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„Wir atmen hier den Geist der Geschichte“

Journalistinnen aus Südkorea zu Gast in Lügde

LÜGDE. Um sich über Energiegewinnung aus nachhaltigen Ressourcen zu informieren, sind die beiden südkoreanischen Journalistinnen Park Kyung Mi und Lim Ah-Yeon nach Deutschland gekommen, ins Bioenergiedorf Jühnde. Auf einem Abstecher nach Lügde haben sie den Künstler Ukn Lee besucht, der in ihrer Heimatstadt Dangjin kein Unbekannter ist.

veröffentlicht am 28.08.2018 um 18:05 Uhr
aktualisiert am 28.08.2018 um 18:53 Uhr

Park Kyung Mi (li.) und Lim Ah-Yeon besuchen in Lügde den Maler Ukn Lee. Foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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„Ganz zauberhaft“ findet Lim Ah-Yeon die Lügder Innenstadt mit ihren vielen alten, traditionellen Häusern. „So etwas kenne ich gar nicht aus Südkorea“, bedauert die Journalistin, die für ein paar Tage nach Deutschland gekommen ist. Zunächst war sie in Jühnde bei Göttingen, wo sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Park Kyung Mi das erste Bioenergiedorf Deutschlands besichtigte, um darüber in den „Dangjin Nachrichten“ ausführlich zu berichten.

„In Dangjin steht ein Kohlekraftwerk mit 4000 Megawatt Leistung“, erzählt Lim Ah-Yeon. Und es befinden sich weitere Kraftwerksblöcke in Planung. Das Kraftwerk dient auch dazu, die 120 Kilometer entfernt gelegene Hauptstadt Seoul und die Metropole Pyeongtaek mit Energie zu versorgen. Dazu werden auch Stromautobahnen genutzt: „1,5-Gigawatt-Leitungen zersägen unser Gebiet.“ Klar, die Bevölkerung macht mit im Namen des Fortschritts, aber sie könnte sich auch schonendere Lösungen für den auch weiterhin zunehmenden Energiehunger der Metropolen vorstellen. Deshalb haben sich die beiden Journalisten darüber informiert, wie das Dorf seinen Strombedarf und einen großen Teil seines Wärmebedarfs selbst produziert und das zum überwiegenden Teil mit Biomasse, die aus der Region kommt.

Bei den „Dangjin Nachrichten“ ist auch Ukn Lee kein Unbekannter. Und so nutzten die beiden Journalisten ihren Aufenthalt in Deutschland, um auch den Künstler zu besuchen, der in Dangjin eine Galerie hat. „In Korea wurde alles dem Modernen und Effektiven geopfert“, erklärt Park Kyung Mi. „Deshalb gibt es bei uns keine alten Häuser. Nichts, was auf die Tradition Koreas hindeutet.“ Es wurde alles abgerissen, durch Hochhäuser ersetzt. Es gibt keine alten Häuser mehr. „Alles wurde zerstört.“

Park Kyung Mi (li.) und Lim Ah-Yeon: Die beiden Journalistinnen sind von Lügde beeindruckt. Foto: yt
  • Park Kyung Mi (li.) und Lim Ah-Yeon: Die beiden Journalistinnen sind von Lügde beeindruckt. Foto: yt

Natürlich wohnen die beiden auch gerne in einer modernen Wohnung mit den üblichen Annehmlichkeiten, die sie in einem historischen Wohnhaus vermisst hätten. Dennoch fühlen sie sich in dem alten Haus, das Ukn Lee in Lügde gekauft und schon zu einem guten Teil renoviert hat, sehr wohl.

„Wir atmen förmlich den Geist der Geschichte und der Vorfahren, die hier einst gelebt haben.“ In den Umschreibungen ihrer Gefühle klingt geradezu Ehrfurcht mit. Ehrfurcht vor den Ahnen, auf deren Grundmauern sie heute und in diesem Fall auch wörtlich leben. „Und genau das ist der Grund, warum ich ein so altes Haus gekauft habe“, meldet sich der Maler zu Wort und gesteht, dass Lügde für ihn nur Zufall – oder Bestimmung und Schicksal – war. „Hätte ich ein ähnliches Haus in Berlin gefunden, wo ich eine weitere Galerie betreibe, hätte ich mich sicher für Berlin entschieden.“

Hat er aber nicht. Und so sitzen die drei nun in Lügde beisammen, um über die den Südkoreanern völlig fremde Erfahrung zu philosophieren, sich in einem jahrhundertealten Haus aufzuhalten und darauf zu lauschen, was es wohl erzählen mag.



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