabschieden.

Marc Stücker sah sich unter anderem an den Rahmenbedingungen der Leitungsaufgaben gescheitert. Das hatte der 54-Jährige im Februar mitgeteilt, als er die Gemeinden über seine Entscheidung zum Abschied informierte. Der Geistliche mag nun damit beschäftigt sein, das von ihm als sein persönliches wahrgenommene Scheitern zu akzeptieren. Die Ehrenamtlichen werfen jedoch einen ganz anderen Blick auf die Situation. Sie sind nicht sauer auf den scheidenden Pfarrer, sondern auf das Erzbistum Paderborn. Ihrem Ärger haben die Pfarrgemeinderäte aus Lügde, Falkenhagen, Bad Pyrmont, Blomberg, Schieder-Schwalenberg und Horn Bad Meinberg jetzt in einem zweiseitigen Brief Luft gemacht. Das Schreiben hängt im Infokasten vor Lügdes St. Marien-Kirche und ist im aktuellen Mai-Heft des „Weitblick“ abgedruckt. In dem offenen Brief an Andreas Kurte, den Personalchef des Erzbischöflichen Generalvikariats in Paderborn, nehmen die ehrenamtlich engagierten Katholiken kein Blatt vor den Mund: „Dass gerade Pfarrer Stücker nun aus Überlastung den Dienst quittiert, sollte Sie aufhorchen lassen“, schreiben sie an Kurte, der in den 1990er Jahren Vikar in Lügde war. Aufgrund von Marc Stückers Kapitulation sehen die Autoren des Briefes „das Konzept des Priesters als Manager hier exemplarisch gescheitert“. Diesen Umstand betrachten sie als besonders alarmierend vor dem Hintergrund, dass der scheidende Leiter des Pastoralen Raums – anders als andere Geistliche – sogar einschlägige Erfahrungen aus seinem früheren weltlichen Berufsleben mitbrachte. Zur Erinnerung: Von 1993 bis 1998 war Marc Stücker Personalreferent in der hessischen Niederlassung des Lebensmittelriesen Ferrero. Abgesehen vom dringenden Bedarf nach einem Nachfolger als Seelsorger und geistlichem Leiter des pastoralen Raums mahnen die Gemeinden die Einrichtung der Stelle eines Verwaltungsleiters an – nicht zuletzt, um die wenigen noch vorhandenen Priester nicht weiter mit Verwaltungsaufgaben zu verschleißen. Weil diese Forderung bereits seit zwei Jahren im Raum steht, fühlen sich die Unterzeichner „vom Erzbistum Paderborn mehr als im Stich gelassen“.



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