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Wie zwei Messgeräte eine Sperrung auslösen

Kleine Ursache, große Wirkung: Emmerauentunnel dicht

LÜGDE. Rot-weiße Baken blockieren beide Einfahrten, Displays und Warnleuchten sind ebenfalls auf Sperrung programmiert. Seit Mittwochnachmittag ist Lügdes Emmerauentunnel dicht. Wie lange, konnte am Donnerstag beim nordrhein-westfälischen Landesbetrieb „Straßen.NRW“ noch niemand einschätzen.

veröffentlicht am 10.01.2019 um 21:18 Uhr

Der Emmerauentunnel ist dicht, und der Verkehr muss durch die Lügder Altstadt fahren oder die Straße „Unter den Klippen nutzen. Wann die Unterführung wieder geöffnet werden kann, stand am Donnerstagabend noch nicht fest. Foto: jl
Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Das Problem kennt fast jeder: Ein kaputtes Teil in irgendeinem Gerät Zuhause kann mangels Ersatzteilen nicht ausgetauscht werden. Wenn der Hersteller dann auch noch seine Produktion umgestellt hat, muss schließlich ein neues, ganz anderes Gerät her (was immerhin der Wirtschaft hilft). Aktuell ist nicht auszuschließen, dass Straßen.NRW im Lügder Emmerauentunnel gerade vor so einem Problem steht.

„Die Steuerung für die Brandlüftung funktioniert nicht“, teilte die Tunnelleitzentrale der Behörde in Hamm am Donnerstag mit. Wie lange die Sperrung bestehen bleiben muss, steht derweil noch nicht fest. Die Fehlersuche geht heute weiter. „Wir hoffen, dass wir bis Mitte, Ende nächster Woche einen Ersatz haben“, sagt der unter anderem für Lügdes Tunnel verantwortliche Elektroingenieur Ingo Bresser. Versprechen kann er das aber nicht.

Dem bisherigen Anschein nach sind zwei Geräte ausgefallen, die die Luftströmung im Tunnel messen. „Ohne deren Daten funktioniert die Entrauchung nicht, und der Tunnel wäre im Brandfall nicht betriebssicher“, erklärt Bresser. Ein extra hinzugezogener externer Sicherheitsbeauftragter habe bestätigt, dass der Tunnel so nicht benutzt werden könne.

Der Haken an der Sache: Der Schweizer Spezialhersteller produziert die beiden verbauten Strömungsmesser nicht mehr. Ersatzteile? Fehlanzeige. „Das sind auch nicht nur zwei Relais und ein bisschen Draht“, erläutert der Fachmann weiter. „In der Messtechnik steckt jede Menge Elektronik drin.“

Möglich also, dass ein ganz neues System hermuss. Dessen Einbau ist dann vor allem eine Zeitfrage. Denn die Hightech-Apparatur muss zu den diversen vorhandenen Sicherheitstechnik-Komponenten im Lügder Tunnel passen. Oder passend gemacht werden. Wie lange das dauern würde, ist laut Bresser derzeit nicht abzusehen.

Aufgefallen war der Fehler übrigens weder bei der letzten routinemäßigen Tunnelwartung, noch durch eine automatische Fehlermeldung. Sondern: als am Mittwoch „irgendein Stinker“ durch den Tunnel fuhr. Die Abgase dieses Fahrzeugs aktivierten zwar planmäßig den Kaltbranddetektor, und auch die Ventilatoren sprangen an. Doch plötzlich standen sie still, und in der Tunnelleitzentrale in Hamm blinkte es: Störung.

Im Zuge der nachfolgenden Recherche stellte sich heraus, dass der Ausfall der Strömungsmesser die Lüfter, statt sachte mittels „Sanft-Anläufer“, von Beginn an auf höchster Stufe ventilieren ließ. „Diese Art der Störung ist ungewöhnlich“, sagt Tunnel-Experte Bresser. Seine Kollegen im Lande hat er deshalb gleich über den merkwürdigen Domino-Effekt und dessen mutmaßliche Ursache informiert.

Tröstlich immerhin: Unter den etwa 60 nordrhein-westfälischen Unterführungen in Regie von Straßen.NRW gehört die Lügder zu den kleinsten und vergleichsweise verkehrsarmen. Hätte die Technik in einem stark frequentierten Autobahntunnel gestreikt, dann wäre dem anschließenden Verkehrschaos bundesweite Aufmerksamkeit ziemlich sicher gewesen.



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