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Mit Heimatforscher Willy Gerking auf den Spuren alter Wege

Im Lippischen unterwegs – eine echte Quälerei

Niese/Schieder. „So gut war die alte Zeit nicht“, sagt Willy Gerking. Nach umfangreichen Recherchen ist der Nieser Heimatforscher sicher: „Sie war bestialisch.“ Damit meint er vor allem die Mühsal der Menschen auf dem Weg von A nach B noch vor wenigen 100 Jahren. Wer heute von Lügde nach Schwalenberg im Auto eine gute Viertelstunde braucht, der war früher fast einen Tag lang unterwegs. Denn Straßen gab es nicht. „Niemand fuhr um die Berge herum, sondern immer Luftlinie mitten darüber. Die Täler waren ja alle nass“, sagt Gerking. „Durch den Schwalenberger Wald war das mit dem Fuhrwerk eine ungeheure Quälerei. Die Leute konnten dabei weder auf sich noch auf die Pferde oder den Wagen Rücksicht nehmen.“

veröffentlicht am 07.03.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 11:21 Uhr

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Sein Wissen hat der 65-Jährige für sein neues Buch „Alte Wege und neue Straßen in Ostlippe“ gesammelt. Gemeinsam mit den Herausgebern vom Landschaftsverband sowie der Altertums- und der Geographischen Kommission für Westfalen stellte er den 140-Seiten-Band gestern im Hotel „Fisch-anger“ in Schieder vor.

Als Heimatforscher hat sich Gerking mit über 120 Veröffentlichungen längst einen Namen gemacht. Für sein neues Buch durchforstete er zwei Jahre lang Literatur und Archive, bevor er sich mit GPS und Kamera ausgerüstet im Gelände auf die Suche nach den Spuren vergessener Wege, Gaststätten und Zollstationen machte.

„Bis 1813 waren die alten Wege die wichtigste Verbindung zwischen den Menschen“, erzählt Gerking. Mit dem Bau des heutigen Straßennetzes vor über 150 Jahren wurden die alten Wege aufgegeben. „Doch in den Wäldern sind sie noch heute als Kuhlen zu erkennen.“

Bei seinen Forschungen stieß Gerking sogar auf die „Cöllnische Straße“, einen Abzweig des Hellwegs, der einst wichtigsten deutschen Ost-West-Route. Und auch den alten Wegen zwischen Lügde und Bad Pyrmont hat er nachgespürt. Demnach wurde der Brunnenweg erstmals 1829 befestigt. „Und die 1843 fertiggestellte Pyrmonter Straße haben bis zur Grenze acht Jahre lang vor allem die Lügder Frauen gebaut“, berichtet er. „Ihre Männer waren als Tagelöhner unterwegs.“

Gerkings Buch erzählt also nicht nur von Straßen, sondern auch vom Leben der Menschen damals. Den Routen hat der Autor nicht nur über 100 Farbfotos und historische Karten zugesellt, sondern auch historische Text-Zeugnisse.

„Eine solche wissenschaftliche Qualität aus dem Ehrenamt ist nicht selbstverständlich“, betont Dr. Aurelia Dickers, Vorsitzende der Altertumskommission. Und in den Augen von LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschhoff-Thale sind Ehrenamtliche wie Willy Gerking ein großes Glück für die Heimatforschung. Denn der Kultur-Etat von 1,7 Millionen Euro finanziere gerade die Arbeit der Kommissionen.

„Das Buch schärft den Blick für die Spuren der Vergangenheit und lädt den Leser ein, die alten Wege selbst wiederzuentdecken“, verspricht Dickers. Dabei hilft auch eine von Willy Gerking zusammen mit dem Kartographen Horst Pohlmann eigens erstellte Landkarte, die dem Buch beiliegt. Damit kann die Spurensuche beginnen.

„Alte Wege und neue Straßen in Ostlippe“ ( 19,90 Euro) gibt‘s im Buchhandel und demnächst auch in Lügder Geschäften. fl/jl

Links: Autor Willy Gerking (2.v.re.) mit Kartograph Horst Pohlmann (v.li.), Dr. Barbara Rüschoff-Thale und Dr. Aurelia Dickers. Rechts: Wollten die Sabbenhausener früher einen der Ihren begraben, so mussten sie mitsamt Sarg durch den „Totengrund“ zum Friedhof nach Falkenhagen. „Wer da nur zu Fuß langgeht, keucht schon“, sagt Willy Gerking. fl, pr



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