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Ex-Heimkind steht anderen Menschen mit ähnlichen Schicksalen zur Seite / Prozedere um Entschädigung noch unklar

Jetzt geht für Wolfgang Focke die Arbeit richtig los

Sabbenhausen (jl). Das Ringen um die Rechte der ehemaligen Heimkinder lässt den in Sabbenhausen lebenden Wolfgang Focke einfach nicht los. Eigentlich wollte er den Kampf schon drangeben – seiner Frau und seiner Gesundheit zuliebe. Doch dann folgte der Ruf in den vom Land Nordrhein-Westfalen installierten Arbeitskreis Heimkinder-Fonds in Münster. Hier sollen der 65-Jährige und zwei weitere in ihrer Jugend von Ausbeutung und Missbrauch Betroffene den Menschen zur Seite stehen, die sich um eine Entschädigung zum Beispiel für die in ihrer Jugend unentgeltlich geleistete Arbeit bemühen.

veröffentlicht am 18.01.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 21:41 Uhr

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Focke & Co. sollen übrigens für Gotteslohn aktiv werden. Spritgeld gibt es offenbar nur für die Fahrten nach Münster. Nicht aber, so scheint es, wenn Focke andere ehemalige „Zöglinge“ zu Hause besucht. „Natürlich fahre ich zu den Leuten, die mich anrufen, wenn sie das wünschen“, sagt Focke und stellt fest: „Jetzt geht die Arbeit richtig los, mein Telefon steht nicht mehr still.“ Auch aus dem benachbarten Niedersachsen haben sich schon Ratsuchende an ihn gewandt. Und Focke musste feststellen: „Dort gibt es bisher kaum Ansprechpartner. Und die Heimkinder sind bei den Beratungsstellen völlig außen vor.“

Die beiden hauptamtlichen Mitarbeiter der in Münster angesiedelten westfälischen Beratungsstelle sind derweil noch nicht eingestellt. Bis das Bewerbungsverfahren abgeschlossen ist, kümmert sich deshalb neben den Ehrenamtlichen momentan noch Michael Lehmkuhl, Referatsleiter beim Landesjugendamt, um die Anliegen der Anrufer.

Die heutigen Mitarbeiter der Behörde sind zwar nicht verantwortlich für das Agieren ihrer Vorgänger in den 1950er und 60er Jahren, auf deren Betreiben viele Kinder damals in den Heimen landeten. Und doch hält Wolfgang Focke die Ansiedlung der Beratungsstelle dort für problematisch: „Im Landesjugendamt saßen doch die Leute, die die Kinder damals in die Heime geschickt haben. Da kriegen manche Betroffene doch schon zu viel, wenn sie das Wort Jugendamt nur hören.“

Was Focke zudem wurmt: Noch ist auch nicht wirklich geklärt, wie das Prozedere laufen soll. „Wir wissen zum Beispiel noch gar nicht, ob die Entschädigung für entgangene Einzahlungen in die Rentenkasse vielleicht sogar auf Hartz-IV-Leistungen oder die Grundsicherung angerechnet wird.“ Denn dem Gros der ehemaligen Heimkinder gehe es finanziell nicht gut.

Klar ist nur: Wer als Heranwachsender unentgeltlich etwa auf Bauernhöfen oder in der Fabrik arbeiten musste, soll dafür nun als Ungelernter mit 170 Euro pro Monat entschädigt werden. Das macht zum Beispiel bei vier Jahren Arbeit 8160 Euro. „Das kriegt man bar ausgezahlt“, sagt der Sabbenhausener. Aber: „Wer das Geld haben will, soll eine Verzichtserklärung auf weitere mögliche Ansprüche an die früheren Träger der Heime unterschreiben.“ Das jedoch erscheint Focke widersinnig: „Mit dem Argument, dass die Arbeit damals im rechtsfreien Raum stattfand, haben wir keinen Rechtsanspruch“, sagt er. „Mir ist unbegreiflich, wieso wir dann rechtsverbindlich unterschreiben sollen.“ Zumal er die Heimkinder damit unter Druck gesetzt sieht. Er selbst zögert deshalb noch mit dem Verzicht.

Wer in seiner Jugend im Heim unentgeltlich gearbeitet hat, soll jetzt entschädigt werden. Wolfgang Focke hilft anderen Betroffenen im Kontakt mit der Beratungsstelle in Münster.

Foto: jl



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