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Wie zwei Bildhauer einen Lügder Ziegenbrunnen gestalten und warum der Prälat einen Karlsbrunnen will

Leichtigkeit und Tiefgang

Lügde. Wie heißt es doch so schön? „Die Geschmäcker sind verschieden: Es gibt guten und schlechten.“ Doch ganz so einfach ist die Sache mit dem Brunnen für Lügdes Marktplatz nicht. Das machte die jeweils etwa viertelstündige Präsentation der beiden Modelle für einen künftigen Ziegenbrunnen auf Lügdes Marktplatz am Montagabend im Ratssaal deutlich. Hinzu kam noch die rund 20-minütige Erklärung von Prälat Heinrich Festing, dem im Juli die Idee zu einem Kaiser-Karl-Brunnen kam.

veröffentlicht am 11.09.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 14:00 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Grundsätzlich hatte sich das Gros der Bau-Politiker allerdings schon im Frühjahr für den von Bauamtsleiter Günter Loges angeregten Ziegenbrunnen aufgesprochen. Die künstlerische Ausgestaltung war indes offen geblieben. Hier wünschte sich der Ausschuss mehr Auswahl, denn Modelle gab es noch nicht. In der Folge brachte ein von Lügdes Stadtmarketing-Verein angeschobener Spendenaufruf für den Ziegenbrunnen binnen weniger Wochen den zur Verwirklichung des Projekts notwendigen Sponsoren-Anteil zusammen.

Wenn Lügdes Stadtrat nun vermutlich in seiner übernächsten Sitzung Mitte Oktober über die Optik des Brunnens zu befinden hat, dann „werden Sie den Mut haben müssen, eine Entscheidung zu treffen“, gab der Bauamtschef jetzt den Politikern im Bauausschuss mit auf den Weg und nahm tröstende Worte schonmal vorweg: „Wenn dann der eine oder andere enttäuscht ist, dann ist das eben Demokratie.“ Der Brunnen wird zwar erst 2014 errichtet. Das runde oder eckige Fundament sollen die Pflasterer aber noch im Herbst bauen.

Bevor endgültig entschieden wird, haben nun alle Lügder Gelegenheit, sich die Modelle anzusehen. „Interessierte können sich einfach im Bauamt melden“, ergänzte Günter Loges gestern auf PN-Anfrage. Wer sich eine Meinung gebildet hat, kann die den Politikern weitergeben, damit die sie bei ihrem Beschluss berücksichtigen können. Zudem will sich auch der Marketing-Verein im Vorfeld der Entscheidung noch umhören.

3 Bilder
Christian Uhlig schneidet Tierformen aus rostbraunen Stahlplatten und kombiniert die so entstehenden Positiv- und Negativ-Formen neu.

Ein einheitliches Meinungsbild zeichnete sich Dienstagabend noch nicht ab. Während den einen die figürlich gestalteten Bronzeziegen des Wunstorfer Bildhauers Bernd Maro gefielen, gaben andere der moderneren Brunnen-Version aus rostbraunem Stahl von Christian Uhlig aus Lügdes Partnerstadt Angermünde den Vorzug.

Auftragskünstler Maro präsentierte ein schon recht konkretes Modell mit einem halben Dutzend kleiner Bronze-Tiere: Eine Ziege erklettert den Brunnen, während andere auf den Bänken drumherum stehen oder sich possierlich balgen. Zwei Versionen eines Hirten dazu stellte der Bildhauer ebenfalls vor.Und auch über den Preis klärte er auf: Mit zusätzlichen Ziegen würde sein Brunnen nun 82 000 Euro kosten. Verzichte man auf sie, sinke auch der Preis. Die Hälfte der Endsumme sei übrigens für den Guss zu veranschlagen.

Uhlig geht das historische Thema der früher in Lügde allgegenwärtigen Haustiere losgelöst vom Gegenstand mit Kuschelfaktor an. Für seinen „Ziegenzirkus“, mit dem er am liebsten diverse Ecken der Stadt aufpeppen würde, nutzt er eine modernere Formensprache. Seine aus Pappe geschnittenen Modelle zeigen, wie der Künstler mit Positiv- und Negativ-Formen spielt.

Den engsten Bezug zu den Lügder Ziegen könnte eigentlich Heinrich Festing haben, denn der Prälat hat sie als Jugendlicher tagtäglich gesehen. Doch seinem Wunsch nach sollen die Lügder mit einem Kaiser-Karl-Standbild „das Erbe der christlichen Kultur in Ehren halten und pflegen“. Seine Ansicht teilte Georg-Jescow von Puttkamer aus dem Publikum: „Wir haben alle den Auftrag, unser Christentum in Europa zu verteidigen, wenn man sieht, was da alles auf uns zurollt“, fand er.

Andere indes konnten sich wenig unter einem solchen Brunnen vorstellen, denn Festing hat nur das oktagonale Becken gezeichnet und durch von ihm gewünschte Aufschriften ergänzt. Die Gestaltung wolle er dem damit zu beauftragenden Künstler überlassen, erklärte er.

In der vom Ausschussvorsitzenden Thomas Blum (CDU) umsichtig moderierten Diskussion kamen die unterschiedlichsten Stimmen zu Wort. Heinz von der Heide (FWG) fasste am Ende zusammen: „Die einen hatten Leichtigkeit und die anderen den Tiefgang.“



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