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Was soll und kann Stadtmarketing? – Auf der Suche nach einem neuen Weg

Klartext in Elbrinxen

Lügde / Elbrinxen. Klartext zu reden ist nicht unbedingt das, was Marketing-Menschen als ihre Aufgabe sehen. Sie spezialisieren sich bekanntlich eher aufs Schönreden – mit dem Ziel, ein Produkt so zu bewerben, dass die Zielgruppen darauf anspringen. Wenn das Produkt „Lügde“ heißt, ist das zwar auch nicht so ganz anders. Weil sich im Marketingverein der Emmerstadt aber auch einige Ehrenamtliche stark engagieren, müssen Probleme offen angesprochen werden dürfen. Denn konstruktive Kritik kann der erste Schritt sein auf dem Weg zur Verständigung. Die Mitgliederversammlung des Vereins im „Lippischen Hof“ in Elbrinxen bot dafür am Dienstagabend ein Forum.

veröffentlicht am 13.02.2014 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 13.01.2017 um 08:55 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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So erinnerte der Vorsitzende Burkhard Fasse nicht nur an die vielen erfolgreichen Aktionen 2013. Er wollte seine knapp 40 vorwiegend aus der Kernstadt gekommenen Zuhörer auch wachrütteln: „Wir müssen weiter- und umdenken“, mahnte er an und betonte: „Wir brauchen mehr Leute, die Ideen einbringen.“

Denn offenbar waren längst nicht alle Arbeitsgruppen des Vereins so aktiv wie bei ihrer Einrichtung vor Jahren erhofft. Deshalb regte Fasse an, dass all jene, die Lügde weiter nach vorn bringen wollen, sich eventuell an einem Wochenende zusammensetzen und gemeinsam Antworten suchen könnten auf die Frage „Quo vadis, Lügde Marketing?“ Dazu ließ er ein Thesenpapier verteilen, in dem sich ein süddeutscher Unternehmensberater kritisch mit den üblichen Marketing-Methoden auseinandersetzt. Einer der dick unterstrichenen Sätze darin lautet: „Eine Kommune hat in der Regel keine besseren Unternehmensberater als ihre eigenen Bürgerinnen und Bürger.“ An anderer Stelle heißt es: „Wenn perfektes Marketing betrieben wird, die Versprechen aber nicht eingehalten werden können, da innerhalb des Ortes Neid, Misstrauen und Unzufriedenheit regieren, darf man sich nicht wundern, wenn der Erfolg ausbleibt.“

Dass es solche Probleme auch in der Großgemeinde Lügde gibt, sprach Oliver Jürgens an. Der im Elbrinxer Heimat- und Verkehrsverein aktive Ehrenamtliche musste die teils seit Jahrzehnten gepflegten Animositäten selbst schon erleben als „echtes Problem, das viel Kraft raubt“. Mit dieser Einschätzung versuchte er zu erklären, warum es manchen Akteuren etwa aus den Lügder Ortsteilen am Willen fehlen könnte, sich mit anderen Leuten aus anderen Dörfern sowie aus der Kernstadt an einen Tisch zu setzen. Zudem seien die Ehrenamtlichen vor Ort schon gefordert: „Die Vereine wollen erst einmal ihre Probleme lösen“, glaubt Jürgens.

Ähnlich sah das Josef Huppertz vom Lügder Heimat- und Museumsverein: „Das Marketing darf keine Glocke sein, die den Vereinen übergestülpt wird“, fand er und sah die Ehrenamtlichen – „darunter viele Mehrfachfunktionäre“ – überfordert, wenn die Ansprüche an sie allzu hoch seien. Er wünschte sich deshalb eine Grundlage als Richtschnur für anstehende Diskussionen über die Zukunft des Stadtmarketings – und letztlich auch der Stadt.

Ein Beispiel für die widerstreitenden Interessenlagen der unterschiedlichen Akteure hatte vorher Fritz Köhne geboten. Er beklagte: „Unser Problem ist die zunehmende Professionalisierung der Vereinsgastronomie.“ Gegen den allgemeinen Vorwurf des Sonnenhof-Hoteliers protestierte vor allem der ALF-Vorsitzende Bernd Krüger: „Wir sind keine Schwarzgastronomie!“, betonte er und verwies auf die von seinem Verein entrichteten Steuern. Den Diskurs suchte Burkhard Fasse durch seinen Appell zur Zusammenarbeit zu entschärfen, und auch Günter Loges riet eher zu dem Versuch, gegenseitig voneinander zu profitieren.

Der Anlass für Fritz Köhne, seinem Ärger Luft zu machen, war übrigens ein eigentlich positiver: die Ende August in Lügde stattfindenden „Lipper Tage“. Bei deren gastronomischen Angeboten sollen die Catering-Angebote heimischer Profi-Gastronomen und Vereine nämlich gegenüber Auswärtigen bevorzugt werden.

Das Motto der Lipper Tage 2014 heißt, schön griffig, „Tatort Lügde“. Das lasse „viel Gestaltungsspielraum und Kreativität“, findet Lügdes hauptamtliche Marketing-Fachfrau Carolin Nasse – und ist schon gespannt auf die Lügder Ideen.



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