weather-image
22°
Wie die Integration von Migrantenkindern in Lügdes Kitas funktioniert / 52 von 297 Kleinen mit nicht-deutschen Wurzeln

Klein-Mohammed läuft in der Kita ganz problemlos mit

Lügde (jl). Etwa 17 Prozent der knapp 11 000 in Lügde und seinen Ortsteilen lebenden Menschen sind außerhalb Deutschlands geboren oder haben ausländische Wurzeln. In Lügdes Kindergärten und Tagesstätten werden derzeit insgesamt 297 Kinder betreut, 52 von ihnen kommen aus Einwandererfamilien. Das entspricht einer Quote von 16,4 Prozent. Die verteilt sich allerdings völlig unterschiedlich auf die fünf Kitas: von null Kindern in Sabbenhausen über zwei Kinder (4 Prozent) in Falkenhagen, 9 (16 Prozent) in der AWO-Kita „Tausendfüßler“, 19 (24 Prozent) in der „Pusteblume“ bis hin zu einem Migrantenanteil von 38 Prozent im katholischen Kindergarten St. Marien.

veröffentlicht am 04.11.2010 um 22:06 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

In Lügdes Kindergärten – hier bei Klaudia Wolff in der &bd
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

„Ein Integrationsproblem haben wir nicht“, sagt Gertrud Ostermann. Damit, so betont sie, spricht die Leiterin der städtischen Tagesstätte „Pusteblume“ auch für ihre Kolleginnen in den vier anderen Kitas.

„Wenn wir die Eltern persönlich ansprechen, dann sind sie auch bereit, sich einzubringen.“ Und sie seien dann stolz, etwas aus ihrer Kultur vermitteln zu können. „Eine Mutter hat bei uns zum Beispiel einen Bauchtanz vorgeführt, und andere bereiten bei gemeinsamen Kochaktionen Gerichte aus ihren Heimatländern zu“, erzählt Ostermann weiter. „Außerdem bekommen muslimische Kinder mittags oder beim Frühstückstag kein Schweinefleisch“, ergänzt Beate Deppenmeier aus Sabbenhausen und betont die Bereitschaft der Betreuerinnen, den unterschiedlichen Wünschen der Eltern zu entsprechen.

Die muslimischen Kinder in den Kitas machen unter den Migrantenkindern übrigens gerade einmal 20 Prozent aus. Die Eltern der übrigen Kinder kommen unter anderem aus Russland, Polen, Syrien oder Großbritannien. Und: Die „bunteste Mischung“ ist ein Kind mit deutsch-polnisch-portugiesischen Wurzeln.

Weil fast alle Kinder aus Lügder Migrantenfamilien die Kitas besuchen, werden mögliche Sprachbarrieren schnell abgebaut. So fällt beim jährlichen „Delfin IV“-Sprachtest für die Vierjährigen nur ein relativ geringer Teil der Kinder durch. In der „Pusteblume“ waren es zuletzt drei von 21 Kindern, eines davon war deutscher Herkunft. 2009 lag das Verhältnis ähnlich: Da schafften 7 von 28 Kindern den Test nicht, davon waren zwei Kinder Deutsche..

In der städtischen Kernstadt-Kita bilden die betroffenen Kinder einmal wöchentlich vier Stunden lang eine Extra-Gruppe, in der sie von einer dafür weitergebildeten Erzieherin speziell gefördert werden. „Später gibt es zwar keine Sprachstandserhebung mehr“, sagt Gertrud Ostermann. „Aber man merkt, dass es etwas bringt.“ Und natürlich werde in den Kitas generell viel Wert darauf gelegt, ständig mit den Kindern zu sprechen und kleinen Nicht-Muttersprachlern deutsche Wörter nebenbei beizubringen. „Wenn wir in der Küche einen Löffel oder Mixer in die Hand nehmen, dann nennen wir alles beim Namen.“ Dabei hat Ostermann festgestellt: „Die Kinder lernen schnell.“

Froh ist die Kita-Chefin auch, die aus dem Ural stammende Erzieherin Irina Folz in ihrem Kollegium zu haben, „denn wir haben zehn russische Kinder“. Das erleichtere die Kommunikation mit deren Eltern enorm.

Und wie ist es später, in den Grundschulen, um das Thema Integration bestellt? „Die Kinder sind ja alle in Deutschland geboren“, sagt Lügdes Grundschulleiterin Anneli Runte und sieht im Umgang der Mädchen und Jungen miteinander kein Problem. „Die Kinder stehen nicht in Grüppchen zusammen.“

Ihre für Elbrinxen und Rischenau zuständige Kollegin Barbara Gutenbeil sieht die Situation ähnlich: „Im Alltag klappt es ganz problemlos.“ Kindern, deren deutsche Sprachkenntnisse nicht tief genug gingen, erhielten vor allem bei Aufsätzen und Textaufgaben mehr Hilfe. Allerdings müsse auch die Erstsprache gefördert werden. Beim Thema Sprache findet Anneli Runte allerdings: „Da könnte auch manches deutsche Kind eine Förderung gebrauchen.“

Probleme sieht Runte allenfalls „mit Eltern, die nicht integrationswillig sind“. Es gebe ein paar, die nähmen an keinem Klassenfest teil und ließen sich auch beim Elternabend nicht blicken. „Und wenn man sie anspricht, unterstellen sie einem gleich Ausländerfeindlichkeit“, hat Runte erfahren müssen. Doch sie kann niemanden zu etwas zwingen und bedauert: „Wenn die Eltern nicht mitspielen, haben wir als Schule schlechte Karten.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige

    Immobilien in Hameln: auf immo.dewezet.de finden Sie tagesaktuelle Angebote zur Miete und zum Kaufen

    Immobilien mieten

    Immobilien kaufen

    Anzeige
    Kommentare