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Traktor brennt wenige Minuten nach der Durchfahrt aus / Fahrer lenkt ihn schnell noch aus der Stadt

Im Tunnel roch es zuerst nur verbrannt

Lügde (jl). Hätte der Traktor ein paar Minuten früher Feuer gefangen, wann wäre es am Freitagabend ernst geworden im neuen Lügder Umgehungsstraßen-Tunnel.

veröffentlicht am 24.10.2010 um 22:12 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 07:41 Uhr

Großangriff mit Schaum: Die Feuerwehrleute löschten den erst zwe
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So aber machte der Fahrer, ein Landwirt aus Großenberg, beim Durchfahren des Betonbauwerks zunächst nur einen Brandgeruch in seinem Fahrerhaus aus. „Ich dachte, das seien vielleicht Abgase im Tunnel, denn es war recht viel Verkehr“, sagte er hinterher. Kaum hatte der 64-Jährige jedoch die Unterführung in Richtung Schwarze Brücke verlassen, entdeckte er, dass sein Fahrzeug im hinteren Bereich Funken sprühte.

„Der Mann hat absolut richtig reagiert und gehandelt“, lobte Lügdes Stadtbrandinspektor Wolfgang Kornegger nach dem Einsatz seiner Leute. „Er hat den Traktor noch aus der Stadt herausgefahren und ihn dann etwa 250 Meter hinter dem Ortsausgang auf den Seitenstreifen angehalten.“

Zu dieser Zeit hatte sich das in dem erst zwei Jahre alten Fahrzeug ausgebrochene Feuer bereits durch den Kabelbaum gefressen. Und schon kurz, nachdem der Großenberger das Führerhaus verlassen hatte, stand es in Flammen. „Die halbe Flasche Pyrmonter Wasser, die ich dabei hatte, war keine große Hilfe“, meinte der 64-Jährige, nachdem die Freiwilligen der Lügder Feuerwehr die Flammen im Trecker am Freitagabend mit Schaum gelöscht hatten.

„Es ist nicht die Frage, ob etwas passiert, sondern wann etwas passiert“, sagt Stadtbrandinspektor Wolfgang Kornegger über das Risiko eines Feuers im Lügder Umgehungs-Tunnel. Deshalb hat die Stadt jetzt für die Feuerwehr acht neue Atemschutzgeräte kauft.

„Wir haben dann noch Licht gemacht und dem Landwirt ein paar Werkzeuge geliehen“, sagte Lügdes Feuerwehrchef.

Verletzt wurde bei dem Brand zum Glück niemand, und auch das Grundwasser blieb wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen. „Der Tank und die Hydraulikleitungen blieben zum Glück stabil“, so Kornegger. „Denn da passen schnell ein paar 100 Liter ‘rein.“

Den am Traktor entstanden Schaden schätzt der Landwirt auf bis zu 170 000 Euro. Warum das Fahrzeug Feuer fing, ist bisher nicht geklärt.

Übrigens: Auch, wenn sich Lügdes Stadtbrandinspektor und seine Leute ein Feuer im Tunnel lieber nicht vorstellen möchten – mit dem Risiko müssen sie leben und dafür gerüstet sein. „Es ist nicht die Frage, ob etwas passiert, sondern wann etwas passiert“, sagt Kornegger. „Bis vor kurzem hätten wir auch nicht gedacht, dass bei uns ‘mal ein Haus explodieren würde – und dann ist es in Niese passiert“, setzt er in Erinnerung an das schwere Unglück vor rund drei Wochen hinzu.

Wenn der Feuerwehrchef nun an einen Brand im Tunnel denkt, dann „sieht die Welt immerhin schon ganz anders aus“ als noch vor einigen Monaten. Denn inzwischen hat die Stadt die Ausrüstung der Feuerwehr aufgestockt: „Wir haben acht Atemschutzgeräte bekommen, mit denen die Kameraden bis zu eine Dreiviertelstunde lang in den Tunnel können“, sagt Kornegger, dem klar ist: „Mit unseren bisher zehn älteren Geräten wäre ein solcher Einsatz nicht möglich.“ Denn spätestens nach einer halben Stunde ist bei den alten Apparaten Schluss. Im nächsten Jahr sollen vier weitere Geräte beschafft werden.

Im Tunnel mit seinem mittigen Notausgang und den diversen Fluchtwegweisern gilt zwar offiziell das Prinzip Selbstrettung. Aber Wolfgang Kornegger kann sich durchaus vorstellen, „dass es jemand ‘mal nicht so schnell schafft“. Und dann wollen seine Leute und er nur eines: „Den Menschen helfen.“

Einige neue Funksprechgeräte für die Feuerwehr musste die Stadt ebenfalls kaufen. „Sonst würden wir uns im Ernstfall nicht verständigen können.“

Alles in allem kosten die Anschaffungen um die 38 000 Euro. Das ist viel Geld, wenn man – so wie die Stadt Lügde – nichts mehr auf der hohen Kante hat und für Anschaffungen wie diese Kredite aufnehmen muss. Dennoch hatte Kornegger es nicht allzu schwer, die Politiker von der Notwendigkeit der Investition zu überzeugen, als das Thema kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss verhandelt wurde. Sein Eindruck: „Sie wissen, dass wir keine überzogenen Forderungen stellen.“

Bedauerlich findet Bürgermeister Heinz Reker allerdings, dass die Stadt die Kosten für die Geräte allein tragen muss. „Wir hatten zunächst gehofft: ,Wer die Musik bestellt, der muss sie auch bezahlen’ “, sagt der Verwaltungschef mit Blick nach Düsseldorf. Wie Kornegger, so hofft freilich auch er, „dass da drin nichts passiert“. Aber er teilt dessen Meinung: „Irgendwann wird unsere Feuerwehr sicher ‘mal in den Tunnel müssen.“



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