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Bei Flüchtlingszahlen im Mittelfeld

In Lügde sind die Arbeitslosenzahlen relativ konstant

LÜGDE. Es geht voran in Lippe. Sie nehmen ab, die Arbeitslosen: Mit 8088 im September waren es über 200 weniger als im Vormonat und rund 400 weniger als ein Jahr zuvor. In Lügde sind die Zahlen allerdings relativ konstant bei gut 420 Arbeitslosen. Und auch bei den Langzeitarbeitslosen, das sind die, die länger als ein Jahr keine Beschäftigung haben, die hier mitgezählt sind. Sie liegen bei rund 260. Bei den Langzeitarbeitslosen wie auch bei den anderen sind etwas mehr Männer als Frauen.

veröffentlicht am 21.11.2018 um 17:03 Uhr
aktualisiert am 21.11.2018 um 21:40 Uhr

Elke Althof, Leiterin des Fachbereichs Markt und Integration, erläutert die Zahlen. foto: yt
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Carlhermann Schmitt Reporter
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Elke Althof, die Leiterin des Fachbereichs Markt und Integration, legte bei ihrem Bericht zur aktuellen Situation im Lügder Ausschuss für Jugend, Senioren, Kultur, Sport und Soziales auch Flüchtlingszahlen im Vergleich der Lipper Kommunen vor: Lügde liegt dabei mit insgesamt 209 Geflohenen im Mittelfeld zwischen Blomberg mit 291 und Oerlinghausen mit 177. Die meisten Flüchtlinge sind anerkannt, 38 in laufenden Verfahren und lediglich 38 nur geduldet.

Althof zeigte auf, wie sich das Jobcenter Lippe mit Aktivierungs- und Eingliederungsmaßnahmen, Sprachkursen, geförderter Beschäftigung und Ausbildung um die Integration der Arbeitslosen in den normalen Arbeitsmarkt bemüht. „Wir haben als weiteres Standbein auch den ‚sozialen Arbeitsmarkt‘ als Anlaufstelle für Arbeitslose, die ansonsten nicht vermittelbar sind.“ Sie erklärte, dass in früheren Zeiten auch Akademiker nach Studienende ebenso wie manche Facharbeiter als arbeitslos gemeldet waren. „Aber aufgrund der schon lange anhaltenden guten Konjunktur konnten alle diese Personen in Beschäftigung gebracht werden. Sodass uns derzeit tatsächlich die ungelernten oder angelernten Arbeitslosen mit oft noch weiteren Handicaps beschäftigen“, erklärte Althof die Herausforderung, vor der das Lipper Jobcenter steht. Und hier sei besonders der soziale Arbeitsmarkt eine Chance, diesen Personen Chance und Würde zu geben. „Es handelt sich hier um zusätzliche Arbeitsgelegenheiten, die nur zusätzlich stattfinden können und der Privatwirtschaft keine Aufträge wegnehmen.“ Der Träger dafür ist die euwatec gGmbH. Insgesamt gibt es bis zu 70 Plätze auf verschiedene Projekte auch in Lügde verteilt.

Als Beispiele für solche Projektarbeiten im kommunalen Bereich steht die Aufarbeitung touristischer Infrastruktur wie Bänke, Schilder, Wanderwege, ebenso die Neophytenbekämpfung. Derzeit gibt es 250 solcher Arbeitsgelegenheiten in Lippe. In den nächsten Jahren soll das Angebot auf rund 500 erhöht werden. „Der Bund hat nun beschlossen, dass es für Langzeitarbeitslose einen Lohnkostenzuschuss von 75 Prozent im ersten Jahr und 50 Prozent im zweiten Jahr geben kann“, freute sich Althof, dass damit noch mehr Menschen in Lohn und Brot gebracht werden können. Und für die richtig Abgehängten bietet das Teilhabechancengesetz ab nächstem Jahr eine ganz besondere Chance: „Wer in den letzten sieben Jahren wenigstens sechs Jahre ohne Beschäftigung war, kann über eine besondere Förderung integriert werden: Volle Lohnkostenübernahme in den ersten zwei Jahren, in den Jahren danach 90, 80 und zuletzt 70 Prozent Förderung.“ Und was Althof dabei für ganz wichtig erachtet: „Der Arbeitgeber ist danach nicht gezwungen, den Geförderten unbefristet zu übernehmen.“ Also kein Vabanquespiel für den Arbeitgeber. 3,8 Millionen Euro stellt der Bund für diese Programme zusätzlich dem Kreis Lippe zur Verfügung. „Das sind zunächst aber keine Selbstläufer“, betont Althof, zumal es sich um die Förderung von stark gehandicapten Personen handelt. Die Kandidaten müssen erst einmal auf das Konzept von Regelmäßigkeit, Verantwortung, Kompetenz und auch Selbstüberwindung vorbereitet werden. „Wir sind da mit Coaches und Beratern unterwegs und müssen die Kandidaten auch während der Zeit bei einem Arbeitgeber – und auch den Arbeitgeber selbst – betreuen und unterstützen. Und das Mentoring ist nicht zu unterschätzen.“ Und auch im Vorfeld müssen erst einmal potenzielle Arbeitgeber gefunden und darauf vorbereitet werden.

Weiterhin stellte Althof auch die Arbeit mit Flüchtlingen vor. „In diesem Jahr haben wir schon rund 500 Flüchtlinge in Arbeit gebracht.“ Hier sei aber auch der Lerneffekt zu berücksichtigen. „Wir haben festgestellt, dass den Flüchtlingen deutlich mehr Orientierung an die Hand gegeben werden muss als nur Sprachkenntnis. Habe es zu Beginn noch kulturelle Verwerfungen zwischen Deutschen und den Migranten gegeben, weil jeder ein Bild des jeweils anderen im Kopf hatte, das viel zu unpräzise war, konnte man mittlerweile viel lernen. „Wir haben festgestellt, dass es lohnt, den Flüchtlingen klare Konzepte für ihr Leben hier an die Hand zu geben.“ Wenn beispielsweise gleich zu Beginn klar sei, dass der Arbeitsplatz keinerlei Raum biete für irgendwelche rituellen Handlungen, sei das auch einsehbar und ein vorprogrammierter Konflikt durch ein „Schauen wir mal, was möglich ist“ schon ausgeräumt. Deshalb müssen Bildungsträger und Berater auch weiterhin verstehen lernen, wie sie am besten ansetzen, um die Flüchtlinge zu integrieren.

Insgesamt ist sich Althof sicher, die Zeichen stehen gut. „Wir haben die Chance, was Gutes für Lippe und damit auch für Lügde hinzukriegen.“



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