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Früh dran mit der Balz

In Elbrinxen sind schon zwölf Störche am Start

ELBRINXEN. Der Lügder Ortsteil Elbrinxen im Lippischen, keine Viertelstunde von der niedersächsischen Landesgrenze entfernt, macht seinem inoffiziellen Namenszusatz „Storchendorf“ in diesem Frühjahr ganz besonders früh alle Ehre: Schon jetzt sind hier zwölf Störche am Start.

veröffentlicht am 27.02.2017 um 22:29 Uhr

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Juliane Lehmann

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Juliane Lehmann Reporterin zur Autorenseite
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Es ist ein phänomenales Schauspiel: Erst reckt einer den Hals in die Höhe, dann tut der zweite es ihm nach. Schließlich biegen beide den Hinterkopf bis auf den Rücken – und klappern mit ihren Schnäbeln, was das Zeug hält. Dass das rituelle Stakkato eines Storchenpaars in Elbrinxen in diesem Moment schon den Höhepunkt der Balz markiert, mag an den neugierigen Blicken der Menschen am Boden liegen. Zu einem kurzen Paarungsversuch setzt der Storchenmann erst an, als die Kamera für einen Moment eine andere Richtung anpeilt.

„Die Vögel sind in diesem Jahr recht früh dran“, sagt Rolf Klinge, der sich mit einem halben Dutzend anderer Ehrenamtler von örtlichen „Verein zum Schutze des Weißstorchs“ um Elbrinxens Storchenstation kümmert. „Sonst kommen sie meist erst Anfang März.“ Aber in der vergangenen Woche konnte Klinge schon zehn Vögel zählen. Zu den vier Überwinterern gesellten sich sechs Neuankömmlinge. Am Samstag haben zwei weitere Zugänge das Dutzend vollgemacht. Bis Ende März ist mit weiteren Brutgästen zu rechnen.

Doch warum der Frühstart? „Viele Störche fliegen gar nicht mehr nach Afrika. Sie bleiben den Winter über in Spanien“, sagt Klinge. Wenn sie dann wieder nach Elbrinxen kommen, bildet das Männchen meist die Vorhut. Im Abstand von einigen Tagen folgt dann das Weibchen.

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Ist es zu spät dran, kann es allerdings passieren, dass der Partner sich anderweitig umgetan hat. Denn die Arterhaltung steht an erster Stelle. Störche sind zwar relativ treu. Aber eben mit der Betonung auf „relativ“. „Es kann ja auch viel passieren auf der Reise“, sagt Klinge. Immer wieder kämen auch Vögel unterwegs zu Tode.

Solche Sorgen plagen das Paar auf dem Turm des Elbrinxer Feuerwehrhauses nicht. Obwohl das Nest hoch oben schon seit Jahren den First krönt, schaffen beide Störche immer neue Zweige heran. Praktisch dabei: Gleich nebenan lagert jede Menge kommunaler Grünschnitt auf einem großen Haufen. „Da können sich die Tiere bequem mit Braken eindecken“, sagt Storchenvater Klinge.

In diesem Moment segelt ein Storch mit einem kräftigen Zweig im Schnabel übers Gelände. „Der will in dieses Nest“, sagt Klinge und zeigt zu einem aufgeständerten Plateau in der Nähe. „Aber wir sind zu dicht dran.“

Und was passiert, wenn ein Storch kein Weibchen abbekommt oder es nicht von seiner Winter-Weltreise zurückkehrt? „Vor ein paar Jahren hatten wir einen, der hat sich dann in den Wetterhahn auf einem Haus verliebt.“ Die passive Haltung des Blechvogels beim Paarungsakt kümmerte das Männchen offenbar wenig. Es machte sich in der Nachbarschaft des Dachfirsts, an der Basis des Feuerwehr-Turms, ganz allein an den Nestbau. Aber seine Braut zeigte ihm weiter die kalte Metallschulter. Sie ließ sich nicht zu ihm herab.

Dass in Elbrinxen jetzt schon zwölf Vögel am Start sind, macht die Kümmerer zu gefragten Männern. „Es kommen immer wieder Schulklassen und Kindergruppen, aber natürlich auch Erwachsene aus dem ganzen Weserbergland zu uns“, sagt Klinge. Den Gruppen zeigen er und die anderen nach Absprache auch gern das Innere der Storchenstation. Vor allem der Monitor, auf dem die Aufnahmen der auf ein Nest ausgerichteten Kamera zu sehen sind, fasziniert die Besucher. Für Klinge, der selbst auf einem Bauernhof aufwuchs, sind die Führungen ein Teil seiner Mission: Er will dazu beitragen, „dass den Kindern ein bisschen Natur beigebracht wird“.

Nach den Tieren zu sehen, ist zwar ein Teil seines Ehrenamts, dem er sich vor über 30 Jahren verschrieb. Aber er könnte auch gar nicht anders. „Ich gehe jeden Tag einmal hierhin“, sagt Klinge. „Die Tiere sind einem einfach ans Herz gewachsen.“

Das Brutgeschäft der Tiere dürfte – so erwartet er – in diesem Jahr schon Mitte März beginnen. Zu Ostern könnten dann die ersten Jungen schlüpfen. Bis die nach acht bis zehn Wochen flugfähig sind, werden sie dann von ihren Eltern bewacht und gefüttert.

Die Elbrinxer Störche kann jeder auch ohne Anmeldung bewundern und bei Bedarf die Storchenkümmerer vor Ort kontaktieren. Wer vorher einen Termin vereinbaren möchte, erreicht Rolf Klinge unter Telefon 0175 / 8181473.



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